Gut und böse
Polarität oder Gegensatz?
Es gibt zurzeit etwa 7 Milliarden Menschen auf dieser Erde, und „Mensch“ ist die Bezeichnung für eine Gattung aus männlichen und weiblichen Individuen, zwischen denen Gesetzmäßigkeiten von gegenseitiger Anziehung, von Sympathie und Antipathie herrschen, die widersprüchlich erscheinen. „Gegenpole ziehen sich an“ und „Gleich und gleich gesellt sich gern“ – wer kennt diese beiden Sprichworte nicht! In beiden Aussagen liegt Wahrheit, wie wir aus Erfahrung wissen. Es lohnt sich also, diesen „Widerspruch“ näher zu betrachten.
Das Polaritätsgesetz im Weltgeschehen
Die Beobachtung „Gegenpole ziehen sich an“ führt uns zum Polaritätsgesetz, das schon in der Genesis des Alten Testaments symbolisch beschrieben ist. Nach dem Schöpferwort „Es werde Licht!“ teilt sich die schöpferisch formende Gotteskraft: „Das Licht wurde von der Finsternis geschieden in Tag und in Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag …“ (1. Mose 1, Genesis)
Auch Abd-ru-shin schildert in seinem Werk „Im Lichte der Wahrheit“ sinngemäß, daß die göttliche Lichtkraft sich im Schöpfungsakt in zwei ergänzende polare Kräfte geteilt hat, die sich gegenseitig bedingen und deshalb anziehend aufeinander wirken, weil sie paarweise zusammengehören. Die positive und die negative Strahlungsart bilden ein Spannungsfeld und rufen die kreisende Bewegung in der Schöpfung hervor, die im Mikrokosmos zum Beispiel im Kreisen der Elektronen um die Atomkerne und im Makrokosmos im Kreisen der Galaxien zu beobachten ist.
Die Polarität, das Auseinandertreten einer einheitlichen Kraft in zwei Pole, die sich gegenseitig anziehen, ist also die Grundlage für die Bewegung und Formung in der stofflichen Welt. Diese gleichwertig zusammenwirkenden polaren Kräfte können mit dem Symbol des gleichschenkeligen Kreuzes im Kreis zum Ausdruck gebracht werden, das auch als Symbol der Wahrheit gilt.
In der fernöstlichen Philosophie und Religion wurde die Polarität der Kräfte ebenfalls erkannt und im Yin-Yang-Symbol dargestellt, das die polaren, einander ergänzenden Prinzipien in Form zweier kreisförmig zusammenliegender Tropfen zeigt.
In der belebten Natur bildet die Teilung der Arten in das weibliche und männliche Geschlecht die Grundlage für Leben und Fortpflanzung! Lebewesen müssen einander „befruchten“, um die Körper ihrer Art erhalten zu können.
Auch der männliche und der weibliche Geist sollen harmonisch zusammenwirken, denn erst der weibliche Teil und der männliche Teil zusammen bilden die Art des Menschengeistigen. Überall ziehen Polaritäten einander an und bilden zusammen ein Ganzes. Jede Artspaltung trägt ein Anschlußverlangen in sich, um eine Art zu bilden. Die Gegenpole sind zwei Aspekte der gleichen Sache, wobei es keine Unterscheidung in gut und schlecht geben kann. In der Polarität wirkt das Verlangen des „sowohl – als auch“.
Beispiele für Polaritäten sind Aktivität und Passivität, die in harmonischer Art zusammenwirken können; das Werden und Vergehen, in dem sich der Kreislauf des Lebens zeigt, das Geben und Empfangen, in dem Ausgleich herrschen soll, aber auch die Rhythmen der Natur: Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Ausatmen und Einatmen, Wachen und Schlafen, Anspannung und Entspannung. Auch unsere physikalischen Vorstellungen sind von der Polarität geprägt; man denke zum Beispiel an die atomare und elekromagnetische Polarität (positive und negative Ladung) oder an die Informatik, die auf dem Dualsystem basiert, dem einfachsten aller denkbaren Zahlensysteme, das nur zwei unterschiedliche Symbole kennt. Im Dualsystem können mit einer Stelle, einem „Bit“ (binäre Ziffer), zwei Zeichen verschlüsselt (kodiert) werden. Jedes Bit kann nur zwei Zustände annehmen: 0 oder 1 – Strom fließt oder fließt nicht.
Erst die Polarität ermöglicht die Vielfalt der Welt. Dies beschrieb bereits der chinesische Philosoph Lao Tse (5. Jh. v. Chr.) im „Tao te king“ (Vers 42) sehr treffend: „Aus dem Unergründlichen [das „absolut reine TAO, der Noch-nicht-Anfang] erquoll das Eine [das TE, die wirkbereite Ureinheit des Lebens). Aus dem Einen ward das Zweite [die Polarität von Yin und Yang). Aus dem Zweiten ward das Dritte [das CH’I, die Lebenskraft, die die Polarität in sich vereint]. Das Dritte erzeugt das Viele.“
Das Polaritätsgesetz im Lebensalltag
Das Kreuz im Ring (hier durch eine Eukalyptusfrucht dargestellt) ist ein altes Symbol für die Wahrheit und zeigt die polaren Kräfte.Wenn Harmonie herrschen soll, muß ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen stattfinden. Wie jeder Atemzug aus dem Ausatmen und dem Einatmen besteht und beispielsweise auch die Bewegungsharmonie der Sternenwelten im Ausgleich der Fliehkräfte der kreisenden Gestirne mit den Anziehungskräften ihrer Materiemassen erhalten wird, so drängt das Gesetz des Ausgleichs uns Menschen ebenso zu entsprechenden Handlungen.
In der Ehe und in der Familie, im Beruf, dem Gemeinwesen, im Sozialsystem und im Staatswesen – überall muß im Geben und Nehmen unbedingter Ausgleich herrschen, damit das „System“ funktioniert.
Wenn es beim Geben oder Nehmen zu einseitigen Übertreibungen kommt, erleben wir sofort unangenehme Folgen. Ausbeutung durch zu hohe Steuern oder eine ungerechte Entlohnung im Arbeitsleben führen ebenso zu Unzufriedenheit wie übertriebene Sozialleistungen, mit denen die Faulheit belohnt wird.
Auch im Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer hat sich gedankenlose Einseitigkeit durchgesetzt. Wir erweisen uns für das Geschenk des Lebens, das Geschenk der Natur und das Geschenk des bewußten Seindürfens als Gäste in der Schöpfung nicht wirklich dankbar und kümmern uns nicht um den Willen Gottes, der in den Schöpfungsgesetzen – wozu eben auch das Gesetz des Ausgleichs gehört – zum Ausdruck kommt. -
„Gegenpole ziehen sich an“ – in diesem Sprichwort kommt also das Polaritätsgesetz zum Ausdruck. Von polaren Kräften, zwischen denen eine Spannung besteht, geht ein Harmoniestreben aus, um beide Pole zu einer geschlossenen Art zu vereinen.
Ganz anderes geschieht, wenn geschlossene Arten aufeinanderprallen. In diesen Fällen stoßen sich die Gegensätze ab, und Gleicharten ziehen sich an. Denn hier wirkt das Resonanzgesetz.
„Gegenpole ziehen sich an“ – „Gleicharten ziehen sich an“: Zwei Lebenserfahrungen – ein Widerspruch?
Die alte Frage nach „gut“ und „böse“
Yin und Yang: Das fernöstliche Wahrheitssymbol bringt das Schöpfungsprinzip der Polarität zum Ausdruck.Dieses „Gesetz der Anziehung gleicher Arten“ betrifft in besonderer Weise auch unser Denken, Wollen und Handeln. Denn unser Wollen bestimmt die Art unserer Persönlichkeit und entscheidet auch über „gut“ oder „böse“, über zwei gegensätzliche Arten, die oft als Gegenpole mißverstanden werden.
In dem Werk „Im Lichte der Wahrheit“ wird erklärt, daß der Mensch mit seinem Empfindungswollen Kontakt zur „neutralen Hauptkraft“ findet, welche die Schöpfung durchstrahlt und belebt. Die Art des Wollens geben wir demnach mit unserem freien Willen vor, und die Kraft belebt, was immer wir gewollt haben. So entsteht durch unser Wollen entweder das Gute, also Aufbauende, Fördernde, oder das Böse, Hemmende, Lebensfeindliche, je nachdem, ob wir die Art unseres Wollens zu gutem oder zu schlechtem Denken oder Handeln verwenden. Das Wollen bildet also eine geschlossene Art, die Gleichartiges anzieht oder von Gleichartigem angezogen wird. Daher kommt das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“.
Die Aufgabe des Menschen wäre es, die Fähigkeit des Wollens verantwortungsvoll für Gutes zu verwenden. Bei gutem, reinem Wollen können wir im Gesetz der Gleichart aus höheren Schöpfungsebenen zusätzliche Hilfen erhalten und in unserer Tugendhaftigkeit gestärkt werden. Die „großen Tugenden“ wie Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit (Kardinaltugenden) und die „christlichen Tugenden“ – Glaube, Liebe, Hoffnung – sowie die Ideen des Guten, Schönen und Wahren, die der antike Philosoph Platon beschrieb, sind grundlegende Beispiele dafür.
Jedes gute Wollen und reine Denken hat also Verbindung mit einer helfenden Kraft, welche die Tugenden vermittelt. Wird ein Mensch jedoch schwach und glaubt, sich eigensinnig über die Gesetze des Lebens hinwegsetzen zu können, so formt sich eine hemmende, lebensfeindliche Eigenart aus, die gegen den liebenden, fördernden, gerechten Willen des Schöpfers gerichtet ist. In der Moraltheologie wurden die sogenannten „Hauptsünden“ oder „Todsünden“ formuliert: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und geistliche Trägheit. Damit kann die große Menschheitsfrage, woher das Böse kommt, beantwortet werden: Es ist eine Folge unseres Wollens!
Tugendhaftes oder sündhaftes Leben – hier geht es nicht um Polarität, sondern um zwei sich gegenseitig ausschließende Arten. Es gibt nur ein entweder – oder!
Die Summe seiner Willensakte formt den Charakter und die Fähigkeiten eines Menschen und webt seinen Schicksalsteppich. Von seinem geistigen Ursprung her trägt jeder Menschengeist nur edle und reine Fähigkeiten in sich – als das „Pfund“, mit dem er in der Schöpfung wirken soll. Doch kann er durch die ihm geschenkte Willensfreiheit auch hemmend, störend und zerstörend wirken, also sündhaft leben.
Bei aufmerksamer Beobachtung ist festzustellen, daß die Menschen dazu neigen, gerade diejenigen Fehler bei anderen in besonderem Maße zu kritisieren, die bei ihnen selbst ausgeprägt sind. Das hat der Gottessohn Jesus in einem Gleichnis zum Ausdruck gebracht: „Du siehst den Splitter in Deines Bruders Auge und achtest nicht des Balkens in Deinem Auge.“ (Matth. 7, 3) Aus dieser Gegebenheit kann abgeleitet werden, daß gerade das Gegenteil der bemängelten Untugend ursprünglich in dem betreffenden Menschen vorhanden war, daß es also zu einer „Spiegelung“ seiner Eigenschaft kam und es darum gehen sollte, hinter einer Schwäche die eigentliche Stärke zu entdecken.
Menschen stehen sich aufgrund ihrer Art oft gegensätzlich gegenüber. Dies hat aber mit Polarität nichts zu tun.
Polarität oder doch ein Gegensatz?
Gutes Wollen bildet also eine abgeschlossene Art, ebenso wie schlechtes Wollen eine Art für sich bildet. Für beide Arten wirkt, wie für jede Art, das Gesetz der Anziehung, das sogenannte Resonanzgesetz. So können sich musikalisch begabte Menschen zusammenfinden, um gute Musik zu machen. Raucher werden sich gern gemeinsam aufhalten und die Nichtraucher meiden, gutwollende Menschen werden sich zusammentun, um etwas Nützliches für die Allgemeinheit zu bewirken, aber auch Verbrecher schließen sich zusammen, um anderen Menschen zu schaden.
Menschen stehen sich aufgrund ihrer Art also oft gegensätzlich gegenüber, dies hat aber mit Polarität nichts zu tun. Niemand braucht das Böse, um gut zu sein. Allerdings kann das Erleben des Falschen dazu verhelfen, das Richtige zu finden. Bei unseren Überlegungen und Handlungen erkennen wir oft erst an den Folgen einer Tat, ob etwas falsch oder richtig war, und wir können „durch Schaden klug“ werden.
In unserer geistigen Entwicklung haben wir die Aufgabe, das Böse zu überwinden. Große Hilfen für das richtige Handeln sind – nach wie vor – die Zehn Gebote Gottes. Wenn wir sie in unserem Leben nach bestem Gewissen umsetzen, dann verbliebe nur das von Gott gegebene Eine, das Gute!
Kleines Lexikon der Gegensätze
Antonyme: Sprachwissenschaftlich ist mit Gegenteil ein Gegenbegriff oder Gegenwort gemeint, das auch als Antonym bezeichnet wird, wie zum Beispiel groß und klein, winzig und riesig. Synonyme sind dagegen Wörter mit Bedeutungsgleichheit oder Sinnverwandtschaft wie zum Beispiel Aufzug – Fahrstuhl, Streichholz – Zündholz.
Dualismus in der Religion: Der Glaube an zwei weltgestaltende metaphysische Mächte, die sich als gut und böse gegenüberstehen (als Gegenteil zum Monismus). In der Philosophie bedeutet Dualismus die Annahme, alles Seiende gründe sich auf zwei ursprüngliche, nicht voneinander abzuleitende Prinzipien, zum Beispiel Geist und Materie, Leib und Seele.
Konträre und andere Gegenteile: In der Philosophie unterscheidet man nach Aristoteles vier Arten von Gegenteilen: die kontradiktorischen Gegenteile (zum Beispiel Sein – Nichtsein), die konträren (zum Beispiel weiß – schwarz, schön – häßlich), die privativen (zum Beispiel sehend – blind) und die relativen Gegenteile (zum Beispiel doppelt – halb).
Paradoxon: Die „Gegenmeinung“ ist ein scheinbarer oder unauflösbarer Widerspruch, wie zum Beispiel: „Weniger ist mehr“ oder: „Ein Kreter behauptet, alle Kreter sind Lügner“ oder die selbstwiderlegende Aussage: „Ich lüge immer“.
Das Polaritätsgesetz im Weltgeschehen
Die Beobachtung „Gegenpole ziehen sich an“ führt uns zum Polaritätsgesetz, das schon in der Genesis des Alten Testaments symbolisch beschrieben ist. Nach dem Schöpferwort „Es werde Licht!“ teilt sich die schöpferisch formende Gotteskraft: „Das Licht wurde von der Finsternis geschieden in Tag und in Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag …“ (1. Mose 1, Genesis)
Auch Abd-ru-shin schildert in seinem Werk „Im Lichte der Wahrheit“ sinngemäß, daß die göttliche Lichtkraft sich im Schöpfungsakt in zwei ergänzende polare Kräfte geteilt hat, die sich gegenseitig bedingen und deshalb anziehend aufeinander wirken, weil sie paarweise zusammengehören. Die positive und die negative Strahlungsart bilden ein Spannungsfeld und rufen die kreisende Bewegung in der Schöpfung hervor, die im Mikrokosmos zum Beispiel im Kreisen der Elektronen um die Atomkerne und im Makrokosmos im Kreisen der Galaxien zu beobachten ist.
Die Polarität, das Auseinandertreten einer einheitlichen Kraft in zwei Pole, die sich gegenseitig anziehen, ist also die Grundlage für die Bewegung und Formung in der stofflichen Welt. Diese gleichwertig zusammenwirkenden polaren Kräfte können mit dem Symbol des gleichschenkeligen Kreuzes im Kreis zum Ausdruck gebracht werden, das auch als Symbol der Wahrheit gilt.
In der fernöstlichen Philosophie und Religion wurde die Polarität der Kräfte ebenfalls erkannt und im Yin-Yang-Symbol dargestellt, das die polaren, einander ergänzenden Prinzipien in Form zweier kreisförmig zusammenliegender Tropfen zeigt.
In der belebten Natur bildet die Teilung der Arten in das weibliche und männliche Geschlecht die Grundlage für Leben und Fortpflanzung! Lebewesen müssen einander „befruchten“, um die Körper ihrer Art erhalten zu können.
Auch der männliche und der weibliche Geist sollen harmonisch zusammenwirken, denn erst der weibliche Teil und der männliche Teil zusammen bilden die Art des Menschengeistigen. Überall ziehen Polaritäten einander an und bilden zusammen ein Ganzes. Jede Artspaltung trägt ein Anschlußverlangen in sich, um eine Art zu bilden. Die Gegenpole sind zwei Aspekte der gleichen Sache, wobei es keine Unterscheidung in gut und schlecht geben kann. In der Polarität wirkt das Verlangen des „sowohl – als auch“.
Beispiele für Polaritäten sind Aktivität und Passivität, die in harmonischer Art zusammenwirken können; das Werden und Vergehen, in dem sich der Kreislauf des Lebens zeigt, das Geben und Empfangen, in dem Ausgleich herrschen soll, aber auch die Rhythmen der Natur: Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Ausatmen und Einatmen, Wachen und Schlafen, Anspannung und Entspannung. Auch unsere physikalischen Vorstellungen sind von der Polarität geprägt; man denke zum Beispiel an die atomare und elekromagnetische Polarität (positive und negative Ladung) oder an die Informatik, die auf dem Dualsystem basiert, dem einfachsten aller denkbaren Zahlensysteme, das nur zwei unterschiedliche Symbole kennt. Im Dualsystem können mit einer Stelle, einem „Bit“ (binäre Ziffer), zwei Zeichen verschlüsselt (kodiert) werden. Jedes Bit kann nur zwei Zustände annehmen: 0 oder 1 – Strom fließt oder fließt nicht.
Erst die Polarität ermöglicht die Vielfalt der Welt. Dies beschrieb bereits der chinesische Philosoph Lao Tse (5. Jh. v. Chr.) im „Tao te king“ (Vers 42) sehr treffend: „Aus dem Unergründlichen [das „absolut reine TAO, der Noch-nicht-Anfang] erquoll das Eine [das TE, die wirkbereite Ureinheit des Lebens). Aus dem Einen ward das Zweite [die Polarität von Yin und Yang). Aus dem Zweiten ward das Dritte [das CH’I, die Lebenskraft, die die Polarität in sich vereint]. Das Dritte erzeugt das Viele.“
Das Polaritätsgesetz im Lebensalltag
Das Kreuz im Ring (hier durch eine Eukalyptusfrucht dargestellt) ist ein altes Symbol für die Wahrheit und zeigt die polaren Kräfte.Wenn Harmonie herrschen soll, muß ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen stattfinden. Wie jeder Atemzug aus dem Ausatmen und dem Einatmen besteht und beispielsweise auch die Bewegungsharmonie der Sternenwelten im Ausgleich der Fliehkräfte der kreisenden Gestirne mit den Anziehungskräften ihrer Materiemassen erhalten wird, so drängt das Gesetz des Ausgleichs uns Menschen ebenso zu entsprechenden Handlungen.
In der Ehe und in der Familie, im Beruf, dem Gemeinwesen, im Sozialsystem und im Staatswesen – überall muß im Geben und Nehmen unbedingter Ausgleich herrschen, damit das „System“ funktioniert.
Wenn es beim Geben oder Nehmen zu einseitigen Übertreibungen kommt, erleben wir sofort unangenehme Folgen. Ausbeutung durch zu hohe Steuern oder eine ungerechte Entlohnung im Arbeitsleben führen ebenso zu Unzufriedenheit wie übertriebene Sozialleistungen, mit denen die Faulheit belohnt wird.
Auch im Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer hat sich gedankenlose Einseitigkeit durchgesetzt. Wir erweisen uns für das Geschenk des Lebens, das Geschenk der Natur und das Geschenk des bewußten Seindürfens als Gäste in der Schöpfung nicht wirklich dankbar und kümmern uns nicht um den Willen Gottes, der in den Schöpfungsgesetzen – wozu eben auch das Gesetz des Ausgleichs gehört – zum Ausdruck kommt. -
„Gegenpole ziehen sich an“ – in diesem Sprichwort kommt also das Polaritätsgesetz zum Ausdruck. Von polaren Kräften, zwischen denen eine Spannung besteht, geht ein Harmoniestreben aus, um beide Pole zu einer geschlossenen Art zu vereinen.
Ganz anderes geschieht, wenn geschlossene Arten aufeinanderprallen. In diesen Fällen stoßen sich die Gegensätze ab, und Gleicharten ziehen sich an. Denn hier wirkt das Resonanzgesetz.
„Gegenpole ziehen sich an“ – „Gleicharten ziehen sich an“: Zwei Lebenserfahrungen – ein Widerspruch?
Die alte Frage nach „gut“ und „böse“
Yin und Yang: Das fernöstliche Wahrheitssymbol bringt das Schöpfungsprinzip der Polarität zum Ausdruck.Dieses „Gesetz der Anziehung gleicher Arten“ betrifft in besonderer Weise auch unser Denken, Wollen und Handeln. Denn unser Wollen bestimmt die Art unserer Persönlichkeit und entscheidet auch über „gut“ oder „böse“, über zwei gegensätzliche Arten, die oft als Gegenpole mißverstanden werden.
In dem Werk „Im Lichte der Wahrheit“ wird erklärt, daß der Mensch mit seinem Empfindungswollen Kontakt zur „neutralen Hauptkraft“ findet, welche die Schöpfung durchstrahlt und belebt. Die Art des Wollens geben wir demnach mit unserem freien Willen vor, und die Kraft belebt, was immer wir gewollt haben. So entsteht durch unser Wollen entweder das Gute, also Aufbauende, Fördernde, oder das Böse, Hemmende, Lebensfeindliche, je nachdem, ob wir die Art unseres Wollens zu gutem oder zu schlechtem Denken oder Handeln verwenden. Das Wollen bildet also eine geschlossene Art, die Gleichartiges anzieht oder von Gleichartigem angezogen wird. Daher kommt das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“.
Die Aufgabe des Menschen wäre es, die Fähigkeit des Wollens verantwortungsvoll für Gutes zu verwenden. Bei gutem, reinem Wollen können wir im Gesetz der Gleichart aus höheren Schöpfungsebenen zusätzliche Hilfen erhalten und in unserer Tugendhaftigkeit gestärkt werden. Die „großen Tugenden“ wie Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit (Kardinaltugenden) und die „christlichen Tugenden“ – Glaube, Liebe, Hoffnung – sowie die Ideen des Guten, Schönen und Wahren, die der antike Philosoph Platon beschrieb, sind grundlegende Beispiele dafür.
Jedes gute Wollen und reine Denken hat also Verbindung mit einer helfenden Kraft, welche die Tugenden vermittelt. Wird ein Mensch jedoch schwach und glaubt, sich eigensinnig über die Gesetze des Lebens hinwegsetzen zu können, so formt sich eine hemmende, lebensfeindliche Eigenart aus, die gegen den liebenden, fördernden, gerechten Willen des Schöpfers gerichtet ist. In der Moraltheologie wurden die sogenannten „Hauptsünden“ oder „Todsünden“ formuliert: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und geistliche Trägheit. Damit kann die große Menschheitsfrage, woher das Böse kommt, beantwortet werden: Es ist eine Folge unseres Wollens!
Tugendhaftes oder sündhaftes Leben – hier geht es nicht um Polarität, sondern um zwei sich gegenseitig ausschließende Arten. Es gibt nur ein entweder – oder!
Die Summe seiner Willensakte formt den Charakter und die Fähigkeiten eines Menschen und webt seinen Schicksalsteppich. Von seinem geistigen Ursprung her trägt jeder Menschengeist nur edle und reine Fähigkeiten in sich – als das „Pfund“, mit dem er in der Schöpfung wirken soll. Doch kann er durch die ihm geschenkte Willensfreiheit auch hemmend, störend und zerstörend wirken, also sündhaft leben.
Bei aufmerksamer Beobachtung ist festzustellen, daß die Menschen dazu neigen, gerade diejenigen Fehler bei anderen in besonderem Maße zu kritisieren, die bei ihnen selbst ausgeprägt sind. Das hat der Gottessohn Jesus in einem Gleichnis zum Ausdruck gebracht: „Du siehst den Splitter in Deines Bruders Auge und achtest nicht des Balkens in Deinem Auge.“ (Matth. 7, 3) Aus dieser Gegebenheit kann abgeleitet werden, daß gerade das Gegenteil der bemängelten Untugend ursprünglich in dem betreffenden Menschen vorhanden war, daß es also zu einer „Spiegelung“ seiner Eigenschaft kam und es darum gehen sollte, hinter einer Schwäche die eigentliche Stärke zu entdecken.
Menschen stehen sich aufgrund ihrer Art oft gegensätzlich gegenüber. Dies hat aber mit Polarität nichts zu tun.
Polarität oder doch ein Gegensatz?
Gutes Wollen bildet also eine abgeschlossene Art, ebenso wie schlechtes Wollen eine Art für sich bildet. Für beide Arten wirkt, wie für jede Art, das Gesetz der Anziehung, das sogenannte Resonanzgesetz. So können sich musikalisch begabte Menschen zusammenfinden, um gute Musik zu machen. Raucher werden sich gern gemeinsam aufhalten und die Nichtraucher meiden, gutwollende Menschen werden sich zusammentun, um etwas Nützliches für die Allgemeinheit zu bewirken, aber auch Verbrecher schließen sich zusammen, um anderen Menschen zu schaden.
Menschen stehen sich aufgrund ihrer Art also oft gegensätzlich gegenüber, dies hat aber mit Polarität nichts zu tun. Niemand braucht das Böse, um gut zu sein. Allerdings kann das Erleben des Falschen dazu verhelfen, das Richtige zu finden. Bei unseren Überlegungen und Handlungen erkennen wir oft erst an den Folgen einer Tat, ob etwas falsch oder richtig war, und wir können „durch Schaden klug“ werden.
In unserer geistigen Entwicklung haben wir die Aufgabe, das Böse zu überwinden. Große Hilfen für das richtige Handeln sind – nach wie vor – die Zehn Gebote Gottes. Wenn wir sie in unserem Leben nach bestem Gewissen umsetzen, dann verbliebe nur das von Gott gegebene Eine, das Gute!
Kleines Lexikon der Gegensätze
Antonyme: Sprachwissenschaftlich ist mit Gegenteil ein Gegenbegriff oder Gegenwort gemeint, das auch als Antonym bezeichnet wird, wie zum Beispiel groß und klein, winzig und riesig. Synonyme sind dagegen Wörter mit Bedeutungsgleichheit oder Sinnverwandtschaft wie zum Beispiel Aufzug – Fahrstuhl, Streichholz – Zündholz.
Dualismus in der Religion: Der Glaube an zwei weltgestaltende metaphysische Mächte, die sich als gut und böse gegenüberstehen (als Gegenteil zum Monismus). In der Philosophie bedeutet Dualismus die Annahme, alles Seiende gründe sich auf zwei ursprüngliche, nicht voneinander abzuleitende Prinzipien, zum Beispiel Geist und Materie, Leib und Seele.
Konträre und andere Gegenteile: In der Philosophie unterscheidet man nach Aristoteles vier Arten von Gegenteilen: die kontradiktorischen Gegenteile (zum Beispiel Sein – Nichtsein), die konträren (zum Beispiel weiß – schwarz, schön – häßlich), die privativen (zum Beispiel sehend – blind) und die relativen Gegenteile (zum Beispiel doppelt – halb).
Paradoxon: Die „Gegenmeinung“ ist ein scheinbarer oder unauflösbarer Widerspruch, wie zum Beispiel: „Weniger ist mehr“ oder: „Ein Kreter behauptet, alle Kreter sind Lügner“ oder die selbstwiderlegende Aussage: „Ich lüge immer“.
Autor: Gerhard Kruse
