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Startseite›Themenbereiche›Religion›Licht aus dem „hohen Osten“
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Ex oriente lux

Licht aus dem „hohen Osten“

Aus dem Osten (kommt) das Licht, heißt es. Dieser Spruch bezog sich ursprünglich auf den Sonnenaufgang. Nach christlich-abendländischer Auffassung deutet das Licht aus dem Osten jedoch auf Christus hin, der die Menschen erleuchtete. Die besondere Wertschätzung des Ostens hat wohl auch mit der antiken und christlichen Tradition zu tun, viele Tempelanlagen und später die Kirchen nach Osten auszurichten. So kommt für den Menschen aus dem „hohen Osten“ nicht nur das Licht, sondern auch das Heil.

Der hohe Osten in Ägypten und Israel

Die „Porta clausa“, Darstellung des Messias von Frauenchiemsee
Die „Porta clausa“, Darstellung des Messias von Frauenchiemsee
In der Antike stellt der ägyptische Tempel der Hatschepsut ein großartiges Beispiel der Ostorientierung dar. Er wurde gegenüber von Karnak um 1470 vor Christus erbaut. Hier erklärt sich die Ausrichtung nach Osten auch mit der aufgehenden Sonne, deren Strahlen bis ins Heiligtum (Sanktuar) dringen konnten.

Auch in der Tradition Israels hatte der Osten bereits eine hohe Bedeutung. So berichtet Ezechiel (8, 16) Folgendes: „… vor der Tür am Tempel des Herrn“ hätten „bei fünfund-zwanzig Männer […] gegen der Sonne Aufgang“ gebetet, und zwar „zwischen der Halle und dem Altar“ mit ihrem „Angesicht gegen Morgen gekehrt“.

Das Buch des Propheten Ezechiel – so ernst und hehr wie das von Jesaja – kündet aus der Sicht der Babylonischen Gefangenschaft auch die künftige messianische Zeit. In seiner Vision spielt das Heil aus dem Osten eine entscheidende Rolle. Im 44. Kapitel (1–4) heißt es:

„Und er führte mich wiederum zu dem äußern Tor des Heiligtums gegen Morgen; es war aber verschlossen. Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und soll niemand dadurchgehen; denn der Herr, der Gott Israels, ist dadurch eingegangen, darum soll es zugeschlossen bleiben. Doch den Fürsten ausgenommen; denn der Fürst soll daruntersitzen, das Brot zu essen vor dem Herrn. Durch die Halle des Tors soll er hineingehen und durch dieselbe wieder herausgehen. Darnach führte er mich zum Tor gegen Mitternacht vor das Haus. Und ich sah, und siehe, des Herrn Haus war voll der Herrlichkeit des Herrn; und ich fiel auf mein Angesicht.“

Der Fürst, der durch das Tempeltor im Osten eintreten soll, ist der Messias oder der Menschensohn. Dieser allein kann die Zeit der verschlossenen Pforte (porta clausa) – der heillosen Zeit des „ungehorsamen Hauses Israel“– beenden.


Die Vision der verschlossenen Pforte als romanisches Fresko

Ezechiels Vision der verschlossenen Pforte ist in außerordentlich eindrucksvoller Weise durch ein romanisches Fresko dargestellt worden. Dieses befindet sich oberhalb des gotischen Gewölbes an den Wänden des Marienmünsters Frauenchiemsee und kann als Kopie in der Torhalle betrachtet werden (siehe Abbildung).

Das frontal wiedergegebene Antlitz des Menschensohnes ist von Ernst und Strenge geprägt. Hinter ihm das gleichschenkelige Kreuz im Kreisnimbus. Die Augen der göttlichen Person scheinen das Gegenüber festzubannen und zu durchleuchten. Sein Blick, erfüllt von der Kraft und Majestät des Richters, gräbt sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein.


Das zukünftige Heil und die schlimme Zeit, die davorliegt

Das Beenden der Babylonischen Gefangenschaft, das Öffnen der verschlossenen Pforte, ist auch heute noch eine große Verheißung, denn auch in der Offenbarung des Johannes spielt ja Babylon und dessen Herrschaft eine große Rolle. In Kapitel 14, 8 wird der Fall „Babylons, der großen Stadt“ gekündet. Doch vorher sieht es ganz anders aus, denn niemand kann „kaufen oder verkaufen, […] er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tiers oder die Zahl seines Namens“ (Off. 13, 17).

So merkwürdig dieses Bild erscheinen mag, so erinnert diese Macht über das „Kaufen oder Verkaufen“ doch an das Gebaren der modernen Ratingagenturen, die derzeit die finanziellen Geschicke dieser Welt diktieren. Dieser Folter kann nur entrinnen, der nicht allein materielle Ziele verfolgt, sondern sich geistig-spirituell auszurichten beginnt und an der Pforte anklopft, deren Öffnung verheißen ist.

 


Der hohe Osten in Ägypten und Israel

Die „Porta clausa“, Darstellung des Messias von Frauenchiemsee
Die „Porta clausa“, Darstellung des Messias von Frauenchiemsee
In der Antike stellt der ägyptische Tempel der Hatschepsut ein großartiges Beispiel der Ostorientierung dar. Er wurde gegenüber von Karnak um 1470 vor Christus erbaut. Hier erklärt sich die Ausrichtung nach Osten auch mit der aufgehenden Sonne, deren Strahlen bis ins Heiligtum (Sanktuar) dringen konnten.

Auch in der Tradition Israels hatte der Osten bereits eine hohe Bedeutung. So berichtet Ezechiel (8, 16) Folgendes: „… vor der Tür am Tempel des Herrn“ hätten „bei fünfund-zwanzig Männer […] gegen der Sonne Aufgang“ gebetet, und zwar „zwischen der Halle und dem Altar“ mit ihrem „Angesicht gegen Morgen gekehrt“.

Das Buch des Propheten Ezechiel – so ernst und hehr wie das von Jesaja – kündet aus der Sicht der Babylonischen Gefangenschaft auch die künftige messianische Zeit. In seiner Vision spielt das Heil aus dem Osten eine entscheidende Rolle. Im 44. Kapitel (1–4) heißt es:

„Und er führte mich wiederum zu dem äußern Tor des Heiligtums gegen Morgen; es war aber verschlossen. Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und soll niemand dadurchgehen; denn der Herr, der Gott Israels, ist dadurch eingegangen, darum soll es zugeschlossen bleiben. Doch den Fürsten ausgenommen; denn der Fürst soll daruntersitzen, das Brot zu essen vor dem Herrn. Durch die Halle des Tors soll er hineingehen und durch dieselbe wieder herausgehen. Darnach führte er mich zum Tor gegen Mitternacht vor das Haus. Und ich sah, und siehe, des Herrn Haus war voll der Herrlichkeit des Herrn; und ich fiel auf mein Angesicht.“

Der Fürst, der durch das Tempeltor im Osten eintreten soll, ist der Messias oder der Menschensohn. Dieser allein kann die Zeit der verschlossenen Pforte (porta clausa) – der heillosen Zeit des „ungehorsamen Hauses Israel“– beenden.


Die Vision der verschlossenen Pforte als romanisches Fresko

Ezechiels Vision der verschlossenen Pforte ist in außerordentlich eindrucksvoller Weise durch ein romanisches Fresko dargestellt worden. Dieses befindet sich oberhalb des gotischen Gewölbes an den Wänden des Marienmünsters Frauenchiemsee und kann als Kopie in der Torhalle betrachtet werden (siehe Abbildung).

Das frontal wiedergegebene Antlitz des Menschensohnes ist von Ernst und Strenge geprägt. Hinter ihm das gleichschenkelige Kreuz im Kreisnimbus. Die Augen der göttlichen Person scheinen das Gegenüber festzubannen und zu durchleuchten. Sein Blick, erfüllt von der Kraft und Majestät des Richters, gräbt sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein.


Das zukünftige Heil und die schlimme Zeit, die davorliegt

Das Beenden der Babylonischen Gefangenschaft, das Öffnen der verschlossenen Pforte, ist auch heute noch eine große Verheißung, denn auch in der Offenbarung des Johannes spielt ja Babylon und dessen Herrschaft eine große Rolle. In Kapitel 14, 8 wird der Fall „Babylons, der großen Stadt“ gekündet. Doch vorher sieht es ganz anders aus, denn niemand kann „kaufen oder verkaufen, […] er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tiers oder die Zahl seines Namens“ (Off. 13, 17).

So merkwürdig dieses Bild erscheinen mag, so erinnert diese Macht über das „Kaufen oder Verkaufen“ doch an das Gebaren der modernen Ratingagenturen, die derzeit die finanziellen Geschicke dieser Welt diktieren. Dieser Folter kann nur entrinnen, der nicht allein materielle Ziele verfolgt, sondern sich geistig-spirituell auszurichten beginnt und an der Pforte anklopft, deren Öffnung verheißen ist.

 



Autor: Dr. Christian Baur
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