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Biblisches Gleichnis

Noah und die Sintflut

Berichte von einer großen Flut gibt es in vielen Kulturkreisen. Am bekanntesten ist neben den biblischen Schilderungen das Gilgamesch-Epos. "Sin(t)vluot" bedeutet große, allgemeine Überschwemmung. Die Vorsilbe "sin" heißt: immerwährend, durchaus, gewaltig. Sintflut also: immerwährendes, gewaltiges Strömen und Fluten. Die bekannte biblische Erzählung über Noah könnte den Anschein erwecken, der Schöpfer sei eine Art willkürlicher Herrscher, der Mensch und Tier vernichten will, weil es ihn reut, daß er sie geschaffen hat. So ist es aber nicht!


Die Sintflut-Erzählung muß bildhaft aufgefaßt werden. Die Erde war (wie die Bibel sagt) "voll Frevels", und es bahnte sich – damals wie heute – eine Katastrophe an, weil die Menschen sich nicht mehr in die Schöpfungsharmonie einfügten.

Warum konnte Noah gerettet werden? Von ihm wird berichtet, er sei "fromm" gewesen. Von der Wortentstehung her bedeutet dieser Begriff: nützlich, brauchbar (von: mittelhochdeutsch "vrum, vrom") und wird außerdem noch verwendet im Sinne von: tüchtig, trefflich, tapfer, rechtschaffen. Wenn Noah solche Eigenschaften entwickelt hatte und damit nützlich und fördernd in der Schöpfung stand, so war es eine logische Folge, daß er durch das Wirken der Schöpfungs- oder Naturgesetze selbst Förderung erfuhr. Seine Rettung war also kein Willkürakt Gottes.

Das "Wie" seiner Rettung wird häufig als "schöne Geschichte" gewertet, die höchst phantastisch klingt: Gott hätte demnach direkt zu Noah gesprochen; Noah habe gut zugehört, so, wie man einem menschlichen Gesprächspartner zuhört. Dann habe er von Gott sogar genaue Maße und Anweisungen für den Bauplan der Arche erhalten; er habe alle Anweisungen befolgt – und so wurde er mitsamt seiner Familie und den in die Arche aufgenommenen Tieren gerettet.

Sollte wirklich nicht mehr an Aussage in dieser biblischen Schilderung stecken? Wo läge dann der Wert für uns? Was könnten wir heutigen Menschen für die Bewältigung einer allgemeinen Krise daraus lernen?

Ein zentraler Satz in der Geschichte von Noah lautet: "Noah tat alles, was der Herr ihm gebot." Damit ist nicht gemeint, Noah habe blind Befehle entgegengenommen und ausgeführt – es ist eine Lebenseinstellung damit ausgedrückt! Noah stand bestimmt nicht da, um zu warten, bis eine Stimme aus den Wolken ertönte. Und dennoch muß er die Sprache Gottes wahrgenommen und verstanden haben – in einer Art, wie auch wir heutigen Menschen es können: Über die Natur, über die gesamte Schöpfung, kann auch uns die Sprache Gottes verständlich werden. In dem Bemühen, uns einzufügen, nicht zu stören, sondern zu fördern, können wir tun, "was der Herr gebietet". Dabei nützt es nichts, dieses Bestreben für Katastrophenfälle aufzuschieben; schon zuvor muß es in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Wenn nun der biblischen Schilderung zufolge vom Schöpfer sogar Maße für die Arche angegeben werden, dann hat das im ersten Augenblick den Anschein eines Konstruktionsplanes. Doch die eigentliche Bedeutung könnte darin liegen, daß die Hilfe, die Noah vom Schöpfer erfuhr, eben nichts Willkürliches war, sondern genau dem Maße des ihm gebührenden Schutzes entsprach. Dadurch war Noah in die Lage versetzt, auch irdisch das Richtige für die Errettung zu tun (die richtigen Maße zu wählen).

Wie Noah die Notsituation meisterte, darauf gibt sein Name einige Hinweise. Noah bedeutet: Ruhe, Trost. Sein Gottvertrauen gab ihm Ruhe und Trost in jeder Lage. Dadurch konnte er in Krisenzeiten für andere Menschen zum ruhenden Pol werden und ihnen Trost vermitteln. Eine solche innere Ruhe kann jedoch nicht durch Untätigkeit erworben werden, sondern durch innere Wachsamkeit, durch ein Erspüren dessen, was im Moment gefordert ist, durch ein bewußtes inneres Sich-Öffnen. Damit Noah fähig wurde, die Arche als äußeren Schutz zu bauen, mußte er erst die inneren Grundlagen dafür schaffen, durch seine Lebenseinstellung, durch seine Haltung der Schöpfung und dem Schöpfer gegenüber. Irdische Vorsorge allein ist zwecklos – das gilt auch für uns heutige Menschen!

"Arche" bedeutet u.a.: Kasten (zu lat. arcanus = verschlossen, geheim). Die Arche hat die darin geborgenen Menschen und Tiere abgeschlossen vor den draußen drohenden Gefahren. Das Abschließen vor diesen Gefahren geschieht auf zweierlei Weise: Noah sollte die Arche mit Pech abdichten. Aber dann heißt es noch: "Und der Herr schloß hinter ihm zu". Das bedeutet: Es hilft im Ernstfall keine nur-irdische Maßnahme; ohne den Schutz Gottes – der nicht willkürlich gewährt werden kann – wäre alles vergeblich.

Ein abgeschlossener, abgedichteter Kasten – und doch ist er mit einem Fenster versehen, und zwar "oben an", also offenbar im Dach. Ist das nicht die unzweckmäßigste Lösung, die man sich denken kann? Gerade bei sintflutartigen Regenfällen? Hier muß etwas anderes gemeint sein.

Jeder von uns braucht sein "Fenster nach oben", in jeder Lebenslage, und erst recht in Ausnahmesituationen! Jeder von uns braucht die Verbindung zum Licht, die Sicht nach oben. Wir alle müssen die vom Schöpfer geschenkte Kraft und Hilfe einlassen und aufnehmen, anders läßt sich unser Leben nicht meistern, schon gar nicht in Krisenzeiten.

Ständig wird der ganzen Welt vom Schöpfer Kraft geschenkt – unablässig strömt sie in die Schöpfung. Wer mit diesem Strömen mitgeht, wird von dieser Kraft getragen, kann nicht "untergehen" – darin liegt der eigentliche Sinn des biblischen Bildes.

"Und die Wasser wuchsen und hoben den Kasten auf und trugen ihn empor über die Erde", heißt es (1. Mose 7,17).

Das vermittelt ein lebendiges Bild vom Getragen-Werden durch die von Gott ausströmende Kraft. Was sich aber der Gotteskraft hemmend in den Weg stellt, geht darin unter. Dadurch erfolgt eine Reinigung der Erde von allem die Schöpfungsharmonie Störenden.

Auf einer gereinigten Erde sollen Menschen von der Art Noahs einen Neuaufbau leisten. Bevor er wieder festen Boden betritt, "tat Noah das Dach vom Kasten": Er und alle, die mit ihm in der Arche waren, wollen sich vor dem Neubeginn voll in den Strahl des Lichtes stellen. Anders könnte die bevorstehende Aufgabe nicht bewältigt werden.

Die erste Tat Noahs nach dem Verlassen der Arche ist ein Dankopfer für den Schöpfer. Das erste Mal spricht die Bibel hier von einem Altar. Wenn Noah dem Schöpfer Tiere als Brandopfer darbringt, so steht dahinter wohl die Erkenntnis, daß nichts von allen Kreaturen uns Menschen "gehört", sondern alles allein das Eigentum Gottes ist. Um das auszudrücken, lassen sich natürlich auch andere Formen finden; Noahs Kulthandlung entspricht dem Gebrauch seiner Zeit und seines Lebens als Hirte.

Im Bibeltext folgen auf das Opfer die Schöpferworte:

"Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebet, wie ich getan habe. So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Same und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht"
(1. Mose 8, 21-22).

Vieles Mißverständliche enthält diese Textstelle: Als ob etwa der Schöpfer jemals sein Werk, seine Schöpfung "verfluchen" würde!

Zwar war (und ist) die Erde "voll Frevels". Aber durch wen denn? Doch durch eine Kreatur, die aus freien Stücken frevelte, obwohl sie ursprünglich in ihrer Art "vollkommen" aus der Hand eines Schöpfers hervorging, der der Eine ist, Gott in Vollkommenheit. Als solcher hat der Schöpfer dem Menschen niemals das Böse als Anlage mit auf den Weg gegeben.

Die Bibelworte sagen auch nicht, daß der Mensch von Anfang an schlecht sei. "Von Jugend auf" – das bedeutet: erst nach einer gewissen Entwicklung (es steht ja nicht geschrieben "von Anfang an" oder "von Kindheit an", sondern "von Jugend auf"!) innerhalb einer Reihe wiederholter Erdenleben, hat die Menschheit sich mit ihrem "Dichten" und Trachten aus freiem Wollen zunehmend von Gott abgewendet und auf den irdischen Vorteil, auf Macht, Gewinn und auf das Böse gerichtet – der Sündenfall!

In den Berichten besonders des Alten Testaments werden häufig Begriffe gebraucht und auf die Gottheit übertragen, die im Alltag der Menschen eine Rolle spielten: so der Fluch. Wer "verflucht" wurde, war ein "Geschlagener". Die Menschen, die von Katastrophen getroffen wurden, fühlten sich für ihren Frevel gegen den Schöpfer gestraft, geschlagen, "verflucht". Natürlich erlebten sie bei Naturkatastrophen auch, wie "das Vieh", die Tiere, "bis auf das Gewürm" und bis auf "die Vögel unter dem Himmel" zugrunde gingen. Die Frommen unter ihnen fanden dafür die Erklärung, daß eben nicht nur sie, sondern jegliche Kreatur durch die Gottheit "geschlagen" – und die Menschheit durch diesen Verlust im besonderen Maße "verflucht" war.

Wenn nun der Schöpfer mit Noah und allen Frommen einen Bund einging, so verstanden die Menschen das auch als Zusage, daß sie nun keine Katastrophe, kein "Fluch" mehr treffen wird, auch nicht die Tiere, die "um der Menschen willen", auf Grund ihres unfrommen Verhaltens in der Sintflut umkamen. Gott schließt den Bund mit Noah und "seinem Samen" – also nicht ganz allgemein mit seiner irdischen Nachkommenschaft, sondern mit Menschen, die gleich Noah "fromm", also nützlich und brauchbar in seiner Schöpfung stehen. Auch in der Verheißung von Saat und Ernte, Sommer und Winter... liegt etwas viel Gewaltigeres als "nur" die Zusicherung ungestörter naturgegebener Abläufe: Ohne die ständige Kraftzufuhr, welche die Schöpfung von Gott erhält, könnte sie nicht "in Gang bleiben", nicht weiterbestehen. Bei allem, was wir betreiben, bei jedem Gerät, bei jeder Produktion ist es uns klar: wenn nicht ständig Energie zugeführt wird, bewegt sich nichts mehr, wird nichts mehr geformt, gibt es keine Entwicklung. Auch unser menschlicher Körper würde ohne ständige Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr sterben. Und die ganze gewaltige Schöpfung – wie sollte sie existieren ohne die immer wieder neu von Gott geschenkte Kraft?

Diese Zusage macht Gott den Menschen nach der Sintflut: er wird seine Kraft immer wieder der Schöpfung spenden und wird seine Hand nicht von denen zurückziehen, die sich zu ihm bekennen, die "fromm" sind. Das ist der Bund, den Gott mit den Menschen und der Kreatur schließt – und Gott hält ihn bis zum heutigen Tag. Das Zeichen dieses Bundes ist der Regenbogen – die symbolhafte Brücke zwischen Himmel und Erde.

 



Die Sintflut-Erzählung muß bildhaft aufgefaßt werden. Die Erde war (wie die Bibel sagt) "voll Frevels", und es bahnte sich – damals wie heute – eine Katastrophe an, weil die Menschen sich nicht mehr in die Schöpfungsharmonie einfügten.

Warum konnte Noah gerettet werden? Von ihm wird berichtet, er sei "fromm" gewesen. Von der Wortentstehung her bedeutet dieser Begriff: nützlich, brauchbar (von: mittelhochdeutsch "vrum, vrom") und wird außerdem noch verwendet im Sinne von: tüchtig, trefflich, tapfer, rechtschaffen. Wenn Noah solche Eigenschaften entwickelt hatte und damit nützlich und fördernd in der Schöpfung stand, so war es eine logische Folge, daß er durch das Wirken der Schöpfungs- oder Naturgesetze selbst Förderung erfuhr. Seine Rettung war also kein Willkürakt Gottes.

Das "Wie" seiner Rettung wird häufig als "schöne Geschichte" gewertet, die höchst phantastisch klingt: Gott hätte demnach direkt zu Noah gesprochen; Noah habe gut zugehört, so, wie man einem menschlichen Gesprächspartner zuhört. Dann habe er von Gott sogar genaue Maße und Anweisungen für den Bauplan der Arche erhalten; er habe alle Anweisungen befolgt – und so wurde er mitsamt seiner Familie und den in die Arche aufgenommenen Tieren gerettet.

Sollte wirklich nicht mehr an Aussage in dieser biblischen Schilderung stecken? Wo läge dann der Wert für uns? Was könnten wir heutigen Menschen für die Bewältigung einer allgemeinen Krise daraus lernen?

Ein zentraler Satz in der Geschichte von Noah lautet: "Noah tat alles, was der Herr ihm gebot." Damit ist nicht gemeint, Noah habe blind Befehle entgegengenommen und ausgeführt – es ist eine Lebenseinstellung damit ausgedrückt! Noah stand bestimmt nicht da, um zu warten, bis eine Stimme aus den Wolken ertönte. Und dennoch muß er die Sprache Gottes wahrgenommen und verstanden haben – in einer Art, wie auch wir heutigen Menschen es können: Über die Natur, über die gesamte Schöpfung, kann auch uns die Sprache Gottes verständlich werden. In dem Bemühen, uns einzufügen, nicht zu stören, sondern zu fördern, können wir tun, "was der Herr gebietet". Dabei nützt es nichts, dieses Bestreben für Katastrophenfälle aufzuschieben; schon zuvor muß es in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Wenn nun der biblischen Schilderung zufolge vom Schöpfer sogar Maße für die Arche angegeben werden, dann hat das im ersten Augenblick den Anschein eines Konstruktionsplanes. Doch die eigentliche Bedeutung könnte darin liegen, daß die Hilfe, die Noah vom Schöpfer erfuhr, eben nichts Willkürliches war, sondern genau dem Maße des ihm gebührenden Schutzes entsprach. Dadurch war Noah in die Lage versetzt, auch irdisch das Richtige für die Errettung zu tun (die richtigen Maße zu wählen).

Wie Noah die Notsituation meisterte, darauf gibt sein Name einige Hinweise. Noah bedeutet: Ruhe, Trost. Sein Gottvertrauen gab ihm Ruhe und Trost in jeder Lage. Dadurch konnte er in Krisenzeiten für andere Menschen zum ruhenden Pol werden und ihnen Trost vermitteln. Eine solche innere Ruhe kann jedoch nicht durch Untätigkeit erworben werden, sondern durch innere Wachsamkeit, durch ein Erspüren dessen, was im Moment gefordert ist, durch ein bewußtes inneres Sich-Öffnen. Damit Noah fähig wurde, die Arche als äußeren Schutz zu bauen, mußte er erst die inneren Grundlagen dafür schaffen, durch seine Lebenseinstellung, durch seine Haltung der Schöpfung und dem Schöpfer gegenüber. Irdische Vorsorge allein ist zwecklos – das gilt auch für uns heutige Menschen!

"Arche" bedeutet u.a.: Kasten (zu lat. arcanus = verschlossen, geheim). Die Arche hat die darin geborgenen Menschen und Tiere abgeschlossen vor den draußen drohenden Gefahren. Das Abschließen vor diesen Gefahren geschieht auf zweierlei Weise: Noah sollte die Arche mit Pech abdichten. Aber dann heißt es noch: "Und der Herr schloß hinter ihm zu". Das bedeutet: Es hilft im Ernstfall keine nur-irdische Maßnahme; ohne den Schutz Gottes – der nicht willkürlich gewährt werden kann – wäre alles vergeblich.

Ein abgeschlossener, abgedichteter Kasten – und doch ist er mit einem Fenster versehen, und zwar "oben an", also offenbar im Dach. Ist das nicht die unzweckmäßigste Lösung, die man sich denken kann? Gerade bei sintflutartigen Regenfällen? Hier muß etwas anderes gemeint sein.

Jeder von uns braucht sein "Fenster nach oben", in jeder Lebenslage, und erst recht in Ausnahmesituationen! Jeder von uns braucht die Verbindung zum Licht, die Sicht nach oben. Wir alle müssen die vom Schöpfer geschenkte Kraft und Hilfe einlassen und aufnehmen, anders läßt sich unser Leben nicht meistern, schon gar nicht in Krisenzeiten.

Ständig wird der ganzen Welt vom Schöpfer Kraft geschenkt – unablässig strömt sie in die Schöpfung. Wer mit diesem Strömen mitgeht, wird von dieser Kraft getragen, kann nicht "untergehen" – darin liegt der eigentliche Sinn des biblischen Bildes.

"Und die Wasser wuchsen und hoben den Kasten auf und trugen ihn empor über die Erde", heißt es (1. Mose 7,17).

Das vermittelt ein lebendiges Bild vom Getragen-Werden durch die von Gott ausströmende Kraft. Was sich aber der Gotteskraft hemmend in den Weg stellt, geht darin unter. Dadurch erfolgt eine Reinigung der Erde von allem die Schöpfungsharmonie Störenden.

Auf einer gereinigten Erde sollen Menschen von der Art Noahs einen Neuaufbau leisten. Bevor er wieder festen Boden betritt, "tat Noah das Dach vom Kasten": Er und alle, die mit ihm in der Arche waren, wollen sich vor dem Neubeginn voll in den Strahl des Lichtes stellen. Anders könnte die bevorstehende Aufgabe nicht bewältigt werden.

Die erste Tat Noahs nach dem Verlassen der Arche ist ein Dankopfer für den Schöpfer. Das erste Mal spricht die Bibel hier von einem Altar. Wenn Noah dem Schöpfer Tiere als Brandopfer darbringt, so steht dahinter wohl die Erkenntnis, daß nichts von allen Kreaturen uns Menschen "gehört", sondern alles allein das Eigentum Gottes ist. Um das auszudrücken, lassen sich natürlich auch andere Formen finden; Noahs Kulthandlung entspricht dem Gebrauch seiner Zeit und seines Lebens als Hirte.

Im Bibeltext folgen auf das Opfer die Schöpferworte:

"Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebet, wie ich getan habe. So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Same und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht"
(1. Mose 8, 21-22).

Vieles Mißverständliche enthält diese Textstelle: Als ob etwa der Schöpfer jemals sein Werk, seine Schöpfung "verfluchen" würde!

Zwar war (und ist) die Erde "voll Frevels". Aber durch wen denn? Doch durch eine Kreatur, die aus freien Stücken frevelte, obwohl sie ursprünglich in ihrer Art "vollkommen" aus der Hand eines Schöpfers hervorging, der der Eine ist, Gott in Vollkommenheit. Als solcher hat der Schöpfer dem Menschen niemals das Böse als Anlage mit auf den Weg gegeben.

Die Bibelworte sagen auch nicht, daß der Mensch von Anfang an schlecht sei. "Von Jugend auf" – das bedeutet: erst nach einer gewissen Entwicklung (es steht ja nicht geschrieben "von Anfang an" oder "von Kindheit an", sondern "von Jugend auf"!) innerhalb einer Reihe wiederholter Erdenleben, hat die Menschheit sich mit ihrem "Dichten" und Trachten aus freiem Wollen zunehmend von Gott abgewendet und auf den irdischen Vorteil, auf Macht, Gewinn und auf das Böse gerichtet – der Sündenfall!

In den Berichten besonders des Alten Testaments werden häufig Begriffe gebraucht und auf die Gottheit übertragen, die im Alltag der Menschen eine Rolle spielten: so der Fluch. Wer "verflucht" wurde, war ein "Geschlagener". Die Menschen, die von Katastrophen getroffen wurden, fühlten sich für ihren Frevel gegen den Schöpfer gestraft, geschlagen, "verflucht". Natürlich erlebten sie bei Naturkatastrophen auch, wie "das Vieh", die Tiere, "bis auf das Gewürm" und bis auf "die Vögel unter dem Himmel" zugrunde gingen. Die Frommen unter ihnen fanden dafür die Erklärung, daß eben nicht nur sie, sondern jegliche Kreatur durch die Gottheit "geschlagen" – und die Menschheit durch diesen Verlust im besonderen Maße "verflucht" war.

Wenn nun der Schöpfer mit Noah und allen Frommen einen Bund einging, so verstanden die Menschen das auch als Zusage, daß sie nun keine Katastrophe, kein "Fluch" mehr treffen wird, auch nicht die Tiere, die "um der Menschen willen", auf Grund ihres unfrommen Verhaltens in der Sintflut umkamen. Gott schließt den Bund mit Noah und "seinem Samen" – also nicht ganz allgemein mit seiner irdischen Nachkommenschaft, sondern mit Menschen, die gleich Noah "fromm", also nützlich und brauchbar in seiner Schöpfung stehen. Auch in der Verheißung von Saat und Ernte, Sommer und Winter... liegt etwas viel Gewaltigeres als "nur" die Zusicherung ungestörter naturgegebener Abläufe: Ohne die ständige Kraftzufuhr, welche die Schöpfung von Gott erhält, könnte sie nicht "in Gang bleiben", nicht weiterbestehen. Bei allem, was wir betreiben, bei jedem Gerät, bei jeder Produktion ist es uns klar: wenn nicht ständig Energie zugeführt wird, bewegt sich nichts mehr, wird nichts mehr geformt, gibt es keine Entwicklung. Auch unser menschlicher Körper würde ohne ständige Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr sterben. Und die ganze gewaltige Schöpfung – wie sollte sie existieren ohne die immer wieder neu von Gott geschenkte Kraft?

Diese Zusage macht Gott den Menschen nach der Sintflut: er wird seine Kraft immer wieder der Schöpfung spenden und wird seine Hand nicht von denen zurückziehen, die sich zu ihm bekennen, die "fromm" sind. Das ist der Bund, den Gott mit den Menschen und der Kreatur schließt – und Gott hält ihn bis zum heutigen Tag. Das Zeichen dieses Bundes ist der Regenbogen – die symbolhafte Brücke zwischen Himmel und Erde.

 



Autor: Waltraud Große
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  • Sintflut

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