Der Heilige Gral
Das Geheimnis des Pfingstfestes und der Heilige Gral
Was bei der biblischen „Kraftausgießung“ geschah: Welchen Bezug hat das christliche Pfingstfest zum „Heiligen Gral“? Und was könnte das große Ereignis von damals für uns auch heute noch bedeuten?
Was geschah zu Pfingsten?
Die Antwort darauf findet man in der Apostelgeschichte des Lukas im Neuen Testament, wo unter Apg. 2 eine Zusammenkunft der Jünger Jesu in Jerusalem geschildert wird: "Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig beieinander.
Und es geschah schnelle ein Brausen vom Himmel, wie ein gewaltiger Wind, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen Zungen verteilet, als wären sie feurig. Und sie senkten sich auf einen jeglichen unter ihnen herab, und alle wurden voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen …"
In der Folge wird geschildert, wie die Jünger, erfüllt von der "Feuerkraft des Heiligen Geistes", in einer begeisternden Art und Weise von den "großen Taten Gottes" redeten, so daß sie selbst von Menschen mit anderer Muttersprache verstanden wurden. Vielen drangen die Worte der Jünger ins Herz, andere vermuteten in dem ungewöhnlichen, mitreißenden Verhalten der Männer vor- erst Trunkenheit. (Apg. 2,13)
Zweifellos geschah an jenem Pfingsttag in Jerusalem Großes, vor allem in geistiger Hinsicht. Wenn ein Herabsenken von Feuer- oder Flammenzungen auf die Jünger beschrieben wird – ein Bild übrigens, das auch in den Werken vieler Künstler in unterschiedlicher Form dargestellt wird -, dann hat diese Darstellung gewiß mehr als nur symbolischen Charakter: Die Flamme oder der Funke über den Häuptern stellt ein besonderes Licht dar, damit gleichzeitig auch eine außergewöhnliche Verbindung zum Licht bzw. eine erhöhte Erkenntnisfähigkeit. Wohl nicht von ungefähr beschreibt die Apostelgeschichte, die Jünger seien "voll des Heiligen Geistes" geworden.
In Anlehnung an dieses Ereignis entwickelte sich in der katholischen Kirche auch das "Sakrament der Firmung" (die evangelische Kirche hat die Firmung als nicht von Christus eingesetzt verworfen), das dem Firmling die "Fülle des Geistes zum Glaubenszeugnis" verleihen und dam it das vorangegangene "Sakrament der Taufe" weiter entfalten soll.
Doch die christlichen Kirchen gehen in der Interpretation des Ereignisses zu Jerusalem meist noch einen Schritt weiter. Im Hinblick darauf, daß Jesus das große Pfingsterleben seinen Jüngern angekündigt hatte (Apg. 1,8: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf Euch kommen wird"), bringt man das Herabsenken der "Feuerzungen des Heiligen Geistes" auf die Jünger auch mit einer anderen Prophezeiung Jesu in Verbindung.
Dieser kündigte ja gegen Ende seines Wirkens wiederholt das Kommen eines "Trösters" an (Joh. 16,7), den er nach seinem Heimgang senden wolle, und sprach dabei die bekannten, inhaltsschweren Worte: "Ich habe Euch noch viel zu sagen. Aber Ihr könntet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird Euch in alle Wahrheit leiten!" (Joh. 16,12-13)
Daraus wird nun abgeleitet, daß sich im Pfingsterlebnis der Jünger mit dem Kommen des "Geistes der Wahrheit ", also des "Heiligen Geistes", auch diese Prophezeiung Jesu erfüllt habe. Träfe eine solche Sichtweise zu, dann würde uns das Pfingstfest heute tatsächlich nur an ein herausragendes, einmaliges Ereignis erinnern, das nur für die Apostel Jesu und ihre Zeit Bedeutung hatte.
Zweifel tun sich auf
An dieser bis heute sehr verbreiteten Interpretation gibt es allerdings berechtigte Zweifel, denn die zeitliche Abfolge der Ereignisse will nicht so recht zusammenpassen. Zum einen wissen wir, daß das Pfingstfest in seiner heutigen Form und in der gängigen Auslegung der Ereignisse erst lange Zeit nach Jesu Erdentod christliches Brauchtum wurde. Vor allem aber gibt es zahlreiche Hinweise darauf, daß Jesus mit seinen bei Johannes erwähnten Wort en über den "Geist der Wahrheit" nicht das nahe Pfingsterlebnis der Jünger gemeint haben kann.
Am augenscheinlichsten wird das, wenn man im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther liest: "Unser Wissen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören!"
(1. Kor. 13,9-10) Diese Paulus-Worte, die der Apostel in sein glühendes Bekenntnis zur großen Macht der Liebe bettete, sind nicht nur ein gelungener Anklang an die Aussage Jesu, daß die Jünger noch nicht alle Wahrheit "tragen" (also erfassen) könnten, sie bezeugen noch mehr: Aus diesen Worten wird deutlich, daß die Jünger selbst ihr Pfingsterlebnis nicht für das Kommen des "Geistes der Wahrheit" hielten.
Der Korinther-Brief wurde ja von Paulus etwa 20 Jahre nach dem einschneidenden Ereignis zu Jerusalem geschrieben, und mit Sicherheit hätte gerade der wortgewaltige, selbstbewußte Paulus nicht von "stückwerkhaftem Wissen" gesprochen, wenn er und die anderen Apostel zu diesem Zeitpunkt sich schon "in alle Wahrheit geführt" gefühlt hätten. Dazu paßt, daß Jesus in seiner eigentlichen Ankündigung des Pfingsterlebnisses (Apg. 1,8) deutlich von der Kraft des Heiligen Geist es sprach, die über die Jünger kommen sollte, nicht aber von einem umfassenden Wissendwerden.
Wenn man darüber ein wenig nachdenkt, leuchtet das auch ein: Von hoher Kraft erfüllt zu sein, das mag zu Tatendrang führen und mancher hohen Inspiration den Weg ebnen, es vermag auch der Erkenntnisfähigkeit neue Tore zu öffnen, aber ein Zustand des "In-der-Kraft-Stehens" kann niemals jenen Lern- und Erlebnisprozeß ersetzen, der zum wahren Wissen führt.
Wäre das so einfach möglich, dann hätte Jesus gar nicht auf die Erde zu kommen brauchen, um die Menschen zu unterrichten: Ein Kraftstrahl des "Heiligen Geistes" hätte genügt, um jedermann blitzartig wissend zu machen und ihn so in einen gottgewollten Zustand zu versetzen. Nur … dagegen sprechen alle Gesetze dieser Schöpfung!
Viel naheliegender ist es also, daß wir es mit zwei verschiedenen Kündungen des Gottessohnes zu tun haben: Das eine Mal war von der Kraft des Heiligen Geistes die Rede, also von jenem besonderen Pfingstereignis, das kurz bevorstand, und das andere Mal kündigte Jesus das Kommen des "Geistes der Wahrheit" an, mit dem ein umfassendes Wissendwerden einhergehen sollte, ein Erkennen der Wahrheit, welche die Jünger (wie wohl alle Menschen zu ihrer Zeit) infolge ihres Entwicklungsstandes noch nicht fassen konnten.
Den Weg zum wahren Wissen kann allerdings nur das Erdensein eines "Weltenlehrers" bahnen, und man sollte daher Jesu Ankündigung des "Geistes der Wahrheit, der in alle Wahrheit leiten" werde, wohl mit der Prophezeiung des Menschensohnes in Zusammenhang bringen, der für die "Zeit des Gerichtes" ja mehrfach – schon im Alten Testament – angekündigt wurde.
Nicht umsonst sagte Jesus in diesem Zusammenhang über den "Geist der Wahrheit": "Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um der Sünde und um der Gerechtigkeit willen! Und wird bringen das Gericht ." (Joh. 16,8)
Kurzum: Wir können davon ausgehen, daß diese zweite Ankündigung Jesu sich nicht auf das bevorstehende Pfingsterlebnis seiner Jünger bezog, sondern eben einem anderen, in fernerer Zukunft liegenden Ereignis galt. Dem religiösen Gedenken an das große Pfingstereignis zu Jerusalem tut das freilich keinen Abbruch.
Allerdings ändert sich mit dieser Betrachtungsweise ein wichtiger Blickwinkel: In den christlichen Kirchen gibt es nämlich die verbreitete Auffassung, daß nur das, was die Apostel von Christus selber oder eben durch die Flammenzungen des "Heiligen Geistes" empfangen konnten, als wirklich göttliche Offenbarung anzuerkennen sei.
Nicht zuletzt auf diese Annahme gründet sich ja auch der besondere Stellenwert des Pfingstfestes. Wenn es dabei nun aber gar nicht um ein Wissendwerden bzw. um eine Offenbarung ging, sondern um einen besonderen Kraftstrom: Was erlebten die Jünger dann wirklich an jenem Tag in Jerusalem ? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Pfingstfest?
Die Suche nach dem Gral
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Bedeutung des "Heiligen Grales" für die Schöpfung.
Aber – und damit nähern wir uns einer jahrhundertealten Frage – was ist der Gral überhaupt? In den vielfältigen Forschungen, die es seit Generationen zum Thema Gral gibt, wurden immer wieder auch Bezüge zum Wirken Jesu dargestellt: Man spricht davon, daß der "Gral" die Schale des Abendmahles gewesen und daß darin das Kreuzesblut des Gottessohnes aufgefangen worden sei.
Auch vermuten "Gralssucher", daß diesem Kelch durch seinen besonderen Bezug zum Leben Jesu eine übernatürliche Kraft innewohnen müsse, die segenspendende und weltheilende Wirkung habe. Eine unüberschaubare Zahl an Werken der Kunst in Musik und Literatur zeugt von solchen Gedanken, und die "Gralsmystik" übt zum Ende des zweiten Jahrtausends eine Faszination aus wie selten zuvor.
Ein geschichtlich nachweisbarer historischer Bezug, der belegen würde, daß die gesamte "Gralstradition" tatsächlich im Leben Jesu ihren Ausgangspunkt hat, liegt indessen nicht vor. Viel eher läßt sich als ein dichterischer Ursprung der Gralslegenden etwa der Sagenkreis um König Artus (ca. 500 n. Chr.) ausmachen, wo die Suche nach einem "Kessel der Unsterblichkeit" Vorbild für die spätere "Gralssuche" gewesen sein dürfte. Jedoch: Auf die Geschichtsforschung allein sollte es uns hier nicht ankommen.
Denn wenn es auch keine nachweisbaren Bezüge zwischen dem Begriff des "Heiligen Grales" und dem Christentum gibt (selbst bei den mittelalterlichen Katharern ist dieser Bezug nicht eindeutig, wenn aber trotzdem seit Jahrhunderten mit größter Begeisterung versucht wird, eine solche Verbindung zu knüpfen: Ist da nicht die Annahme naheliegend, daß vielfach Zusammenhänge empfunden werden, die in geistigem Sinne bestehen, die aber eben irdisch schwer zu fassen sind?
Lassen wir also einmal im Sinne der gesuchten Zusammenhänge alle Bemühungen außer Betracht, die den "Gral" in irgendwelchen materiellen Kelchen, Gefäßen, Steinen usw. finden bzw. gefunden haben wollen, und befassen wir uns im Hinblick auf das Pfingsterlebnis der Jünger Jesu mit der Frage nach der geistigen Bedeutung des Heiligen Grales.
Versuchen wir dazu vorerst einmal, dieses große Erleben nachzuempfinden, und stellen wir uns vor: Innerlich immer noch aufgewühlt durch den unerwartet frühen Heimgang ihres Herrn, gestärkt und voller Zuversicht durch das Erscheinen Jesu nach seinem Kreuzestod und mit dem großen Auftrag im Herzen, hinauszugehen in alle Welt und die Frohbotschaft zu verkünden, waren die Jünger zur Pfingstzeit in besonderer Weise geistigem Geschehen gegenüber geöffnet.
Die Kraft des "Heiligen Geistes", die sie traf und die eine lodernde Begeisterung in ihnen entfachte, fand in den Seelen der Getreuen Jesu einen bestens bereiteten Boden und beflügelte sie dazu, hinauszutreten und von der Allmacht Gottes zu sprechen – in einer Weise, daß alle davon angesprochen wurden, selbst jene, in deren Herz das Wort Christi bisher noch nicht eingedrungen war …
Sinngemäß etwa so könnte man das zentrale Pfingstgeschehen in unserer heutigen Sprache beschreiben. Aus der Schilderung, wie sie durch die Bibel überliefert ist, geht aber nicht hervor, daß die besondere Kraft nur den Jüngern zur Verfügung stand – und ebensowenig, daß sie ihnen durch ein besonderes, nur dieses eine Mal vorkommendes Ereignis (was man als willkürlich verstehen könnte) geschenkt wurde!
Und dieser Gedanke führt uns zu einer entscheidenden Frage: War das Pfingsterlebnis – wie es oft interpretiert wird – tatsächlich ein "Wunder"? Hat der Schöpfer in besonderer Weise ins Weltgeschehen eingegriffen, um einigen wenigen Menschen ein herausragendes Erleben zu ermöglichen? Oder aber gibt es eine andere, begreifbarere Erklärung für das Geschehen zu Jerusalem? ...
Was geschah zu Pfingsten?
Die Antwort darauf findet man in der Apostelgeschichte des Lukas im Neuen Testament, wo unter Apg. 2 eine Zusammenkunft der Jünger Jesu in Jerusalem geschildert wird: "Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig beieinander.
Und es geschah schnelle ein Brausen vom Himmel, wie ein gewaltiger Wind, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen Zungen verteilet, als wären sie feurig. Und sie senkten sich auf einen jeglichen unter ihnen herab, und alle wurden voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen …"
In der Folge wird geschildert, wie die Jünger, erfüllt von der "Feuerkraft des Heiligen Geistes", in einer begeisternden Art und Weise von den "großen Taten Gottes" redeten, so daß sie selbst von Menschen mit anderer Muttersprache verstanden wurden. Vielen drangen die Worte der Jünger ins Herz, andere vermuteten in dem ungewöhnlichen, mitreißenden Verhalten der Männer vor- erst Trunkenheit. (Apg. 2,13)
Zweifellos geschah an jenem Pfingsttag in Jerusalem Großes, vor allem in geistiger Hinsicht. Wenn ein Herabsenken von Feuer- oder Flammenzungen auf die Jünger beschrieben wird – ein Bild übrigens, das auch in den Werken vieler Künstler in unterschiedlicher Form dargestellt wird -, dann hat diese Darstellung gewiß mehr als nur symbolischen Charakter: Die Flamme oder der Funke über den Häuptern stellt ein besonderes Licht dar, damit gleichzeitig auch eine außergewöhnliche Verbindung zum Licht bzw. eine erhöhte Erkenntnisfähigkeit. Wohl nicht von ungefähr beschreibt die Apostelgeschichte, die Jünger seien "voll des Heiligen Geistes" geworden.
In Anlehnung an dieses Ereignis entwickelte sich in der katholischen Kirche auch das "Sakrament der Firmung" (die evangelische Kirche hat die Firmung als nicht von Christus eingesetzt verworfen), das dem Firmling die "Fülle des Geistes zum Glaubenszeugnis" verleihen und dam it das vorangegangene "Sakrament der Taufe" weiter entfalten soll.
Doch die christlichen Kirchen gehen in der Interpretation des Ereignisses zu Jerusalem meist noch einen Schritt weiter. Im Hinblick darauf, daß Jesus das große Pfingsterleben seinen Jüngern angekündigt hatte (Apg. 1,8: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf Euch kommen wird"), bringt man das Herabsenken der "Feuerzungen des Heiligen Geistes" auf die Jünger auch mit einer anderen Prophezeiung Jesu in Verbindung.
Dieser kündigte ja gegen Ende seines Wirkens wiederholt das Kommen eines "Trösters" an (Joh. 16,7), den er nach seinem Heimgang senden wolle, und sprach dabei die bekannten, inhaltsschweren Worte: "Ich habe Euch noch viel zu sagen. Aber Ihr könntet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird Euch in alle Wahrheit leiten!" (Joh. 16,12-13)
Daraus wird nun abgeleitet, daß sich im Pfingsterlebnis der Jünger mit dem Kommen des "Geistes der Wahrheit ", also des "Heiligen Geistes", auch diese Prophezeiung Jesu erfüllt habe. Träfe eine solche Sichtweise zu, dann würde uns das Pfingstfest heute tatsächlich nur an ein herausragendes, einmaliges Ereignis erinnern, das nur für die Apostel Jesu und ihre Zeit Bedeutung hatte.
Zweifel tun sich auf
An dieser bis heute sehr verbreiteten Interpretation gibt es allerdings berechtigte Zweifel, denn die zeitliche Abfolge der Ereignisse will nicht so recht zusammenpassen. Zum einen wissen wir, daß das Pfingstfest in seiner heutigen Form und in der gängigen Auslegung der Ereignisse erst lange Zeit nach Jesu Erdentod christliches Brauchtum wurde. Vor allem aber gibt es zahlreiche Hinweise darauf, daß Jesus mit seinen bei Johannes erwähnten Wort en über den "Geist der Wahrheit" nicht das nahe Pfingsterlebnis der Jünger gemeint haben kann.
Am augenscheinlichsten wird das, wenn man im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther liest: "Unser Wissen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören!"
(1. Kor. 13,9-10) Diese Paulus-Worte, die der Apostel in sein glühendes Bekenntnis zur großen Macht der Liebe bettete, sind nicht nur ein gelungener Anklang an die Aussage Jesu, daß die Jünger noch nicht alle Wahrheit "tragen" (also erfassen) könnten, sie bezeugen noch mehr: Aus diesen Worten wird deutlich, daß die Jünger selbst ihr Pfingsterlebnis nicht für das Kommen des "Geistes der Wahrheit" hielten.
Der Korinther-Brief wurde ja von Paulus etwa 20 Jahre nach dem einschneidenden Ereignis zu Jerusalem geschrieben, und mit Sicherheit hätte gerade der wortgewaltige, selbstbewußte Paulus nicht von "stückwerkhaftem Wissen" gesprochen, wenn er und die anderen Apostel zu diesem Zeitpunkt sich schon "in alle Wahrheit geführt" gefühlt hätten. Dazu paßt, daß Jesus in seiner eigentlichen Ankündigung des Pfingsterlebnisses (Apg. 1,8) deutlich von der Kraft des Heiligen Geist es sprach, die über die Jünger kommen sollte, nicht aber von einem umfassenden Wissendwerden.
Wenn man darüber ein wenig nachdenkt, leuchtet das auch ein: Von hoher Kraft erfüllt zu sein, das mag zu Tatendrang führen und mancher hohen Inspiration den Weg ebnen, es vermag auch der Erkenntnisfähigkeit neue Tore zu öffnen, aber ein Zustand des "In-der-Kraft-Stehens" kann niemals jenen Lern- und Erlebnisprozeß ersetzen, der zum wahren Wissen führt.
Wäre das so einfach möglich, dann hätte Jesus gar nicht auf die Erde zu kommen brauchen, um die Menschen zu unterrichten: Ein Kraftstrahl des "Heiligen Geistes" hätte genügt, um jedermann blitzartig wissend zu machen und ihn so in einen gottgewollten Zustand zu versetzen. Nur … dagegen sprechen alle Gesetze dieser Schöpfung!
Viel naheliegender ist es also, daß wir es mit zwei verschiedenen Kündungen des Gottessohnes zu tun haben: Das eine Mal war von der Kraft des Heiligen Geistes die Rede, also von jenem besonderen Pfingstereignis, das kurz bevorstand, und das andere Mal kündigte Jesus das Kommen des "Geistes der Wahrheit" an, mit dem ein umfassendes Wissendwerden einhergehen sollte, ein Erkennen der Wahrheit, welche die Jünger (wie wohl alle Menschen zu ihrer Zeit) infolge ihres Entwicklungsstandes noch nicht fassen konnten.
Den Weg zum wahren Wissen kann allerdings nur das Erdensein eines "Weltenlehrers" bahnen, und man sollte daher Jesu Ankündigung des "Geistes der Wahrheit, der in alle Wahrheit leiten" werde, wohl mit der Prophezeiung des Menschensohnes in Zusammenhang bringen, der für die "Zeit des Gerichtes" ja mehrfach – schon im Alten Testament – angekündigt wurde.
Nicht umsonst sagte Jesus in diesem Zusammenhang über den "Geist der Wahrheit": "Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um der Sünde und um der Gerechtigkeit willen! Und wird bringen das Gericht ." (Joh. 16,8)
Kurzum: Wir können davon ausgehen, daß diese zweite Ankündigung Jesu sich nicht auf das bevorstehende Pfingsterlebnis seiner Jünger bezog, sondern eben einem anderen, in fernerer Zukunft liegenden Ereignis galt. Dem religiösen Gedenken an das große Pfingstereignis zu Jerusalem tut das freilich keinen Abbruch.
Allerdings ändert sich mit dieser Betrachtungsweise ein wichtiger Blickwinkel: In den christlichen Kirchen gibt es nämlich die verbreitete Auffassung, daß nur das, was die Apostel von Christus selber oder eben durch die Flammenzungen des "Heiligen Geistes" empfangen konnten, als wirklich göttliche Offenbarung anzuerkennen sei.
Nicht zuletzt auf diese Annahme gründet sich ja auch der besondere Stellenwert des Pfingstfestes. Wenn es dabei nun aber gar nicht um ein Wissendwerden bzw. um eine Offenbarung ging, sondern um einen besonderen Kraftstrom: Was erlebten die Jünger dann wirklich an jenem Tag in Jerusalem ? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Pfingstfest?
Die Suche nach dem Gral
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Bedeutung des "Heiligen Grales" für die Schöpfung.
Aber – und damit nähern wir uns einer jahrhundertealten Frage – was ist der Gral überhaupt? In den vielfältigen Forschungen, die es seit Generationen zum Thema Gral gibt, wurden immer wieder auch Bezüge zum Wirken Jesu dargestellt: Man spricht davon, daß der "Gral" die Schale des Abendmahles gewesen und daß darin das Kreuzesblut des Gottessohnes aufgefangen worden sei.
Auch vermuten "Gralssucher", daß diesem Kelch durch seinen besonderen Bezug zum Leben Jesu eine übernatürliche Kraft innewohnen müsse, die segenspendende und weltheilende Wirkung habe. Eine unüberschaubare Zahl an Werken der Kunst in Musik und Literatur zeugt von solchen Gedanken, und die "Gralsmystik" übt zum Ende des zweiten Jahrtausends eine Faszination aus wie selten zuvor.
Ein geschichtlich nachweisbarer historischer Bezug, der belegen würde, daß die gesamte "Gralstradition" tatsächlich im Leben Jesu ihren Ausgangspunkt hat, liegt indessen nicht vor. Viel eher läßt sich als ein dichterischer Ursprung der Gralslegenden etwa der Sagenkreis um König Artus (ca. 500 n. Chr.) ausmachen, wo die Suche nach einem "Kessel der Unsterblichkeit" Vorbild für die spätere "Gralssuche" gewesen sein dürfte. Jedoch: Auf die Geschichtsforschung allein sollte es uns hier nicht ankommen.
Denn wenn es auch keine nachweisbaren Bezüge zwischen dem Begriff des "Heiligen Grales" und dem Christentum gibt (selbst bei den mittelalterlichen Katharern ist dieser Bezug nicht eindeutig, wenn aber trotzdem seit Jahrhunderten mit größter Begeisterung versucht wird, eine solche Verbindung zu knüpfen: Ist da nicht die Annahme naheliegend, daß vielfach Zusammenhänge empfunden werden, die in geistigem Sinne bestehen, die aber eben irdisch schwer zu fassen sind?
Lassen wir also einmal im Sinne der gesuchten Zusammenhänge alle Bemühungen außer Betracht, die den "Gral" in irgendwelchen materiellen Kelchen, Gefäßen, Steinen usw. finden bzw. gefunden haben wollen, und befassen wir uns im Hinblick auf das Pfingsterlebnis der Jünger Jesu mit der Frage nach der geistigen Bedeutung des Heiligen Grales.
Versuchen wir dazu vorerst einmal, dieses große Erleben nachzuempfinden, und stellen wir uns vor: Innerlich immer noch aufgewühlt durch den unerwartet frühen Heimgang ihres Herrn, gestärkt und voller Zuversicht durch das Erscheinen Jesu nach seinem Kreuzestod und mit dem großen Auftrag im Herzen, hinauszugehen in alle Welt und die Frohbotschaft zu verkünden, waren die Jünger zur Pfingstzeit in besonderer Weise geistigem Geschehen gegenüber geöffnet.
Die Kraft des "Heiligen Geistes", die sie traf und die eine lodernde Begeisterung in ihnen entfachte, fand in den Seelen der Getreuen Jesu einen bestens bereiteten Boden und beflügelte sie dazu, hinauszutreten und von der Allmacht Gottes zu sprechen – in einer Weise, daß alle davon angesprochen wurden, selbst jene, in deren Herz das Wort Christi bisher noch nicht eingedrungen war …
Sinngemäß etwa so könnte man das zentrale Pfingstgeschehen in unserer heutigen Sprache beschreiben. Aus der Schilderung, wie sie durch die Bibel überliefert ist, geht aber nicht hervor, daß die besondere Kraft nur den Jüngern zur Verfügung stand – und ebensowenig, daß sie ihnen durch ein besonderes, nur dieses eine Mal vorkommendes Ereignis (was man als willkürlich verstehen könnte) geschenkt wurde!
Und dieser Gedanke führt uns zu einer entscheidenden Frage: War das Pfingsterlebnis – wie es oft interpretiert wird – tatsächlich ein "Wunder"? Hat der Schöpfer in besonderer Weise ins Weltgeschehen eingegriffen, um einigen wenigen Menschen ein herausragendes Erleben zu ermöglichen? Oder aber gibt es eine andere, begreifbarere Erklärung für das Geschehen zu Jerusalem? ...
Willkür oder Gesetzmäßigkeit?
Die Frage ist deshalb entscheidend, weil sie an die Grundfesten unseres Gottesbildes rührt. Wollen wir an einen Gott glauben, der in unser Geschick eingreift, dem durch seine "Allmacht" alles möglich ist und der willkürlich auch die Naturgesetze außer Kraft setzen kann? Kein Zweifel: So stellen sich noch heute viele Gläubige ihren Schöpfer vor, man braucht sich dazu nur bewußtzumachen, wie gebetet wird.
Tatsache ist aber, daß ein Schöpfer, der von sich aus willkürlich wundertuend in sein Werk einzugreifen nötig hat, weder groß noch vollkommen zu nennen wäre. Entscheiden wir uns also für ein wesentlich erhabeneres Gottesbild, das aus dem Wirken der Schöpfungsgesetze erkennbar wird!
Wenn man davon ausgeht, daß unveränderliche Gesetze die Schöpfung regieren – wenigstens in diesem Punkt sind sich Naturwissenschaft und Religion ja einig – und man bei konsequentem Weiterdenken zuletzt den Schöpfer als den Urheber dieser Gesetze erkennt, wenn man also die Begriffe "Wille Gottes" und "Naturgesetz" als ein und dasselbe ansieht, dann kann es überhaupt keine göttlichen Willkürakte, gesonderten Eingriffe, kein Außerkraftsetzen der Gesetze oder ähnliches geben. Denn wie könnte Gott etwas gegen seinen Willen … wollen?
Vor diesem Hintergrund müssen wir doch davon ausgehen, daß auch die Kraftausgießung zu Pfingsten ein gesetzmäßiges Ereignis war. Aber worum ging es dabei? Hier hilft uns nun ein Blick auf den Inhalt der wichtigsten Gralssagen weiter: Ein zentrales Geschehen darin ist die regelmäßig vollzogene Enthüllung des Grales, mit der eine Kraftausgießung oder leben- spendende "Speisung" einhergeht.
Zeigt dieses Bild den gesuchten Zusammenhang auf? Wäre es möglich, daß in den Dichtungen und Legen- den ein Ereignis wiedergegeben ist, das sich in höhergeistigen Ebenen wirklich vollzieht? An sich gehört es ja zum Wesen der dichterischen Inspiration, daß etwas Nicht-Irdisches empfangen und im folgenden zu einem Werk verdichtet wird, und man sollte jenen Weg zu Wahrheit und Erkenntnis, der über die Kunst führt, grundsätzlich für wichtig erachten.
Wäre es also denkbar, daß die Jünger Jesu durch ihre besondere seelische Situation in vertiefter Form an einem geistigen Geschehen teilhaben konnten, das die ganze Welt betraf? War es eine kraftspendende "Enthüllung des Grales", die sie miterlebten?
In Richard Wagners Opernwerk "Lohengrin" ist der Gral als "himmlischer Kelch" dargestellt, und in der berühmten "Gralserzählung" (siehe Beitrag "Die Gralsritter des Richard Wagner") wird die Enthüllung des Grales als großes, alljährliches Geschehen dargestellt, das vom Erscheinen der Taube – das ist die sichtbare Form des "Heiligen Geistes" – begleitet wird.
Das christliche Pfingstfest steht – dies verdeutlichen viele bildhafte Darstellungen des Ereignisses – ebenfalls mit der "Heiligen Taube" in engster Verbindung. Läßt das den Gedanken zu, daß jene als Pfingstgeschehen bekannte Kraftausgießung ein regelmäßig sich vollziehendes Geschehen war bzw. ist? Welche Rolle aber spielt der "Heilige Gral" dann überhaupt in der Schöpfung? In welchem Zusammenhang steht er mit dem "Heiligen Geist"?
Enthüllung des Grales
Wirkliche Aufklärung über geistige Geschehen und Antwort auf derartige Fragen wird man auf wissenschaftlichem Weg nicht erreichen können, und man tut gut daran, in solchen Bereichen der Offenbarung als Wissensquelle den Vorrang zu geben.
Folgerichtigkeit und Logik in den Gedankengängen kann und soll man als Maßstab zur Bewertung der Gültigkeit einer Offenbarung ja durchaus beibehalten.
In der "Gralsbotschaft" von Abd-ru-shin wurde erstmals eine umfassende Darstellung des Heiligen Grales gegeben und dabei auch der Bezug der Sagen und Legenden zum Christentum erhellt.
In diesem Werk heißt es: "Die bestehenden Deutungen sind nicht ohne großen ethischen Wert, aber sie können keinen Anspruch darauf machen, eine Erklärung der Dichtungen zu sein, noch viel weniger der Wahrheit des Heiligen Grales nahezukommen. Auch ist unter dem Heiligen Gral nicht das Gefäß gemeint, das der Gottessohn am Ende seiner irdischen Mission bei dem letzten Mahle mit seinen Jüngern benützte, worin dann sein Blut am Kreuze aufgefangen wurde.
Dieses Gefäß ist eine heilige Erinnerung an das hohe Erlöserwerk des Gottessohnes, aber es ist nicht der Heilige Gral, den zu besingen die Dichter der Legenden begnadet wurden. Diese Dichtungen sind von der Menschheit falsch aufgefaßt worden."
In der Folge beschreibt Abd-ru-shin die den Heiligen Gral bergende "Gralsburg" als den "einzigen Verbindungspunkt der Schöpfung mit dem Schöpfer". Der Heilige Gral ist "Ausgangspunkt göttlicher Kraft" und "Symbol seiner reinsten göttlichen Liebe". Und weiter heißt es: "Von Zeit zu Zeit erscheint nun an dem Tag der Heiligen Taube die Taube über dem Gefäß als erneutes Zeichen der unwandelbaren göttlichen Liebe des Vaters.
Es ist die Stunde der Verbindung, die Krafterneuerung bringt. Die Hüter des Grales empfangen sie in demutvoller Andacht und vermögen dann diese erhaltene Wunderkraft weiterzugeben. Daran hängt das Bestehen der ganzen Schöpfung!
Es ist der Augenblick, in dem im Tempel des Heiligen Grales des Schöpfers Liebe strahlend sich ergießt zu neuem Sein, zu neuem Schaffensdrange, der pulsschlagartig abwärts durch das ganze Weltall sich verteilt. Ein Beben geht dabei durch alle Sphären, ein heiliges Erschauern ahnungsvoller Freude, großen Glückes. Nur der Geist der Erdenmenschen steht noch abseits, ohne zu empfinden, was gerade ihm dabei geschieht , welch unermeßliches Geschenk er stumpfsinnig entgegennimmt, weil seine Selbsteinengung im Verstande das Erfassen einer derartigen Größe nicht mehr zuläßt.
Es ist der Augenblick der Lebenszufuhr für die ganze Schöpfung!
Die stete, notwendige Wiederkehr einer Bestätigung des Bundes, den der Schöpfer seinem Werke gegenüberhält. Würde diese Zufuhr einmal abgeschnitten, bliebe sie aus, so müßte alles Seiende langsam vertrocknen, altern und zerfallen. Es käme dann das Ende aller Tage, und nur Gott selbst verblieb, wie es im Anfang war! Weil Er allein das Leben ist.
Dieser Vorgang ist in der Legende wiedergegeben. Es ist sogar angedeutet, wie alles altern und vergehen muß, wenn der Tag der Heiligen Taube, die ,Enthüllung' des Grales, nicht wiederkehrt, in dem Altwerden der Gralsritter, während der Zeit, in der Amfortas den Gral nicht mehr enthüllt, bis zu der Stunde, in der Parzival als Gralskönig auftritt.
Der Mensch sollte davon abkommen, den Heiligen Gral nur als etwas Unfaßbares zu betrachten; denn er besteht wirklich! Es ist aber dem Menschengeiste durch dessen Beschaffenheit versagt, ihn jemals erschauen zu können. Den Segen jedoch, der von ihm ausströmt und der von den Hütern des Grales weitergegeben werden kann und auch weitergegeben wird, können die Menschengeister empfangen und genießen, wenn sie sich dafür öffnen."
Ausgießung des Heiligen Geistes
Der Zusammenhang dieses Geschehens mit der sogenannten "Ausgießung des Heiligen Geistes" zu Pfingsten wird in der "Gralsbotschaft" ebenfalls erläutert.
Im Hinblick auf die (regelmäßig sich wiederholende) Krafterneuerung für die Schöpfung heißt es darin: "Es ist der Augenblick, in dem in den Heiligen Gral neue göttliche Kraft strömt zur Erhaltung der Schöpfung!
Damit erscheint für Augenblicke über dem Grale die ,Heilige Taube', welche die geistig sichtbare Form der Gegenwart des Heiligen Geistes ist, die zu der ,Form' des Heiligen Geistes unmittelbar gehört, also einen Teil seiner ,Form' bildet.
Wie das Kreuz die geistig sichtbare Form der göttlichen Wahrheit ist, so ist die ,Taube' die sichtbare Form des Heiligen Geist es. Sie ist die Form tatsächlich, wird nicht nur als Form gedacht!
Diese Krafterneuerung durch den Heiligen Geist, also den lebendigen Gotteswillen, der die Kraft ist, erfolgt jedes Jahr zu einer ganz bestimmten Zeit (…)
Die Erneuerung kann auch mit Kraftausgießung bezeichnet werden, also Ausgießung des Heiligen Geistes, oder noch deutlicher, Kraftausgießung durch den Heiligen Geist; denn der Heilige Geist wird nicht etwa ausgegossen, sondern er gießt Kraft aus!
Da nun die Jünger an diesem Tage versammelt waren im Gedenken an ihren aufgestiegenen Herrn, welcher versprochen hatte, den Geist zu senden, also die lebendige Kraft, so war in diesem Gedenken ein Ankergrund dazu gegeben, bei dem zu dieser Zeit im Urgeistigen erfolgenden Vorgange in gewissem und entsprechendem Grade unmittelbar bis auf die in Andacht darauf eingestellten versammelten Jünger auf Erden herabzuwirken! Namentlich da der Weg zu diesen Jüngern durch das Erdensein des Gottessohnes ermöglicht und geebnet war.
Und aus diesem Grunde geschah das Wunderbare, sonst auf Erden nicht möglich Gewesene, dessen Erleben in der Bibel wiedergegeben ist. Das Erleben konnten die Evangelisten schildern, nicht aber den eigentlichen Vorgang, den sie selbst nicht kannten.
Das Pfingstfest nun gilt den Christen als Erinnerung an diesen Vorgang, ohne daß sie eine Ahnung davon haben, daß tatsächlich in dieser ungefähren Zeit jedesmal der Tag der Heiligen Taube in der Gralsburg ist, das heißt, der Tag der Krafterneuerung für die Schöpfung durch den Heiligen Geist! Natürlich nicht immer genau an dem auf Erden dafür errechneten Pfingstfeiertage, wohl aber zu dessen ungefährer Zeit."
Mit diesen Darlegungen hat das Geheimnis des Pfingstfestes alles Unerklärliche verloren, und für die Annahme eines Willküraktes Gottes gibt es auch hier keinen Grund.
Aber mehr noch: Aus der Schilderung der Bedeutung des Heiligen Grales wird eine Schöpfungs-Grundstruktur offenbar, die man – nach dem Prinzip "wie oben, so unten" – folgerichtig in jedem natürlichen Geschehen wiederfindet: Denn so, wie die gesamte Schöpfung von Gott abhängig und an "höchster Stelle" durch die Gralsburg mit dem Göttlichen verbunden ist, so ist auch innerhalb der Schöpfung jede "untere", also dichtere, stofflichere Ebene abhängig von der darüberliegenden, feinerstofflichen. Taten zum Beispiel können nur gesetzt werden, wenn ihnen Gedanken vorangehen.
Zudem finden wir überall einen markanten Punkt, an dem die untere, dichtere Ebene der höheren, feineren am nächsten ist: Es ist das Gehirn, das die feinstofflichen Gedanken zu grobstofflichen Taten formt, es ist das Herz, das den Köperkreislauf des Blutes mit dessen Lungenkreislauf verbindet, es ist – um auch ein Beispiel aus der Technik zu nennen – der Transformator, der eine höhere Spannung in eine niedrigere umsetzt.
Selbst in Bereichen, in denen der Mensch glaubt, daß er sein eigenes Tun nicht dem Wirken der Natur abzulauschen braucht, etwa im gesellschaftlichen Bereich, zeigt sich da und dort das Grundprinzip der Kraftübertragung. Zum Beispiel ist im hierarchischen Aufbau einer Organisation die untere Entscheidungsebene von der höheren abhängig, wenn es darum geht, Aufgaben zu lösen.
Der jeweils an der Spitze einer Berichtsebene stehende Leiter hat zu bestimmten, regelmäßigen Zeiten, etwa bei Konferenzen, Kontakt mit der nächsthöheren Ebene, bekommt von dort regelmäßig seine Aufträge, Weisungen und Befugnisse; empfängt in übertragenem Sinne also "Kraft", die dem weiteren Wirken in seinem eigenen Bereich dient.
All diese gleichnishaften Bilder verdeutlichen das Schöpfungsprinzip der hierarchischen Kraftübertragung, das im Heiligen Gral seinen Ausgangspunkt hat.
Vielleicht könnte uns das Pfingstfest künftig also nicht nur an ein besonderes Ereignis zu Jerusalem erinnern (bei dem die Versammlung der Jünger genau mit dem "Tag der Heiligen Taube" zusammentraf), sondern auch an die alles erhaltende Kraft des Schöpfers gemahnen, von der wir in jeder Sekunde unseres Seins ja vollkommen abhängig sind. Denn im Bewußtsein, daß uns der Schöpfer seine allumfassende Kraft stets aufs neue schenkt, sollte Pfingsten, das "Fest der Heiligen Taube", eigentlich als oberster und heiligster Feiertag gelten.
Autor: Werner Huemer
