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Startseite›Themenbereiche›Weltbild›„Ich wollte nicht sterben!“
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Organtransplantation

„Ich wollte nicht sterben!“

Wie lebt man mit fremden Organen? Nach 15 Jahren schwerer Krankheit erhielt Antoní­n Váña eine Lebertransplantation. Das Organ eines anderen Menschen war für ihn die einzige Hoffnung, denn er litt an einer ungewöhnlichen Störung: Sein Immunsystem hatte verrückt gespielt, in der eigenen Leber einen Fremdkörper gesehen und deshalb versucht, sie zu liquidieren. Ein Gespräch über persönliche Erfahrungen vor und nach einer Transplantation.


Antoní­n Váña
GralsWelt: Wie machte sich Ihre Erkrankung bemerkbar?
Váña:
Ich fühlte mich nicht wohl, litt an chronischer Müdigkeit. Oft schlief ich ein, sogar im Bus. In meinem Beruf mußte ich viel leisten, und wir renovierten damals auch noch unser Haus. In meine Wohnung kam ich meist erst nach Mitternacht, und um fünf Uhr mußte ich schon wieder aufstehen, um pünktlich in der Firma zu sein. Und ich habe noch Englisch gelernt …

GralsWelt: Glauben Sie, daß Ihre Krankheit sich anders entwickelt hätte, wenn Sie sich nicht so großen Anforderungen ausgesetzt hätten?
Váña:
Ich kenne bestimmte Yoga-Praktiken. Wenn ich damals Zeit gehabt hätte, hätte ich mir bestimmt selbst helfen können. Eigentlich wollte ich schon längst aus der Hetze aussteigen. Als ich dann krankheitsbedingt im Ruhestand war, besserte sich mein Zustand. Die Blutung, die mir zu schaffen machte, hörte auf, ich nahm auch an Gewicht zu. Man fragte mich, ob ich die Transplantation schon hinter mir habe, so gut sah ich aus!

GralsWelt: Sie kamen also nicht als todkranker Patient zur Transplantation?
Váña:
Nachdem mir die Ärzte gesagt hatten, daß es für mich keinen anderen Weg gibt, habe ich mehr als ein Jahr auf die Transplantation gewartet, ich stand auf der zentralen Warteliste. Aber ich war dann in so guter Stimmung, daß ich sie verschieben wollte. Einmal habe ich sogar gebeten, daß man mich von der Warteliste nimmt, weil ich mich erkältet habe … Schließlich wollte der Arzt eine klare Entscheidung hören – will ich oder nicht? Hätte ich die Transplantation abgelehnt, hätte er mich wieder in die Arbeit geschickt, in die Hetze. Dann wäre meine Erkrankung, die Blutung, zurückgekehrt, und die Ärzte hätten mir aufgrund meiner Ablehnung nicht mehr geholfen. Und so bin ich schließlich auf die Transplantation eingegangen.

GralsWelt: Wie waren Ihre Gefühle vor der Transplantation? Hatten Sie Probleme mit dem Gedanken, daß Sie mit einem fremden Organ leben werden?
Váña:
Mein Heilpraktiker hat mich davor gewarnt, daß die andersartigen Schwingungen des fremden Organs mich beeinflussen könnten. Ich selbst hatte auch Sorge, daß sich die Ausstrahlungen nicht gut vertragen. Andererseits aber hatte ich auch Vertrauen in meine Fähigkeit, damit zurechtzukommen. Es gab viel Für und Wider – und als der Arzt mich vor die Entscheidung stellte, sagte ich ja.

GralsWelt: Wie erlebten Sie dann die Wartezeit vor der Operation?
Váña:
Ich war bereit und wußte, daß das passende Organ nun jederzeit bereitstehen könnte und ich dann sofort ins Spital muß, auch wenn es zum Beispiel drei Uhr nachts ist. Ohne Handy ging ich nicht aus dem Haus, ich war darauf gefaßt, jederzeit nach Brünn zu fahren. Dann kam der Tag – ich war zu Hause, es war Nachmittag, das Telefon klingelte: „Wir haben für Sie ein passendes Organ, kommen Sie!“ Nach kurzer Zeit war ich in Brünn.

„Wenn Sie in sich etwas Fremdes haben, bleibt es fremd für immer. Sie können nie mehr ein gesunder Mensch sein!“

GralsWelt: Wie ging es dann weiter, welche Gefühle hatten Sie?
Váña:
Es war sehr eigenartig. Ich hatte ein Gefühl, als ob ich hier auf der Welt nur zu Besuch wäre. Ich war ganz ruhig. Nach der Eingangskontrolle wartete ich auf das Organ, das aus Prag kommen sollte. Ich schlief dabei ein. Gegen Abend weckte man mich, und in der Nacht transplantierte mir ein Ärzteteam die Leber. Die Operation dauerte vier Stunden und verlief ohne Komplikationen. Am nächsten Tag um die Mittagszeit wachte ich auf, und nach drei Wochen kam ich nach Hause.

GralsWelt: Dachten Sie in dieser Zeit auch einmal an den Organspender und daran, daß sie ihm jetzt auf irgendeine Weise verbunden werden?
Váña:
Ich wußte, daß jemand sterben mußte, damit ich sein Organ bekommen kann, und daß ich etwas sehr Wertvolles erhalten habe. Ich sagte mir, vielleicht war er dazu bestimmt, auf diese Weise die Welt zu verlassen, und ich glaubte auch immer, daß ich genug Kraft habe, die fremden Schwingungen des Spenders mit meiner Psyche zu überwinden.

GralsWelt: Oft kommt es bei Menschen, die ein fremdes Organ erhalten haben, zu Verhaltensänderungen. Wie war das bei Ihnen? Hatten Sie immer das Gefühl, über die eigene innere Kraft zu verfügen, oder kam es zu bestimmten Schwankungen?
Váña:
Ein Vergleich ist für mich schwierig. In der Zeit vor der Operation war ich sehr krank, geschwächt – zuerst durch Krankheit, dann durch meine Zweifel und Befürchtungen. Nach der Transplantation lag der Entschluß hinter mir, ich fühlte auf einmal Erleichterung und hatte das Gefühl, jetzt alles machen zu können. Die Ärzte sagten mir auch, ich könne jetzt sogar ohne Bedenken Bergwanderungen machen, ich brauchte keine Angst zu haben. Trotzdem aber bin ich immer noch nicht hundertprozentig davon überzeugt, daß die Transplantation in meinem Fall wirklich unumgänglich war.

GralsWelt: Wie ist jetzt Ihre Therapie? Nehmen Sie Medikamente ein? Müssen Sie zur Kontrolle?
Váña:
Viermal pro Jahr muß ich zur Kontrolle, das heißt Blutprobe, der Arzt untersucht meinen Bauch. Ich muß jetzt – wahrscheinlich mein ganzes Leben lang – Medikamente nehmen, denn das Problem liegt bei Transplantationen darin, daß der Körper sich gegen das fremde Organ wehrt. Also ist es nötig, seine Wehrfähigkeit zu schwächen. Außerdem soll ich vorsichtig sein – in Zeiten einer Grippeepidemie sollte ich gar nicht hinausgehen.

GralsWelt: Ist die transplantierte Leber für Sie immer noch ein fremdes Organ – oder betrachten Sie sie jetzt als Ihr eigenes?
Váña:
Allmählich akzeptiere ich sie. Es ist etwas Fremdes, die Schwingung des anderen Menschen, aber ich kann sie ein wenig annehmen, weil ich denke, daß meine eigene Schwingung viel stärker ist als die des Spenders.
GralsWelt: Welchen Eindruck hatten Sie im Zusammenhang mit der Transplantation von den Ärzten?
Váña:
Die Ärzte sehen Spender und Empfänger sehr sachlich, beide müssen bestimmte Proportionen haben, die körperlichen Gegebenheiten für die Transplantation müssen stimmen. Auf diese Weise haben sie mir den Eingriff auch erklärt. Ich achte die Arbeit der Ärzte sehr, aber sie sehen eine Transplantation wirklich nur medizinisch, geistige Zusammenhänge spielen für sie keine Rolle.

GralsWelt: Welche Empfehlung würden Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen anderen Menschen geben?
Váña:
Wenn ich wüßte, daß ein Mensch keine andere Wahl hat, würde ich ihm – aber nur als äußerste Möglichkeit – eine Transplantation empfehlen. Aber es ist doch nicht so, daß man nach der Transplantation geheilt ist. Auch wenn sie gelingt, muß man das ganze Leben lang Medikamente einnehmen, die sehr teuer sind und eine Reihe unangenehmer Nebenwirkungen verursachen. Ich habe jetzt hohen Blutdruck und muß viel trinken, da die Medikamente aggressiv gegenüber den Nieren sind. Es gibt bestimmte Einschränkungen. Will ich in Urlaub fahren, muß ich eine Reihe weiterer Aspekte beachten – Wetter, Luftdruck, Getränke. Und ich glaube, wenn Sie in sich etwas Fremdes haben, bleibt es fremd für immer. Sie können nie mehr ein gesunder Mensch sein. Eine Organtransplantation ist nicht die natürlichste Art des Heilens und des Lebens, aber ich wollte nicht sterben.

 



Antoní­n Váña
GralsWelt: Wie machte sich Ihre Erkrankung bemerkbar?
Váña:
Ich fühlte mich nicht wohl, litt an chronischer Müdigkeit. Oft schlief ich ein, sogar im Bus. In meinem Beruf mußte ich viel leisten, und wir renovierten damals auch noch unser Haus. In meine Wohnung kam ich meist erst nach Mitternacht, und um fünf Uhr mußte ich schon wieder aufstehen, um pünktlich in der Firma zu sein. Und ich habe noch Englisch gelernt …

GralsWelt: Glauben Sie, daß Ihre Krankheit sich anders entwickelt hätte, wenn Sie sich nicht so großen Anforderungen ausgesetzt hätten?
Váña:
Ich kenne bestimmte Yoga-Praktiken. Wenn ich damals Zeit gehabt hätte, hätte ich mir bestimmt selbst helfen können. Eigentlich wollte ich schon längst aus der Hetze aussteigen. Als ich dann krankheitsbedingt im Ruhestand war, besserte sich mein Zustand. Die Blutung, die mir zu schaffen machte, hörte auf, ich nahm auch an Gewicht zu. Man fragte mich, ob ich die Transplantation schon hinter mir habe, so gut sah ich aus!

GralsWelt: Sie kamen also nicht als todkranker Patient zur Transplantation?
Váña:
Nachdem mir die Ärzte gesagt hatten, daß es für mich keinen anderen Weg gibt, habe ich mehr als ein Jahr auf die Transplantation gewartet, ich stand auf der zentralen Warteliste. Aber ich war dann in so guter Stimmung, daß ich sie verschieben wollte. Einmal habe ich sogar gebeten, daß man mich von der Warteliste nimmt, weil ich mich erkältet habe … Schließlich wollte der Arzt eine klare Entscheidung hören – will ich oder nicht? Hätte ich die Transplantation abgelehnt, hätte er mich wieder in die Arbeit geschickt, in die Hetze. Dann wäre meine Erkrankung, die Blutung, zurückgekehrt, und die Ärzte hätten mir aufgrund meiner Ablehnung nicht mehr geholfen. Und so bin ich schließlich auf die Transplantation eingegangen.

GralsWelt: Wie waren Ihre Gefühle vor der Transplantation? Hatten Sie Probleme mit dem Gedanken, daß Sie mit einem fremden Organ leben werden?
Váña:
Mein Heilpraktiker hat mich davor gewarnt, daß die andersartigen Schwingungen des fremden Organs mich beeinflussen könnten. Ich selbst hatte auch Sorge, daß sich die Ausstrahlungen nicht gut vertragen. Andererseits aber hatte ich auch Vertrauen in meine Fähigkeit, damit zurechtzukommen. Es gab viel Für und Wider – und als der Arzt mich vor die Entscheidung stellte, sagte ich ja.

GralsWelt: Wie erlebten Sie dann die Wartezeit vor der Operation?
Váña:
Ich war bereit und wußte, daß das passende Organ nun jederzeit bereitstehen könnte und ich dann sofort ins Spital muß, auch wenn es zum Beispiel drei Uhr nachts ist. Ohne Handy ging ich nicht aus dem Haus, ich war darauf gefaßt, jederzeit nach Brünn zu fahren. Dann kam der Tag – ich war zu Hause, es war Nachmittag, das Telefon klingelte: „Wir haben für Sie ein passendes Organ, kommen Sie!“ Nach kurzer Zeit war ich in Brünn.

„Wenn Sie in sich etwas Fremdes haben, bleibt es fremd für immer. Sie können nie mehr ein gesunder Mensch sein!“

GralsWelt: Wie ging es dann weiter, welche Gefühle hatten Sie?
Váña:
Es war sehr eigenartig. Ich hatte ein Gefühl, als ob ich hier auf der Welt nur zu Besuch wäre. Ich war ganz ruhig. Nach der Eingangskontrolle wartete ich auf das Organ, das aus Prag kommen sollte. Ich schlief dabei ein. Gegen Abend weckte man mich, und in der Nacht transplantierte mir ein Ärzteteam die Leber. Die Operation dauerte vier Stunden und verlief ohne Komplikationen. Am nächsten Tag um die Mittagszeit wachte ich auf, und nach drei Wochen kam ich nach Hause.

GralsWelt: Dachten Sie in dieser Zeit auch einmal an den Organspender und daran, daß sie ihm jetzt auf irgendeine Weise verbunden werden?
Váña:
Ich wußte, daß jemand sterben mußte, damit ich sein Organ bekommen kann, und daß ich etwas sehr Wertvolles erhalten habe. Ich sagte mir, vielleicht war er dazu bestimmt, auf diese Weise die Welt zu verlassen, und ich glaubte auch immer, daß ich genug Kraft habe, die fremden Schwingungen des Spenders mit meiner Psyche zu überwinden.

GralsWelt: Oft kommt es bei Menschen, die ein fremdes Organ erhalten haben, zu Verhaltensänderungen. Wie war das bei Ihnen? Hatten Sie immer das Gefühl, über die eigene innere Kraft zu verfügen, oder kam es zu bestimmten Schwankungen?
Váña:
Ein Vergleich ist für mich schwierig. In der Zeit vor der Operation war ich sehr krank, geschwächt – zuerst durch Krankheit, dann durch meine Zweifel und Befürchtungen. Nach der Transplantation lag der Entschluß hinter mir, ich fühlte auf einmal Erleichterung und hatte das Gefühl, jetzt alles machen zu können. Die Ärzte sagten mir auch, ich könne jetzt sogar ohne Bedenken Bergwanderungen machen, ich brauchte keine Angst zu haben. Trotzdem aber bin ich immer noch nicht hundertprozentig davon überzeugt, daß die Transplantation in meinem Fall wirklich unumgänglich war.

GralsWelt: Wie ist jetzt Ihre Therapie? Nehmen Sie Medikamente ein? Müssen Sie zur Kontrolle?
Váña:
Viermal pro Jahr muß ich zur Kontrolle, das heißt Blutprobe, der Arzt untersucht meinen Bauch. Ich muß jetzt – wahrscheinlich mein ganzes Leben lang – Medikamente nehmen, denn das Problem liegt bei Transplantationen darin, daß der Körper sich gegen das fremde Organ wehrt. Also ist es nötig, seine Wehrfähigkeit zu schwächen. Außerdem soll ich vorsichtig sein – in Zeiten einer Grippeepidemie sollte ich gar nicht hinausgehen.

GralsWelt: Ist die transplantierte Leber für Sie immer noch ein fremdes Organ – oder betrachten Sie sie jetzt als Ihr eigenes?
Váña:
Allmählich akzeptiere ich sie. Es ist etwas Fremdes, die Schwingung des anderen Menschen, aber ich kann sie ein wenig annehmen, weil ich denke, daß meine eigene Schwingung viel stärker ist als die des Spenders.
GralsWelt: Welchen Eindruck hatten Sie im Zusammenhang mit der Transplantation von den Ärzten?
Váña:
Die Ärzte sehen Spender und Empfänger sehr sachlich, beide müssen bestimmte Proportionen haben, die körperlichen Gegebenheiten für die Transplantation müssen stimmen. Auf diese Weise haben sie mir den Eingriff auch erklärt. Ich achte die Arbeit der Ärzte sehr, aber sie sehen eine Transplantation wirklich nur medizinisch, geistige Zusammenhänge spielen für sie keine Rolle.

GralsWelt: Welche Empfehlung würden Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen anderen Menschen geben?
Váña:
Wenn ich wüßte, daß ein Mensch keine andere Wahl hat, würde ich ihm – aber nur als äußerste Möglichkeit – eine Transplantation empfehlen. Aber es ist doch nicht so, daß man nach der Transplantation geheilt ist. Auch wenn sie gelingt, muß man das ganze Leben lang Medikamente einnehmen, die sehr teuer sind und eine Reihe unangenehmer Nebenwirkungen verursachen. Ich habe jetzt hohen Blutdruck und muß viel trinken, da die Medikamente aggressiv gegenüber den Nieren sind. Es gibt bestimmte Einschränkungen. Will ich in Urlaub fahren, muß ich eine Reihe weiterer Aspekte beachten – Wetter, Luftdruck, Getränke. Und ich glaube, wenn Sie in sich etwas Fremdes haben, bleibt es fremd für immer. Sie können nie mehr ein gesunder Mensch sein. Eine Organtransplantation ist nicht die natürlichste Art des Heilens und des Lebens, aber ich wollte nicht sterben.

 



Autor: Maria Sulakova
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  • Organspende
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