GralsWelt 41/2006
Mehr als nur „mein Traum“
Der Reinkarnationsgedanke und die Liebe Gottes
Origenes, der bedeutende frühchristliche Kirchenleher, lehrte die Reinkarnation – und erklärte mit wiederholten Erdenleben die Unterschiede zwischen den Menschen. Seine Lehre wurde erst im Jahr 553 n. Chr. verbannt.„I have a dream ...“ – „Ich habe einen Traum“ – vier Worte nur, doch hinweisend auf eine unvergessene, machtvolle Rede. Vor dem Lincoln Memorial in der US-Hauptstadt Washington wurden sie weltberühmt. Martin Luther King jr. sprach sie 1963, und mit ihm sind sie seitdem eng verbunden.
Sein Traum ist der eines Menschen dunkler Hautfarbe von einer „Oase der Gerechtigkeit“, wo Unterdrückung und bösartiger Rassismus einem würdevollen Leben Platz machen und der einzelne allein nach seinem Charakter beurteilt wird. Martin Luther King jr. wählte für seine Rede, die, genau besehen, deutliche Forderungen stellt, das Wort „Traum“, darin liegt die Faszination, ersteht lebendige Wirklichkeit auch im Wachtraum des Martin Luther King jr.
Die Rede ist beeindruckend und stimmt nachdenklich. Vor allem aber kann sie die Frage auslösen: Was ist eigentlich mein Traum, wie ist meine persönliche Vorstellung von einer Welt, in der es zu leben lohnt, nicht nur rein persönlich gemeint, sondern über den eigenen, kleinen Kreis hinaus nutzbringend für alle Menschen?
Bei einer derart weitreichenden Frage heißt es, erst einmal stille werden; schwanger gehen mit Frage und möglicher Antwort. Zuviel stürmt auf die Seele ein, denn auf vielen Gebieten sind Ordnungen gestört, und wenn Jesus zu seiner Zeit davon sprach, alles müsse neu werden, so gewinnt dieses Wort heutzutage zunehmend an Bedeutung.
Manchmal kommen Antworten von innen, ein andermal von außen. Wie aus heiterem Himmel sagte einige Tage später eine Bekannte zu mir:
„Wissen Sie, man müßte zuerst einmal die Religionen heilen, dann sähe manches anders aus in unserer Welt.“ Völlig überrascht brach es aus mir hervor: „Ja wie kommen Sie denn jetzt auf diese Idee?“ – „Ach, das kam mir gerade so in den Sinn; ist es nicht auch wahr?“
Ich weiß nicht mehr, was ich antwortete, wahrscheinlich sagte ich: „Gewiß, da ist etwas dran, darüber lohnt sich nachzudenken …“, so ähnlich jedenfalls.
Der überraschende Gedanke nach Heilung der Religionen zur Verbesserung der Welt war in mich hineingefahren wie ein Blitz, gab und gibt immer noch keine Ruhe, schreit förmlich nach Bewegung, die sich in viele Richtungen ausdehnt; fordert um der Förderung willen.
Schließlich geht es dabei in erster Linie um den Frieden; wir wollen ihn doch, ersehnen ihn – oder etwa nicht?
Bevor ich von meinem persönlichen „Traum“ spreche, der in der Folge der Tage plötzlich hell und klar vor mir auftauchte wie die Sonne am Morgen eines wolkenlosen Himmels, möchte ich ganz allgemein etwas über „Religion“ sagen, was mich bewegt.
Leider ist das ein heißes Eisen. Wer immer es fragend anzufassen sucht, möchte die Berührung lieber meiden, den eigenen Weg gehen, zufrieden mit sich und der Welt, wenn die einst so stürmischen Fragen Klärung fanden und anstelle der inneren Unruhe persönlicher Frieden einzog. Doch nun waren sie da die Worte: „Man müßte zuerst einmal die Religionen heilen …“ Das läßt nicht los, schmerzt beinahe, denn Religion als Rückverbindung zum geistigen Ursprung will zumindest einem gläubigen Menschen doch etwas Heiliges sein, ist kostbar und von Urzeiten her menschliches Sehnen, das in den jeweiligen Entwicklungsstufen verschieden zum Ausdruck kam und kommt.
Worüber es keine Streitigkeiten geben wird, ist dies: Wir kommen auf die Erde, leben eine Weile auf ihr und, ob reich oder arm, in den Augen der Mitmenschen bedeutend oder nicht, alt geworden oder noch jung an Jahren, ob schon bereit zu sterben oder nicht, ungefragt kommt der letzte aller Atemzüge, eine sichere Vorhersage seit dem ersten Atemholen von Geburt an.
Zwischen diesem Kommen und Gehen liegt das, was wir Leben nennen. Der Gedanke, daß es sich um eine Schule handelt, in der wir aus freudigen und bitteren Erfahrungen zu lernen haben, ist nicht neu; ja, Menschen, die sich um Verständnis des Sinnes von allem bemühen, sind davon überzeugt. Doch nicht nur in unseren verschiedenen Schulklassen, seien es Grund- oder höhere Schulen, brauchen wir Lehrer, auch die Lebensschule, die nicht nur das Gehirn, sondern in ihrer Ganzheit Körper, Seele und Geist umfaßt, benötigt Nahrung durch Unterweisung. Aus diesem Grunde wurden uns vom Schöpfer Propheten und Wegweiser gesandt, zu gewissen Zeiten und in verschiedene Länder geboren. Und im Verständnis der christlichen Religion kam auch Gottes Sohn selbst in Jesus Christus auf die Erde, um mit seiner Botschaft der Liebe der erlösungsbedürftigen Menschheit aufzuzeigen, wie harmonisches Zusammenleben und geistige Entwicklung erreicht werden.
Wir Menschen haben die Freiheit der Entscheidung. Wir können unserem Nächsten Wohlwollen und Liebe entgegenbringen, aber auch zum Beispiel Haß oder Neid. Die Folgen unseres Verhaltens sind dann jeweils hinzunehmen – denn wir müssen ernten, was wir säen. Darin liegt die Gerechtigkeit.
Ich stelle mir gerade eben vor, daß ich in den Garten gehe und Feldsalat säe. Ich freue mich auf die Ernte und würde fassungslos vor dem Beet stehen, wenn aus dem Samen etwas anderes als Feldsalat hervorginge. Wie selbstverständlich ist hier die Überzeugung von der unbedingten Folge von Saat und Ernte. Warum fällt es uns so schwer zu glauben, daß in unserem Seelengarten ebenso Ursache und Wirkung einander bedingen?
Wir stehen als Einzelmenschen, in der Politik der Völker, in der Ökonomie in dieser Zeit geradezu unter einer Wechseldusche, und die Frage bewegt immer mehr Menschen: Wie kann das Chaos denn noch sein, wo eigentlich so viel Wissen in der Welt ist; wo uns auch die Geschichte Ursache und Folgen aufzeigt über Jahrtausende und die verschiedenen Religionen in ihrem Ursprung eindeutige Regeln zu unserem Besten ans Herz legen. Wenn Curt Götz in seinem Theaterstück Dr. med. Hiob Prätorius nach der Mikrobe der menschlichen Dummheit sucht, so greift er dort auf heitere Weise eine ernste Frage auf …
Mein persönlicher Traum
Nun zu meinem „Haupt-Traum“, der eng verbunden ist mit den Gedanken über die zu heilenden Religionen. Geboren im christlichen Abendland, als Christin erzogen, bin ich mit dieser Religion am meisten vertraut, weil ich sie von Kindheit an erlebt habe. So richtet sich mein Anliegen an die Adresse der Verantwortlichen in höchsten Positionen der verschiedenen christlichen Bekenntnisse. Es mag dem einen oder anderen vermessen erscheinen, was ich hiermit tue, aber nach eigener Überprüfung ist es das ganz und gar nicht, da mittlerweile viele Menschen dasselbe denken, darüber sprechen und das gleiche bedauern:
Ich bitte inständig, die Konzilsbeschlüsse zu Konstantinopel im Jahre 553 n. Chr. erneut zu überdenken.
Damals schrieb nämlich Kaiser Justinian I. der Kirchenversammlung aus politischen (!) Gründen vor, das Lebenswerk des Kirchenvaters Origenes, das auch die Lehre der Reinkarnation beinhaltete, abzulehnen. Ohne hier auf nähere Einzelheiten einzugehen, kann gesagt werden, daß die Abstimmung damals in der abendländischen Menschheit den Gedanken an wiederholte Erdenleben weitgehend auslöschte, während in anderen Kulturkreisen „das Rad der Wiedergeburt“ selbstverständliches Gedankengut ist. Politische Gründe entschieden damals über Sein oder Nichtsein der Wahrheit.
Es schmerzt zu erleben, wie gerade das Christentum schwer mit dem Gedanken an mehrere Erdenleben eines Menschen umzugehen weiß, ja, daß sogar dagegen angekämpft wurde bis hin zu Folterung und Hinrichtung. So geschah es zum Beispiel dem Dominikanermönch und Naturwissenschaftler Giordano Bruno (1568-1600). Bis zuletzt hielt er an seiner Überzeugung fest. Vor seiner Verbrennung auf dem Scheiterhaufen sagte er: „Als Katholik darf ich nicht an die Lehre der Reinkarnation glauben, als Philosoph, der die Schriften von Platon studiert hat, weiß ich, daß sie existiert.“
Christen wird sogar entgegengehalten, daß Jesus nicht auf die Reinkarnation hingewiesen habe, nichts davon in der Bibel stehe. Doch Jesus lehrte ausschließlich mündlich, hat selbst nichts aufgeschrieben; erst viele Jahrzehnte später wurde die Botschaft Jesu niedergeschrieben. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts nannte man dann eine Auswahl dieser Schriften offiziell „Evangelien“ nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Außerdem sind die in griechisch geschriebenen Originalberichte der Lehren Jesu durch zahlreiche Übersetzungen und Ausdeutungen Veränderungen unterworfen worden. Uns liegt also nicht das rein gesprochene Wort Jesu vor. Dennoch ändert das nichts am hohen Inhaltswert des Neuen Testamentes. Lebten wir darnach, hätten wir bereits den Himmel auf Erden und das Unsere zur Bitte: „Dein Reich komme!“ getan.
Wenn auch im Neuen Testament keine besondere Erwähnung mehrerer Erdenleben aufgeschrieben wurde, so ist doch zu sehen, daß den Menschen von damals der Gedanke an vorangegangene Leben durchaus nicht abwegig war. So erklärte Jesus seinen Jüngern, daß Johannes der Täufer eine Wiedergeburt des Elia sei (Matth. 17, 12-13). Kommt ein Mensch blind zur Welt, so kann er ja in diesem Erdenleben unmöglich schuldhaft zu dieser Behinderung beigetragen haben; die Jünger fragten Jesus jedoch: „Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?“ (Joh. 9, 2) Eine Frage, die nachdenklich stimmt.
Die Lehren des Urchristentums wurden im Laufe der Jahrhunderte durch etliche Glaubenssätze ergänzt. Warum dann die Ausgrenzung der Reinkarnationslehre, die die Folge von Saat und Ernte, von Schuld und Sühne doch erst erkennen ließe und außerdem eine nicht zu unterschätzende Annäherung an die östlichen Glaubenslehren bedeutete?
„Ich bitte inständig, die Konzilsbeschlüsse zu Konstantinopel im Jahre 553 n. Chr. erneut zu überdenken!“
Eine alte Frau
Es gibt Menschen von tiefer Gläubigkeit, die unerschütterlich bleiben bei allem, was ihnen an Leid geschieht. So kannte ich eine Frau, die in ihrem Leben den Sturz von Reichtum mit all seinen Vorzügen bis hin zu Armut drastisch erleben mußte und die alles, was der Zweite Weltkrieg einer Frau und Mutter abverlangen konnte, durchmachte: Verlust zweier Söhne, Inhaftierung und Berufsverbot des Mannes seitens der Gestapo, Verlust von Hab und Gut durch Bomben, Evakuierung, dies alles und mehr. Dennoch trug diese Frau eine unerschütterliche Überzeugung in sich: Er, der himmlische Vater, wird schon wissen, warum das geschieht; ein Fragen ihrerseits erübrigte sich daher.
Diesen tiefen, überzeugten Glauben können wir jedoch nicht allgemein voraussetzen. Menschen von heute sind nach Schicksalsschlägen gewöhnlich voller Fragen. Traurig ist, daß offenbar so wenig Antworten vermittelt werden, denn das geistige Wissen um die Zusammenhänge von Schuld und Sühne ist ja da. Wie befreiend und beglückend könnte es wirken, wie ganz anders hörten sich Predigten über das Leid an, die auf Grund jetziger Glaubensbasis oft recht hilflos ausfallen müssen!
Wenn der bekannte deutsche Theologe und Religionsphilosoph Karl Rahner sagt, die Unerklärbarkeit des Leides hinge mit der Unerklärbarkeit Gottes zusammen, so ist die Aussage vom Standpunkt seines Wissens aus verständlich, bleibt aber letztlich nur der unbefriedigende Versuch einer Erklärung. In einem hat Rahner aber völlig recht: Wie könnte Gott dem Menschen erklärbar sein! Meinen wir doch mit diesem heiligsten aller Worte den Schöpfer des ganzen Universums, von dem auch die schärfsten Aufnahmen unserer Weltraumteleskope nur einen kleinen Ausschnitt zeigen.
Doch wurde uns Christen von Jesus aufgetragen: „Suchet und ihr werdet finden!“ Wer sucht, fragt auch, das liegt in der Natur des Suchens. Es ist und bleibt ein Irrtum zu denken, unser Schöpfer wolle blindgläubige Menschen. Wir sind ja auf der Erde, um uns immer weiter zu entwickeln, aus einem Samenkorn soll doch schließlich Blüte und Frucht werden! Wozu sonst wurde es denn in die Erde gelegt?
Wenn die Reinkarnation im Neuen Testament auch keine besondere Erwähnung findet, so ist doch zu sehen, daß den Menschen von damals der Gedanke an vorangegangene Erdenleben nicht fremd war.
Edgar Cayce und die Reinkarnation
Der berühmte italienische Dominikanermönch und Naturforscher Giordano Bruno (1568-1600) war von der Reinkarnation überzeugt.Immer dann, wenn die Menschheit an Wendepunkten steht – heute ist viel vom Wassermann-Zeitalter die Rede -, kommen Menschen zur Erde, deren Begabungen für viele zum Segen werden. Einen solchen möchte ich nun vorstellen, weil seine Tätigkeit die Tatsache wiederholter Erdenleben in besonderer Weise bestätigte: Gemeint ist der amerikanische Seher und Prophet Edgar Cayce (1) (1877-1942), der als Trance-Medium erstaunliche Durchsagen machte.
Im Alter von 21 Jahren erkrankte Cayce an einer Kehlkopfentzündung und verlor seine Stimme. Auf der Suche nach Heilung wurde er von einem Artisten in Trance versetzt und diagnostizierte dabei zum Erstaunen der Umstehenden seine eigene Krankheitsursache und Therapie, die ihn dann wirklich heilte. Das war der Beginn zur Hilfe für Tausende, die durch ihn Diagnose und Therapie ihrer oft als unheilbar bewerteten Krankheiten erfuhren. Er, der Sohn einfacher Landleute und spätere Fotograf, der im Wachzustand keinerlei medizinische Kenntnisse besaß, gab in Trance mit Erfolg Anweisungen und Auskünfte zum Erstaunen der Ärzteschaft. Dabei blieb er über all die Zeit der einfache, demütige Mensch. Seit dem 10. Lebensjahr las er jedes Jahr die Bibel von Anfang bis Ende einmal durch und wollte schon früh wie ein Jünger Christi Helfer und Heiler für die leidende Menschheit werden.
Vor diesem Hintergrund ist sein Staunen zu verstehen, als er nach einem Reading, bei dem Cayce erstmalig nicht nach der Krankheit eines Mannes, sondern nach dessen Horoskop gefragt wurde, die Worte sprach: „Er war einst ein Mönch.“ Dieser Hinweis auf ein früheres Erdenleben stellte das Weltbild aller Anwesenden in Frage. Cayce war als Christ mehr als beunruhigt, stimmte aber weiteren „Lebensreadings“, wie diese nun genannt wurden, zu. Im Laufe der Zeit, wobei sich auch nachprüfbar die Richtigkeit örtlicher und namentlicher Aussagen vergangener Erdenleben von Ratsuchenden ergab, konnte er sich dieser Wahrheit nicht mehr entziehen. Er erlebte aber auch, daß derartige Kundgaben ausschließlich nur dann gegeben wurden, wenn sie für die physische oder psychische Hilfe notwendig waren. Daß der Mensch sich der vergangenen Leben nicht erinnert, hat nämlich einen tiefen Sinn, und der darüber liegende Schleier darf nicht leichtfertig gelüftet werden.
Von letzten Zweifeln wurde Cayce durch die Kundgaben selbst befreit. Dort hieß es, daß die Reinkarnation keineswegs ein Aberglaube unwissender Menschen sei, sondern es sich um eine anerkennenswerte Lehre handele, die Millionen gebildeter Menschen in indischen und anderen buddhistischen Ländern sich zum ethischen Lebensprinzip machten. Allerdings gäbe es auch die irrige Lehre von der Rückkehr menschlicher Wesen in Tierkörper, hierbei handele es sich aber um eine Mißdeutung des wahren Gesetzes der Wiedergeburt. Hatte sich Cayce gerade von jenem Gedanken abgestoßen gefühlt, so war er nun glücklich über diese Klärung: Tier bleibt immer Tier und der Mensch bleibt Mensch! Vor allem aber war ihm wichtig, daß die Lehre wiederholter Erdenleben in keinerlei Gegensatz zur Kernbotschaft Jesu Christi steht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
So wurde Edgar Cayce zu einem Pionier der Aufklärung über die wirkliche Auswirkung menschlichen Handelns in Gedanken, Worten und Werken für die westliche Welt. Karmische Hintergründe für Wohlergehen und Begabungen eines Menschen wie auch von Schicksalsschlägen, Krankheiten und Leiden aller Art erhellten sich durch seine Durchsagen in Trance und halfen auf vielfältige Weise weiter.
„Als Katholik darf ich nicht an die Lehre der Reinkarnation glauben, als Philosoph, der die Schriften von Platon studiert hat, weiß ich, daß sie existiert.“
Was wir alle „mitbringen“
Früh schon, besonders als ich in die Schule kam, staunte ich über die Verschiedenheit der Klassenkameradinnen. Irmgard war durch zu schnelles Wachstum herzkrank geworden und durfte nicht mitturnen; Esther spielte als einzige schon wunderbar die Geige; Marlitt lispelte; Wilma stammte sichtlich aus ganz ärmlichen Verhältnissen; Helga hatte seidiges, hellblondes Haar und war schön wie keine andere, und Irene war ein unleidliches „Biest“, das mit jedem Streit anfing. Alle waren so anders und doch gehörten wir zusammen, mußten miteinander zurechtkommen. Irgendwer hatte gesagt, daß auch an den größten Bäumen kein Blatt dem anderen gleich sei, so ist es wohl auch bei den Menschen, dachte ich. Das Einzelkind, das ich war, staunte und sein Staunen war eigentlich schon eine Frage. Warum ist das so?
Dann zeigte sich bei mir ein körperlicher Mangel, offenbar von Großmutter vererbt, der mich trotz aller Liebe zu Großmama hadern ließ. Ich dachte, hätte Papa eine andere Frau geheiratet mit einer gesünderen Mutter, dann wäre mir wohl dieser Mangel erspart geblieben; andererseits liebte ich beide, sie waren doch gut zu mir, und so erlebte ich in jungen Jahren ein inneres Durcheinander, bis mir klar wurde: Es gibt keine Ungerechtigkeit, der ich ausgesetzt war und bin. Alles paßte in Wirklichkeit genau zu mir. Auch die Religion, in die ich geboren wurde, war damals genau die für mich gemäße, gehörte zu meinem Bild, dessen Farben ich selbst einst vorgegeben hatte.
Diese Zusammenhänge zu begreifen, gibt es einen Vortrag, wie er hilfreicher nicht sein kann: „Das Geheimnis der Geburt“ in dem Buch „Im Lichte der Wahrheit“ von Abd-ru-shin. Ich glaubte schon lange zuvor an mehrere Erdenleben, doch als ich dort die Zusammenhänge las, wurde mir das bislang Unverstandene noch klarer. Die Unterschiede zwischen den Menschen gründen sich in dem, was jeder einzelne denkt, redet und tut. Letztlich sind wir also an unserem jetzigen und künftigen Schicksal weit mehr beteiligt, als uns vielleicht zu denken lieb sein mag!
Eines lehrt das Leben, lehren uns Heilige Schriften und beispielsweise die Readings von Edgar Cayce: Wenn auch im Alltag nicht immer alles so leicht ist, dem Menschen guten Willens braucht nicht bange zu sein. Er kann vertrauensvoll nach oben schauen, auch wenn er die Ernte eigener übler Saaten zu durchleben hat.
Wir alle sind nicht vollkommen, sollen es erst noch werden, dazu sind wir ja auf der Erde. Jede Überheblichkeit, jedes Sich-besser-als-der-andere-Dünken zeugt von kleiner, unwissender Denkungsart, ist auch bei weisen Menschen nicht zu finden. Vom großen Film eines Lebens sehen wir doch in diesen Erdenjahren nur einen kleinen Ausschnitt. Immer aber haben wir die Selbstverantwortung. Am Ende unserer Tage können wir uns nicht auf irgend jemanden berufen, ganz gleich, wer es auch sei. Keine Schuldzuweisungen zählen, auch das nicht, was wir selbst in früheren Erdenleben schon einmal waren. Nichts als das Tagebuch unserer Seele nehmen wir mit in die jenseitige Welt, wo immer zu lesen sein wird, was wir ohne Beschönigung in der Gegenwart sind.
Die Lehre, daß unser ganzes, großes Sein nicht mit diesem Erdenleben beginnt und auch nicht mit diesem endet, sollte endlich die ganze Menschheit berühren und befreien. Ich habe meinen „Traum“ von der „Heilung unserer Religion“ zum Ausdruck gebracht und wünsche meinem an die christlichen Würdenträger gerichteten „Antrag“, die Konzilsbeschlüsse von 553 neu zu überdenken, eine gute Reise, auf daß er sein Ziel erreiche. Hier ist ein Gedankenfunke, der hinauszieht, um beizutragen, irgendwann ein heilsames, wärmendes Feuer zu entfachen. Dann werden auch immer mehr Menschen im Begreifen dieser herrlichen Schöpfung aus vollem Herzen dankbar sagen können: Jetzt verstehe, fühle und empfinde ich, was es heißt, wenn geschrieben steht: „Gott ist die Liebe.“
1 Sprich: K-e-i-ssii
Die Lehren des Urchristentums wurden im Laufe der Jahrhunderte durch etliche Glaubenssätze ergänzt. Warum die Ausgrenzung der Reinkarnationslehre, die die Folge von Schuld und Sühne doch erst erkennen läßt?
Inkarnation und Reinkarnation
Auch in unserem christlichen Kulturkreis gibt es immer mehr Menschen, die an die Reinkarnation glauben, also daran, daß wir öfter als nur einmal auf Erden leben. In den fernöstlichen Religionen geht man davon ohnehin aus, und geschichtlich findet man den Glauben an mehrfache Leben schon in der Antike. Aber welche Argumente sprechen dafür, daß es die Wiederverkörperung wirklich gibt? Spannt sich unser irdisches Dasein tatsächlich über Jahrhunderte und Jahrtausende – obwohl wir tagbewußt nichts davon wissen?
Werner Huemer hat sich mit diesen Fragen befaßt.
http://www.gral.de/index.php?page=3305
Taschenbuchempfehlung:
Weshalb wir nicht nur einmal leben – Wiederverkörperung: Ein christlicher Gedanke
Die Idee, daß der Mensch öfter als nur einmal auf Erden lebt, findet zunehmend Verbreitung. Für viele gipfelt darin ihre Sehnsucht nach Überwindung des Todes und Unsterblichkeit. Auch viele große Weltreligionen bauen auf dem Gedanken auf, daß wir nicht nur einmal leben, und erklären das Schicksal des Menschen aus diesem größeren Zusammenhang.
Aber ist die sogenannte »Reinkarnation«, die »Wieder-Fleischwerdung« tatsächlich nur eine befriedigende Idee, ein weltanschaulicher Gedanke?
http://de.gral-bestellen.com/de_DE/1020/product/120.html?
Beweise für die Reinkarnation?
In der Regel können wir uns nicht an ein vorausgegangenes Erdenleben erinnern. Deshalb halten wir die Idee der Reinkarnation für unzutreffend. Es gibt aber immer wieder Menschen, die sich – mehr oder weniger deutlich – doch an ein früheres Leben erinnern. Sie sind Zeugen dafür, daß wir Menschen doch öfter als nur einmal auf der Erde leben!
Origenes, der bedeutende frühchristliche Kirchenleher, lehrte die Reinkarnation – und erklärte mit wiederholten Erdenleben die Unterschiede zwischen den Menschen. Seine Lehre wurde erst im Jahr 553 n. Chr. verbannt.„I have a dream ...“ – „Ich habe einen Traum“ – vier Worte nur, doch hinweisend auf eine unvergessene, machtvolle Rede. Vor dem Lincoln Memorial in der US-Hauptstadt Washington wurden sie weltberühmt. Martin Luther King jr. sprach sie 1963, und mit ihm sind sie seitdem eng verbunden.
Sein Traum ist der eines Menschen dunkler Hautfarbe von einer „Oase der Gerechtigkeit“, wo Unterdrückung und bösartiger Rassismus einem würdevollen Leben Platz machen und der einzelne allein nach seinem Charakter beurteilt wird. Martin Luther King jr. wählte für seine Rede, die, genau besehen, deutliche Forderungen stellt, das Wort „Traum“, darin liegt die Faszination, ersteht lebendige Wirklichkeit auch im Wachtraum des Martin Luther King jr.
Die Rede ist beeindruckend und stimmt nachdenklich. Vor allem aber kann sie die Frage auslösen: Was ist eigentlich mein Traum, wie ist meine persönliche Vorstellung von einer Welt, in der es zu leben lohnt, nicht nur rein persönlich gemeint, sondern über den eigenen, kleinen Kreis hinaus nutzbringend für alle Menschen?
Bei einer derart weitreichenden Frage heißt es, erst einmal stille werden; schwanger gehen mit Frage und möglicher Antwort. Zuviel stürmt auf die Seele ein, denn auf vielen Gebieten sind Ordnungen gestört, und wenn Jesus zu seiner Zeit davon sprach, alles müsse neu werden, so gewinnt dieses Wort heutzutage zunehmend an Bedeutung.
Manchmal kommen Antworten von innen, ein andermal von außen. Wie aus heiterem Himmel sagte einige Tage später eine Bekannte zu mir:
„Wissen Sie, man müßte zuerst einmal die Religionen heilen, dann sähe manches anders aus in unserer Welt.“ Völlig überrascht brach es aus mir hervor: „Ja wie kommen Sie denn jetzt auf diese Idee?“ – „Ach, das kam mir gerade so in den Sinn; ist es nicht auch wahr?“
Ich weiß nicht mehr, was ich antwortete, wahrscheinlich sagte ich: „Gewiß, da ist etwas dran, darüber lohnt sich nachzudenken …“, so ähnlich jedenfalls.
Der überraschende Gedanke nach Heilung der Religionen zur Verbesserung der Welt war in mich hineingefahren wie ein Blitz, gab und gibt immer noch keine Ruhe, schreit förmlich nach Bewegung, die sich in viele Richtungen ausdehnt; fordert um der Förderung willen.
Schließlich geht es dabei in erster Linie um den Frieden; wir wollen ihn doch, ersehnen ihn – oder etwa nicht?
Bevor ich von meinem persönlichen „Traum“ spreche, der in der Folge der Tage plötzlich hell und klar vor mir auftauchte wie die Sonne am Morgen eines wolkenlosen Himmels, möchte ich ganz allgemein etwas über „Religion“ sagen, was mich bewegt.
Leider ist das ein heißes Eisen. Wer immer es fragend anzufassen sucht, möchte die Berührung lieber meiden, den eigenen Weg gehen, zufrieden mit sich und der Welt, wenn die einst so stürmischen Fragen Klärung fanden und anstelle der inneren Unruhe persönlicher Frieden einzog. Doch nun waren sie da die Worte: „Man müßte zuerst einmal die Religionen heilen …“ Das läßt nicht los, schmerzt beinahe, denn Religion als Rückverbindung zum geistigen Ursprung will zumindest einem gläubigen Menschen doch etwas Heiliges sein, ist kostbar und von Urzeiten her menschliches Sehnen, das in den jeweiligen Entwicklungsstufen verschieden zum Ausdruck kam und kommt.
Worüber es keine Streitigkeiten geben wird, ist dies: Wir kommen auf die Erde, leben eine Weile auf ihr und, ob reich oder arm, in den Augen der Mitmenschen bedeutend oder nicht, alt geworden oder noch jung an Jahren, ob schon bereit zu sterben oder nicht, ungefragt kommt der letzte aller Atemzüge, eine sichere Vorhersage seit dem ersten Atemholen von Geburt an.
Zwischen diesem Kommen und Gehen liegt das, was wir Leben nennen. Der Gedanke, daß es sich um eine Schule handelt, in der wir aus freudigen und bitteren Erfahrungen zu lernen haben, ist nicht neu; ja, Menschen, die sich um Verständnis des Sinnes von allem bemühen, sind davon überzeugt. Doch nicht nur in unseren verschiedenen Schulklassen, seien es Grund- oder höhere Schulen, brauchen wir Lehrer, auch die Lebensschule, die nicht nur das Gehirn, sondern in ihrer Ganzheit Körper, Seele und Geist umfaßt, benötigt Nahrung durch Unterweisung. Aus diesem Grunde wurden uns vom Schöpfer Propheten und Wegweiser gesandt, zu gewissen Zeiten und in verschiedene Länder geboren. Und im Verständnis der christlichen Religion kam auch Gottes Sohn selbst in Jesus Christus auf die Erde, um mit seiner Botschaft der Liebe der erlösungsbedürftigen Menschheit aufzuzeigen, wie harmonisches Zusammenleben und geistige Entwicklung erreicht werden.
Wir Menschen haben die Freiheit der Entscheidung. Wir können unserem Nächsten Wohlwollen und Liebe entgegenbringen, aber auch zum Beispiel Haß oder Neid. Die Folgen unseres Verhaltens sind dann jeweils hinzunehmen – denn wir müssen ernten, was wir säen. Darin liegt die Gerechtigkeit.
Ich stelle mir gerade eben vor, daß ich in den Garten gehe und Feldsalat säe. Ich freue mich auf die Ernte und würde fassungslos vor dem Beet stehen, wenn aus dem Samen etwas anderes als Feldsalat hervorginge. Wie selbstverständlich ist hier die Überzeugung von der unbedingten Folge von Saat und Ernte. Warum fällt es uns so schwer zu glauben, daß in unserem Seelengarten ebenso Ursache und Wirkung einander bedingen?
Wir stehen als Einzelmenschen, in der Politik der Völker, in der Ökonomie in dieser Zeit geradezu unter einer Wechseldusche, und die Frage bewegt immer mehr Menschen: Wie kann das Chaos denn noch sein, wo eigentlich so viel Wissen in der Welt ist; wo uns auch die Geschichte Ursache und Folgen aufzeigt über Jahrtausende und die verschiedenen Religionen in ihrem Ursprung eindeutige Regeln zu unserem Besten ans Herz legen. Wenn Curt Götz in seinem Theaterstück Dr. med. Hiob Prätorius nach der Mikrobe der menschlichen Dummheit sucht, so greift er dort auf heitere Weise eine ernste Frage auf …
Mein persönlicher Traum
Nun zu meinem „Haupt-Traum“, der eng verbunden ist mit den Gedanken über die zu heilenden Religionen. Geboren im christlichen Abendland, als Christin erzogen, bin ich mit dieser Religion am meisten vertraut, weil ich sie von Kindheit an erlebt habe. So richtet sich mein Anliegen an die Adresse der Verantwortlichen in höchsten Positionen der verschiedenen christlichen Bekenntnisse. Es mag dem einen oder anderen vermessen erscheinen, was ich hiermit tue, aber nach eigener Überprüfung ist es das ganz und gar nicht, da mittlerweile viele Menschen dasselbe denken, darüber sprechen und das gleiche bedauern:
Ich bitte inständig, die Konzilsbeschlüsse zu Konstantinopel im Jahre 553 n. Chr. erneut zu überdenken.
Damals schrieb nämlich Kaiser Justinian I. der Kirchenversammlung aus politischen (!) Gründen vor, das Lebenswerk des Kirchenvaters Origenes, das auch die Lehre der Reinkarnation beinhaltete, abzulehnen. Ohne hier auf nähere Einzelheiten einzugehen, kann gesagt werden, daß die Abstimmung damals in der abendländischen Menschheit den Gedanken an wiederholte Erdenleben weitgehend auslöschte, während in anderen Kulturkreisen „das Rad der Wiedergeburt“ selbstverständliches Gedankengut ist. Politische Gründe entschieden damals über Sein oder Nichtsein der Wahrheit.
Es schmerzt zu erleben, wie gerade das Christentum schwer mit dem Gedanken an mehrere Erdenleben eines Menschen umzugehen weiß, ja, daß sogar dagegen angekämpft wurde bis hin zu Folterung und Hinrichtung. So geschah es zum Beispiel dem Dominikanermönch und Naturwissenschaftler Giordano Bruno (1568-1600). Bis zuletzt hielt er an seiner Überzeugung fest. Vor seiner Verbrennung auf dem Scheiterhaufen sagte er: „Als Katholik darf ich nicht an die Lehre der Reinkarnation glauben, als Philosoph, der die Schriften von Platon studiert hat, weiß ich, daß sie existiert.“
Christen wird sogar entgegengehalten, daß Jesus nicht auf die Reinkarnation hingewiesen habe, nichts davon in der Bibel stehe. Doch Jesus lehrte ausschließlich mündlich, hat selbst nichts aufgeschrieben; erst viele Jahrzehnte später wurde die Botschaft Jesu niedergeschrieben. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts nannte man dann eine Auswahl dieser Schriften offiziell „Evangelien“ nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Außerdem sind die in griechisch geschriebenen Originalberichte der Lehren Jesu durch zahlreiche Übersetzungen und Ausdeutungen Veränderungen unterworfen worden. Uns liegt also nicht das rein gesprochene Wort Jesu vor. Dennoch ändert das nichts am hohen Inhaltswert des Neuen Testamentes. Lebten wir darnach, hätten wir bereits den Himmel auf Erden und das Unsere zur Bitte: „Dein Reich komme!“ getan.
Wenn auch im Neuen Testament keine besondere Erwähnung mehrerer Erdenleben aufgeschrieben wurde, so ist doch zu sehen, daß den Menschen von damals der Gedanke an vorangegangene Leben durchaus nicht abwegig war. So erklärte Jesus seinen Jüngern, daß Johannes der Täufer eine Wiedergeburt des Elia sei (Matth. 17, 12-13). Kommt ein Mensch blind zur Welt, so kann er ja in diesem Erdenleben unmöglich schuldhaft zu dieser Behinderung beigetragen haben; die Jünger fragten Jesus jedoch: „Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?“ (Joh. 9, 2) Eine Frage, die nachdenklich stimmt.
Die Lehren des Urchristentums wurden im Laufe der Jahrhunderte durch etliche Glaubenssätze ergänzt. Warum dann die Ausgrenzung der Reinkarnationslehre, die die Folge von Saat und Ernte, von Schuld und Sühne doch erst erkennen ließe und außerdem eine nicht zu unterschätzende Annäherung an die östlichen Glaubenslehren bedeutete?
„Ich bitte inständig, die Konzilsbeschlüsse zu Konstantinopel im Jahre 553 n. Chr. erneut zu überdenken!“
Eine alte Frau
Es gibt Menschen von tiefer Gläubigkeit, die unerschütterlich bleiben bei allem, was ihnen an Leid geschieht. So kannte ich eine Frau, die in ihrem Leben den Sturz von Reichtum mit all seinen Vorzügen bis hin zu Armut drastisch erleben mußte und die alles, was der Zweite Weltkrieg einer Frau und Mutter abverlangen konnte, durchmachte: Verlust zweier Söhne, Inhaftierung und Berufsverbot des Mannes seitens der Gestapo, Verlust von Hab und Gut durch Bomben, Evakuierung, dies alles und mehr. Dennoch trug diese Frau eine unerschütterliche Überzeugung in sich: Er, der himmlische Vater, wird schon wissen, warum das geschieht; ein Fragen ihrerseits erübrigte sich daher.
Diesen tiefen, überzeugten Glauben können wir jedoch nicht allgemein voraussetzen. Menschen von heute sind nach Schicksalsschlägen gewöhnlich voller Fragen. Traurig ist, daß offenbar so wenig Antworten vermittelt werden, denn das geistige Wissen um die Zusammenhänge von Schuld und Sühne ist ja da. Wie befreiend und beglückend könnte es wirken, wie ganz anders hörten sich Predigten über das Leid an, die auf Grund jetziger Glaubensbasis oft recht hilflos ausfallen müssen!
Wenn der bekannte deutsche Theologe und Religionsphilosoph Karl Rahner sagt, die Unerklärbarkeit des Leides hinge mit der Unerklärbarkeit Gottes zusammen, so ist die Aussage vom Standpunkt seines Wissens aus verständlich, bleibt aber letztlich nur der unbefriedigende Versuch einer Erklärung. In einem hat Rahner aber völlig recht: Wie könnte Gott dem Menschen erklärbar sein! Meinen wir doch mit diesem heiligsten aller Worte den Schöpfer des ganzen Universums, von dem auch die schärfsten Aufnahmen unserer Weltraumteleskope nur einen kleinen Ausschnitt zeigen.
Doch wurde uns Christen von Jesus aufgetragen: „Suchet und ihr werdet finden!“ Wer sucht, fragt auch, das liegt in der Natur des Suchens. Es ist und bleibt ein Irrtum zu denken, unser Schöpfer wolle blindgläubige Menschen. Wir sind ja auf der Erde, um uns immer weiter zu entwickeln, aus einem Samenkorn soll doch schließlich Blüte und Frucht werden! Wozu sonst wurde es denn in die Erde gelegt?
Wenn die Reinkarnation im Neuen Testament auch keine besondere Erwähnung findet, so ist doch zu sehen, daß den Menschen von damals der Gedanke an vorangegangene Erdenleben nicht fremd war.
Edgar Cayce und die Reinkarnation
Der berühmte italienische Dominikanermönch und Naturforscher Giordano Bruno (1568-1600) war von der Reinkarnation überzeugt.Immer dann, wenn die Menschheit an Wendepunkten steht – heute ist viel vom Wassermann-Zeitalter die Rede -, kommen Menschen zur Erde, deren Begabungen für viele zum Segen werden. Einen solchen möchte ich nun vorstellen, weil seine Tätigkeit die Tatsache wiederholter Erdenleben in besonderer Weise bestätigte: Gemeint ist der amerikanische Seher und Prophet Edgar Cayce (1) (1877-1942), der als Trance-Medium erstaunliche Durchsagen machte.
Im Alter von 21 Jahren erkrankte Cayce an einer Kehlkopfentzündung und verlor seine Stimme. Auf der Suche nach Heilung wurde er von einem Artisten in Trance versetzt und diagnostizierte dabei zum Erstaunen der Umstehenden seine eigene Krankheitsursache und Therapie, die ihn dann wirklich heilte. Das war der Beginn zur Hilfe für Tausende, die durch ihn Diagnose und Therapie ihrer oft als unheilbar bewerteten Krankheiten erfuhren. Er, der Sohn einfacher Landleute und spätere Fotograf, der im Wachzustand keinerlei medizinische Kenntnisse besaß, gab in Trance mit Erfolg Anweisungen und Auskünfte zum Erstaunen der Ärzteschaft. Dabei blieb er über all die Zeit der einfache, demütige Mensch. Seit dem 10. Lebensjahr las er jedes Jahr die Bibel von Anfang bis Ende einmal durch und wollte schon früh wie ein Jünger Christi Helfer und Heiler für die leidende Menschheit werden.
Vor diesem Hintergrund ist sein Staunen zu verstehen, als er nach einem Reading, bei dem Cayce erstmalig nicht nach der Krankheit eines Mannes, sondern nach dessen Horoskop gefragt wurde, die Worte sprach: „Er war einst ein Mönch.“ Dieser Hinweis auf ein früheres Erdenleben stellte das Weltbild aller Anwesenden in Frage. Cayce war als Christ mehr als beunruhigt, stimmte aber weiteren „Lebensreadings“, wie diese nun genannt wurden, zu. Im Laufe der Zeit, wobei sich auch nachprüfbar die Richtigkeit örtlicher und namentlicher Aussagen vergangener Erdenleben von Ratsuchenden ergab, konnte er sich dieser Wahrheit nicht mehr entziehen. Er erlebte aber auch, daß derartige Kundgaben ausschließlich nur dann gegeben wurden, wenn sie für die physische oder psychische Hilfe notwendig waren. Daß der Mensch sich der vergangenen Leben nicht erinnert, hat nämlich einen tiefen Sinn, und der darüber liegende Schleier darf nicht leichtfertig gelüftet werden.
Von letzten Zweifeln wurde Cayce durch die Kundgaben selbst befreit. Dort hieß es, daß die Reinkarnation keineswegs ein Aberglaube unwissender Menschen sei, sondern es sich um eine anerkennenswerte Lehre handele, die Millionen gebildeter Menschen in indischen und anderen buddhistischen Ländern sich zum ethischen Lebensprinzip machten. Allerdings gäbe es auch die irrige Lehre von der Rückkehr menschlicher Wesen in Tierkörper, hierbei handele es sich aber um eine Mißdeutung des wahren Gesetzes der Wiedergeburt. Hatte sich Cayce gerade von jenem Gedanken abgestoßen gefühlt, so war er nun glücklich über diese Klärung: Tier bleibt immer Tier und der Mensch bleibt Mensch! Vor allem aber war ihm wichtig, daß die Lehre wiederholter Erdenleben in keinerlei Gegensatz zur Kernbotschaft Jesu Christi steht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
So wurde Edgar Cayce zu einem Pionier der Aufklärung über die wirkliche Auswirkung menschlichen Handelns in Gedanken, Worten und Werken für die westliche Welt. Karmische Hintergründe für Wohlergehen und Begabungen eines Menschen wie auch von Schicksalsschlägen, Krankheiten und Leiden aller Art erhellten sich durch seine Durchsagen in Trance und halfen auf vielfältige Weise weiter.
„Als Katholik darf ich nicht an die Lehre der Reinkarnation glauben, als Philosoph, der die Schriften von Platon studiert hat, weiß ich, daß sie existiert.“
Was wir alle „mitbringen“
Früh schon, besonders als ich in die Schule kam, staunte ich über die Verschiedenheit der Klassenkameradinnen. Irmgard war durch zu schnelles Wachstum herzkrank geworden und durfte nicht mitturnen; Esther spielte als einzige schon wunderbar die Geige; Marlitt lispelte; Wilma stammte sichtlich aus ganz ärmlichen Verhältnissen; Helga hatte seidiges, hellblondes Haar und war schön wie keine andere, und Irene war ein unleidliches „Biest“, das mit jedem Streit anfing. Alle waren so anders und doch gehörten wir zusammen, mußten miteinander zurechtkommen. Irgendwer hatte gesagt, daß auch an den größten Bäumen kein Blatt dem anderen gleich sei, so ist es wohl auch bei den Menschen, dachte ich. Das Einzelkind, das ich war, staunte und sein Staunen war eigentlich schon eine Frage. Warum ist das so?
Dann zeigte sich bei mir ein körperlicher Mangel, offenbar von Großmutter vererbt, der mich trotz aller Liebe zu Großmama hadern ließ. Ich dachte, hätte Papa eine andere Frau geheiratet mit einer gesünderen Mutter, dann wäre mir wohl dieser Mangel erspart geblieben; andererseits liebte ich beide, sie waren doch gut zu mir, und so erlebte ich in jungen Jahren ein inneres Durcheinander, bis mir klar wurde: Es gibt keine Ungerechtigkeit, der ich ausgesetzt war und bin. Alles paßte in Wirklichkeit genau zu mir. Auch die Religion, in die ich geboren wurde, war damals genau die für mich gemäße, gehörte zu meinem Bild, dessen Farben ich selbst einst vorgegeben hatte.
Diese Zusammenhänge zu begreifen, gibt es einen Vortrag, wie er hilfreicher nicht sein kann: „Das Geheimnis der Geburt“ in dem Buch „Im Lichte der Wahrheit“ von Abd-ru-shin. Ich glaubte schon lange zuvor an mehrere Erdenleben, doch als ich dort die Zusammenhänge las, wurde mir das bislang Unverstandene noch klarer. Die Unterschiede zwischen den Menschen gründen sich in dem, was jeder einzelne denkt, redet und tut. Letztlich sind wir also an unserem jetzigen und künftigen Schicksal weit mehr beteiligt, als uns vielleicht zu denken lieb sein mag!
Eines lehrt das Leben, lehren uns Heilige Schriften und beispielsweise die Readings von Edgar Cayce: Wenn auch im Alltag nicht immer alles so leicht ist, dem Menschen guten Willens braucht nicht bange zu sein. Er kann vertrauensvoll nach oben schauen, auch wenn er die Ernte eigener übler Saaten zu durchleben hat.
Wir alle sind nicht vollkommen, sollen es erst noch werden, dazu sind wir ja auf der Erde. Jede Überheblichkeit, jedes Sich-besser-als-der-andere-Dünken zeugt von kleiner, unwissender Denkungsart, ist auch bei weisen Menschen nicht zu finden. Vom großen Film eines Lebens sehen wir doch in diesen Erdenjahren nur einen kleinen Ausschnitt. Immer aber haben wir die Selbstverantwortung. Am Ende unserer Tage können wir uns nicht auf irgend jemanden berufen, ganz gleich, wer es auch sei. Keine Schuldzuweisungen zählen, auch das nicht, was wir selbst in früheren Erdenleben schon einmal waren. Nichts als das Tagebuch unserer Seele nehmen wir mit in die jenseitige Welt, wo immer zu lesen sein wird, was wir ohne Beschönigung in der Gegenwart sind.
Die Lehre, daß unser ganzes, großes Sein nicht mit diesem Erdenleben beginnt und auch nicht mit diesem endet, sollte endlich die ganze Menschheit berühren und befreien. Ich habe meinen „Traum“ von der „Heilung unserer Religion“ zum Ausdruck gebracht und wünsche meinem an die christlichen Würdenträger gerichteten „Antrag“, die Konzilsbeschlüsse von 553 neu zu überdenken, eine gute Reise, auf daß er sein Ziel erreiche. Hier ist ein Gedankenfunke, der hinauszieht, um beizutragen, irgendwann ein heilsames, wärmendes Feuer zu entfachen. Dann werden auch immer mehr Menschen im Begreifen dieser herrlichen Schöpfung aus vollem Herzen dankbar sagen können: Jetzt verstehe, fühle und empfinde ich, was es heißt, wenn geschrieben steht: „Gott ist die Liebe.“
1 Sprich: K-e-i-ssii
Die Lehren des Urchristentums wurden im Laufe der Jahrhunderte durch etliche Glaubenssätze ergänzt. Warum die Ausgrenzung der Reinkarnationslehre, die die Folge von Schuld und Sühne doch erst erkennen läßt?
Inkarnation und Reinkarnation
Auch in unserem christlichen Kulturkreis gibt es immer mehr Menschen, die an die Reinkarnation glauben, also daran, daß wir öfter als nur einmal auf Erden leben. In den fernöstlichen Religionen geht man davon ohnehin aus, und geschichtlich findet man den Glauben an mehrfache Leben schon in der Antike. Aber welche Argumente sprechen dafür, daß es die Wiederverkörperung wirklich gibt? Spannt sich unser irdisches Dasein tatsächlich über Jahrhunderte und Jahrtausende – obwohl wir tagbewußt nichts davon wissen?
Werner Huemer hat sich mit diesen Fragen befaßt.
http://www.gral.de/index.php?page=3305
Taschenbuchempfehlung:
Weshalb wir nicht nur einmal leben – Wiederverkörperung: Ein christlicher Gedanke
Die Idee, daß der Mensch öfter als nur einmal auf Erden lebt, findet zunehmend Verbreitung. Für viele gipfelt darin ihre Sehnsucht nach Überwindung des Todes und Unsterblichkeit. Auch viele große Weltreligionen bauen auf dem Gedanken auf, daß wir nicht nur einmal leben, und erklären das Schicksal des Menschen aus diesem größeren Zusammenhang.
Aber ist die sogenannte »Reinkarnation«, die »Wieder-Fleischwerdung« tatsächlich nur eine befriedigende Idee, ein weltanschaulicher Gedanke?
http://de.gral-bestellen.com/de_DE/1020/product/120.html?
Beweise für die Reinkarnation?
In der Regel können wir uns nicht an ein vorausgegangenes Erdenleben erinnern. Deshalb halten wir die Idee der Reinkarnation für unzutreffend. Es gibt aber immer wieder Menschen, die sich – mehr oder weniger deutlich – doch an ein früheres Leben erinnern. Sie sind Zeugen dafür, daß wir Menschen doch öfter als nur einmal auf der Erde leben!
http://www.gral.de/index.php?page=2183
Autor: Elfriede Herb
