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Seelenkrise

Wege aus der Angst

Angst ist eine Erscheinung, die sich aus unserem heutigen Leben kaum mehr wegdenken läßt. Jeder von uns hat irgendwann in seinem Leben einmal Angst gehabt. Angst ist zunächst eine natürliche Reaktion auf etwas, was uns bedroht. In diesem Sinne übt Angst für uns eine Lebens-, manchmal sogar eine Überlebensfunktion aus. Darüber hinaus gibt es jedoch auch eine Angst, die das natürliche Maß übersteigt, die das Leben eines Menschen beherrschen kann.

Die natürliche Angst ist die Reaktion auf eine real erlebte Gefahr. Aber nicht umsonst heißt es, daß jede Gefahr auch eine rettende Kraft freisetzt und alle unsere Fähigkeiten auf das höchste mobilisiert, um der Gefahr zu begegnen.

Angst kann jedoch auch das natürliche Maß übersteigen und so stark werden, daß sie beginnt, die Gedanken und die Handlungsweisen eines Menschen zu beherrschen. Sie scheint dann oft überhaupt keinen realen Grund zu haben, ist in bezug auf das Erlebte überzogen und für die Umwelt nicht nachvollziehbar. Der Betreffende fühlt sich gefangen durch seine Angst, sein Leben erscheint ihm nicht mehr lebenswert. -

Vorausgeschickt sei: Ich möchte allen Mut machen, die unter Ängsten leiden. Es ist niemand seiner Angst über einen längeren Zeitraum hinweg bedingungslos ausgeliefert, es gibt für jeden Menschen die Möglichkeit, der Angst zu begegnen und sich von ihr zu befreien, sofern er die innere Bereitschaft aufbringt, an sich zu arbeiten. Jeder trägt die Fähigkeit in sich, der Angst etwas entgegenzusetzen!

Ängste der verschiedensten Ausprägungen greifen in zunehmendem Maße um sich – und es drängt sich die Frage auf: Womit hängt das zusammen? Ist Angst ein Zeichen unserer Zeit? Die Auswirkung der Art und Weise, wie wir leben? Täglich, ja, stündlich werden wir über die Medien mit einer Fülle von Schreckensbotschaften überschüttet: Katastrophen, Kriege, Gewalt.

Doch auch persönlichen Schicksalsschlägen können wir uns nicht entziehen, Unglück und Leid nehmen auch in unserer unmittelbaren Umgebung zu. In krassem Gegensatz dazu wird uns über den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt vorgegaukelt, daß wir uns in Sicherheit wiegen können und daß alles machbar ist.

Zu gerne würden wir es glauben, doch im Innersten gibt es eine Stimme, die sehr wohl weiß, daß das nicht so ist. Ein Schicksalsschlag, jede Naturkatastrophe zeigt, daß das irdische Leben nicht sicher ist, daß wir nicht alles in der Hand haben, oft sogar hilflos ausgeliefert sind.

Aber noch eine andere Ursache für die Zunahme von Angsterkrankungen ist bemerkenswert. Es gibt Studien darüber, daß Angstneurosen in Zeiten des äußeren Wohlstandes stark zunehmen, während sie in Notsituationen so gut wie überhaupt nicht auftreten. In einer Zeit, in der nahezu alle materiellen Wünsche erfüllbar sind, kreist das Denken und Fühlen des einzelnen fast nur noch um sich selbst.

Das Leben hat keine Bezüge mehr, es wird dadurch leer, es hat keinen Inhalt und keine Werte, es wird sinnlos und oberflächlich. Viele sind kaum mehr in der Lage, Verzicht zu leisten, Bedürfnisbefriedigung wird zur obersten Maxime. Die überzogenen Sorgen um das eigene Wohlbefinden bilden den Boden für Angst.

Elisabeth Lukas, die Leiterin des Süddeutschen Instituts für Logotherapie, sagt: „Nur wer einzig das angenehme Leben liebt, der muß das Leben fürchten. Denn der steht in der ständigen Bedrohtheit des Angenehmen, das sich jederzeit in Unangenehmes verwandeln kann.“

Der Begriff Angst hat denselben Wortstamm wie das Wort Enge. Angst macht nicht nur eng, sondern wir engen uns ein mit unserem Blick, den wir fast ausschließlich auf Enges = Irdisches lenken, anstatt unseren Blick über uns selbst hinauszuheben, uns zu weiten – zu einem Menschen hin, in eine Aufgabe hinein, auf Sinn und Werte, die unser Leben lebenswert machen, um nicht zuletzt den Blick so weit zu heben, daß wir nach einem höheren Willen fragen, der uns Hilfe und Antwort zu geben vermag und der uns schützt vor Verletzungen und übersteigerter Angst, sobald wir lernen, uns in diesen Willen einzufügen.

Damit stellt sich der persönlichen Befriedigung von Wünschen die Erfüllung des Lebens als eigentlicher Sinn gegenüber; Erfüllung eben dieses höheren Willens, welcher uns Menschen in die Verantwortung führt.

Verantwortung ist mit Menschsein spezifisch verbunden, Verantwortung zeichnet den Menschen als solchen aus. In der Verantwortung liegt der Aufruf zur Antwort. Es ist unsere Aufgabe, Antwort zu geben auf das Leben, auf den Willen des Schöpfers. Nur darin sind wir zuletzt geborgen.

Wir wollen uns einmal anschauen, wie Ängste sich zeigen. Auf der körperlichen Ebene finden wir Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schwäche, Kreislaufprobleme, Erröten, Hyperventilieren. Das Vegetativum ist durcheinandergeraten. Im Verhalten zeigt Angst sich zum Beispiel durch Handlungsunfähigkeit, Flucht, Vermeidung, auch Aggression und unsinnige Reaktionen.

Auf der kognitiven Ebene kann es zu einem regelrechten Blackout kommen oder zu Konzentrationsstörungen. Typisch ist auch das Gedankenkreisen, Sich-übertriebene-Sorgen-Machen, die Fixierung auf das Gefürchtete. Sicher haben die meisten von uns zahlreiche dieser Symptome schon einmal selbst erlebt. Entscheidend ist, daß wir diese Symptome nicht überbewerten, daß wir sie nicht zu ernst nehmen; denn je mehr wir sie beachten, um so stärker werden sie.

Allgemein kann man sagen, daß es Menschen gibt, die eher dazu neigen, ängstlich zu reagieren, während andere sich nicht so leicht verunsichern lassen. Es liegt also bei ängstlichen Menschen eine bestimmte charakterliche und körperliche Disposition vor, oft sind es sehr sensible Menschen. Diese Sensibilität kann auf jeden Fall auch in etwas Kraftvolles umgewandelt werden, indem man durch Erkenntnis lernt, der Angst etwas entgegenzusetzen.

Nun gibt es verschiedene Formen und Unterscheidungen von Ängsten, denen auch unterschiedlich begegnet werden muß. Recht verbreitet sind die Angstneurosen, zu denen auch die Phobien gehören (ca. 6 Prozent der Bevölkerung), sie können sich folgendermaßen zeigen:

  • Man fürchtet sich vor großen Menschenansammlungen oder geschlossenen Räumen (zum Beispiel Lift, Geschäfte). Man hat das Gefühl, nicht entkommen zu können;
  • man fürchtet sich davor, von anderen kritisch beobachtet zu werden, zum Beispiel beim Essen oder wenn man allein durch einen Raum geht, in dem sich mehrere Menschen befinden;
  • man fürchtet sich vor bestimmten Tieren, zum Beispiel Spinnen, Mäusen, Katzen oder vor der Dunkelheit, vor dem Fliegen usw.

  • Bei allen Menschen, die solches erleben, liegen Gemeinsamkeiten zugrunde: Sie wissen in der Regel, daß ihre Angst grundlos ist, und sie versuchen mit aller Macht, die gefürchtete Situation zu vermeiden, vor ihr zu fliehen. Alle sind beherrscht von einer Erwartungsangst, die einen Angstzirkel auslöst. Die Angst vor der Angst tritt ein.

    Hierzu ein Beispiel: Eine junge Frau hat folgendes Erlebnis. Sie fühlt sich nicht besonders wohl, ist abgespannt, hat viel Kaffee getrunken um wachzubleiben und befindet sich nun auf einer Busfahrt von der Arbeit nach Hause. Plötzlich bemerkt sie ein starkes Engegefühl in der Brust, der Mund wird trocken, sie möchte schlucken, das geht aber nicht mehr.

    Sie spürt, daß sie kaum noch atmet und ringt nach Luft, der Schweiß bricht ihr aus, und sie bekommt heftiges Herzklopfen. Sie ist sicher, daß sie jeden Moment ohnmächtig wird, vielleicht sogar sterben muß. Mit letzter Kraft steht sie auf und verläßt den Bus bei der nächsten Haltestelle.

    An der frischen Luft geht es ihr langsam besser, sie hält sich noch ein Weilchen am Laternenpfahl fest, dann geht sie mit weichen Knien nach Hause.

    Am nächsten Morgen ruft sie einen Arbeitskollegen an, ob er sie mitnehmen könne zur Arbeit. Abends bestellt sie ein Taxi. Sie fürchtet sich davor, daß ihr im Bus dasselbe noch einmal passieren könnte, und sie vermeidet die Situation. Dadurch verschwindet die Angst aber nicht, sie wird vielmehr stärker.

    Als sie nach einigen Wochen doch einmal wieder mit dem Bus fahren muß, fürchtet sie sich sosehr, daß sie allein durch ihre Angst die zuvor erlebten Symptome auslöst. ...


    Die natürliche Angst ist die Reaktion auf eine real erlebte Gefahr. Aber nicht umsonst heißt es, daß jede Gefahr auch eine rettende Kraft freisetzt und alle unsere Fähigkeiten auf das höchste mobilisiert, um der Gefahr zu begegnen.

    Angst kann jedoch auch das natürliche Maß übersteigen und so stark werden, daß sie beginnt, die Gedanken und die Handlungsweisen eines Menschen zu beherrschen. Sie scheint dann oft überhaupt keinen realen Grund zu haben, ist in bezug auf das Erlebte überzogen und für die Umwelt nicht nachvollziehbar. Der Betreffende fühlt sich gefangen durch seine Angst, sein Leben erscheint ihm nicht mehr lebenswert. -

    Vorausgeschickt sei: Ich möchte allen Mut machen, die unter Ängsten leiden. Es ist niemand seiner Angst über einen längeren Zeitraum hinweg bedingungslos ausgeliefert, es gibt für jeden Menschen die Möglichkeit, der Angst zu begegnen und sich von ihr zu befreien, sofern er die innere Bereitschaft aufbringt, an sich zu arbeiten. Jeder trägt die Fähigkeit in sich, der Angst etwas entgegenzusetzen!

    Ängste der verschiedensten Ausprägungen greifen in zunehmendem Maße um sich – und es drängt sich die Frage auf: Womit hängt das zusammen? Ist Angst ein Zeichen unserer Zeit? Die Auswirkung der Art und Weise, wie wir leben? Täglich, ja, stündlich werden wir über die Medien mit einer Fülle von Schreckensbotschaften überschüttet: Katastrophen, Kriege, Gewalt.

    Doch auch persönlichen Schicksalsschlägen können wir uns nicht entziehen, Unglück und Leid nehmen auch in unserer unmittelbaren Umgebung zu. In krassem Gegensatz dazu wird uns über den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt vorgegaukelt, daß wir uns in Sicherheit wiegen können und daß alles machbar ist.

    Zu gerne würden wir es glauben, doch im Innersten gibt es eine Stimme, die sehr wohl weiß, daß das nicht so ist. Ein Schicksalsschlag, jede Naturkatastrophe zeigt, daß das irdische Leben nicht sicher ist, daß wir nicht alles in der Hand haben, oft sogar hilflos ausgeliefert sind.

    Aber noch eine andere Ursache für die Zunahme von Angsterkrankungen ist bemerkenswert. Es gibt Studien darüber, daß Angstneurosen in Zeiten des äußeren Wohlstandes stark zunehmen, während sie in Notsituationen so gut wie überhaupt nicht auftreten. In einer Zeit, in der nahezu alle materiellen Wünsche erfüllbar sind, kreist das Denken und Fühlen des einzelnen fast nur noch um sich selbst.

    Das Leben hat keine Bezüge mehr, es wird dadurch leer, es hat keinen Inhalt und keine Werte, es wird sinnlos und oberflächlich. Viele sind kaum mehr in der Lage, Verzicht zu leisten, Bedürfnisbefriedigung wird zur obersten Maxime. Die überzogenen Sorgen um das eigene Wohlbefinden bilden den Boden für Angst.

    Elisabeth Lukas, die Leiterin des Süddeutschen Instituts für Logotherapie, sagt: „Nur wer einzig das angenehme Leben liebt, der muß das Leben fürchten. Denn der steht in der ständigen Bedrohtheit des Angenehmen, das sich jederzeit in Unangenehmes verwandeln kann.“

    Der Begriff Angst hat denselben Wortstamm wie das Wort Enge. Angst macht nicht nur eng, sondern wir engen uns ein mit unserem Blick, den wir fast ausschließlich auf Enges = Irdisches lenken, anstatt unseren Blick über uns selbst hinauszuheben, uns zu weiten – zu einem Menschen hin, in eine Aufgabe hinein, auf Sinn und Werte, die unser Leben lebenswert machen, um nicht zuletzt den Blick so weit zu heben, daß wir nach einem höheren Willen fragen, der uns Hilfe und Antwort zu geben vermag und der uns schützt vor Verletzungen und übersteigerter Angst, sobald wir lernen, uns in diesen Willen einzufügen.

    Damit stellt sich der persönlichen Befriedigung von Wünschen die Erfüllung des Lebens als eigentlicher Sinn gegenüber; Erfüllung eben dieses höheren Willens, welcher uns Menschen in die Verantwortung führt.

    Verantwortung ist mit Menschsein spezifisch verbunden, Verantwortung zeichnet den Menschen als solchen aus. In der Verantwortung liegt der Aufruf zur Antwort. Es ist unsere Aufgabe, Antwort zu geben auf das Leben, auf den Willen des Schöpfers. Nur darin sind wir zuletzt geborgen.

    Wir wollen uns einmal anschauen, wie Ängste sich zeigen. Auf der körperlichen Ebene finden wir Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schwäche, Kreislaufprobleme, Erröten, Hyperventilieren. Das Vegetativum ist durcheinandergeraten. Im Verhalten zeigt Angst sich zum Beispiel durch Handlungsunfähigkeit, Flucht, Vermeidung, auch Aggression und unsinnige Reaktionen.

    Auf der kognitiven Ebene kann es zu einem regelrechten Blackout kommen oder zu Konzentrationsstörungen. Typisch ist auch das Gedankenkreisen, Sich-übertriebene-Sorgen-Machen, die Fixierung auf das Gefürchtete. Sicher haben die meisten von uns zahlreiche dieser Symptome schon einmal selbst erlebt. Entscheidend ist, daß wir diese Symptome nicht überbewerten, daß wir sie nicht zu ernst nehmen; denn je mehr wir sie beachten, um so stärker werden sie.

    Allgemein kann man sagen, daß es Menschen gibt, die eher dazu neigen, ängstlich zu reagieren, während andere sich nicht so leicht verunsichern lassen. Es liegt also bei ängstlichen Menschen eine bestimmte charakterliche und körperliche Disposition vor, oft sind es sehr sensible Menschen. Diese Sensibilität kann auf jeden Fall auch in etwas Kraftvolles umgewandelt werden, indem man durch Erkenntnis lernt, der Angst etwas entgegenzusetzen.

    Nun gibt es verschiedene Formen und Unterscheidungen von Ängsten, denen auch unterschiedlich begegnet werden muß. Recht verbreitet sind die Angstneurosen, zu denen auch die Phobien gehören (ca. 6 Prozent der Bevölkerung), sie können sich folgendermaßen zeigen:

  • Man fürchtet sich vor großen Menschenansammlungen oder geschlossenen Räumen (zum Beispiel Lift, Geschäfte). Man hat das Gefühl, nicht entkommen zu können;
  • man fürchtet sich davor, von anderen kritisch beobachtet zu werden, zum Beispiel beim Essen oder wenn man allein durch einen Raum geht, in dem sich mehrere Menschen befinden;
  • man fürchtet sich vor bestimmten Tieren, zum Beispiel Spinnen, Mäusen, Katzen oder vor der Dunkelheit, vor dem Fliegen usw.

  • Bei allen Menschen, die solches erleben, liegen Gemeinsamkeiten zugrunde: Sie wissen in der Regel, daß ihre Angst grundlos ist, und sie versuchen mit aller Macht, die gefürchtete Situation zu vermeiden, vor ihr zu fliehen. Alle sind beherrscht von einer Erwartungsangst, die einen Angstzirkel auslöst. Die Angst vor der Angst tritt ein.

    Hierzu ein Beispiel: Eine junge Frau hat folgendes Erlebnis. Sie fühlt sich nicht besonders wohl, ist abgespannt, hat viel Kaffee getrunken um wachzubleiben und befindet sich nun auf einer Busfahrt von der Arbeit nach Hause. Plötzlich bemerkt sie ein starkes Engegefühl in der Brust, der Mund wird trocken, sie möchte schlucken, das geht aber nicht mehr.

    Sie spürt, daß sie kaum noch atmet und ringt nach Luft, der Schweiß bricht ihr aus, und sie bekommt heftiges Herzklopfen. Sie ist sicher, daß sie jeden Moment ohnmächtig wird, vielleicht sogar sterben muß. Mit letzter Kraft steht sie auf und verläßt den Bus bei der nächsten Haltestelle.

    An der frischen Luft geht es ihr langsam besser, sie hält sich noch ein Weilchen am Laternenpfahl fest, dann geht sie mit weichen Knien nach Hause.

    Am nächsten Morgen ruft sie einen Arbeitskollegen an, ob er sie mitnehmen könne zur Arbeit. Abends bestellt sie ein Taxi. Sie fürchtet sich davor, daß ihr im Bus dasselbe noch einmal passieren könnte, und sie vermeidet die Situation. Dadurch verschwindet die Angst aber nicht, sie wird vielmehr stärker.

    Als sie nach einigen Wochen doch einmal wieder mit dem Bus fahren muß, fürchtet sie sich sosehr, daß sie allein durch ihre Angst die zuvor erlebten Symptome auslöst. ...

    Von nun an gibt sie sehr viel Geld fürs Taxifahren aus, sie hat seitdem keinen Bus mehr bestiegen. Die Falle ist zugeschnappt, der Angstzirkel hat sich geschlossen: ein zufälliges Erlebnis löst bestimmte Symptome aus – Erwartungsangst vor der nächsten Situation bewirkt eine Verstärkung und Fixierung der Symptome.

    Es ist möglich, daß sich diese Angst auch auf andere Situationen ausweiten kann. Was kann man bei Ängsten dieser Art konkret tun? Der erste Schritt ist sicher die Erkenntnis, daß man vor der Angst nicht weglaufen kann, sie holt einen mit Sicherheit wieder ein. Ihr standzuhalten, stehenzubleiben ist die erste Maßnahme. Es gibt nur die Möglichkeit, sich der Angst zu stellen, um sie zu überwinden. Durch bestimmte Einstellungs- und Verhaltensänderungen ist es möglich, sich von der Angst zu distanzieren. Darauf werden wir noch näher eingehen.

    Ganz ähnliche Symptome wie die beschriebenen zeigen sich manchmal auch aus anderen Gründen. Vergleichbare Angsterscheinungen können ihre Ursache auch im körperlichen Bereich haben und nicht im Psychischen. Sie treten zum Beispiel auf bei Hormonstörungen, Schilddrüsen-überfunktion und auch bei Kreislaufregulationsstörungen. In diesem Fall muß selbstverständlich auch der Körper behandelt werden. Diese Gegenüberstellung zeigt bereits, wie wichtig es ist, bei länger anhaltenden Angststörungen eine sehr genaue und differenzierte Diagnose vorzunehmen, um entsprechend helfen und therapieren zu können.

    Bei Angstneurosen wäre es zum Beispiel nicht sinnvoll, angsthemmende Mittel zu geben, da in diesem Fall mit der Angst durch das Medikament auch die Kräfte genommen werden, aus dem eigenen Wollen heraus die Angst anzugehen. – Anders gelagert sind die Ängste bei endogenen Depressionen. Die endogene Depression ist in erster Linie eine körperliche Erkrankung. Und zwar sind in den Gehirnzellen die sogenannten Neurotransmitter reduziert – eine chemische Substanz, die die Information zwischen den Zellen weitergibt.

    Das bedeutet, daß bestimmte Informationen nicht weitergeleitet werden, zumeist phasenweise. Man muß den endogen Depressiven wirklich in der entsprechenden Phase als krank bezeichnen, er braucht Schutz und Hilfe, auch Schonung und medikamentöse Therapie durch Zufuhr von Neurotransmittern in Form von Antidepressiva. Diese machen übrigens nicht süchtig – im Gegensatz zu angsthemmenden oder Schlafmitteln.

    Die Krankheit verläuft in Schüben. In diesen Schüben ist der Kranke fast oder gar nicht erreichbar, er ist wie abgetrennt von seiner Umgebung, seine Seele scheint eingemauert zu sein. In dieser Zeit leidet er unter extremen Selbstvorwürfen und unter schweren, meist gegenstandslosen Ängsten, es kann auch Selbstmordgefahr bestehen. In den schubfreien Zeiten ist es sehr wichtig, ihm seelisch und geistig beratend zur Seite zu stehen, dann ist der Betreffende auch wieder erreichbar und ansprechbar.
    Man muß ihm klarmachen, daß er außerhalb der Schübe wieder ein ganz normales Leben führen kann und daß er versuchen sollte, die Schübe als Krankheit anzunehmen. Die Symptome gehören zu seiner Krankheit und nicht zu ihm als Menschen. So kann er lernen, die Schübe durchzustehen. Viktor Frankl*, Begründer der Logotherapie, gibt dazu ein hilfreiches Bild, er sagt sinngemäß: Die Sonne ist immer da, nur manchmal schieben sich Wolken davor, dann sehen wir sie nicht. Dennoch besteht die Gewißheit, daß wir sie wieder sehen werden. So ähnlich sei es bei dem depressiven Menschen auch.

    Neben der endogenen Depression gibt es auch noch andere Formen, die ihre Ursache nicht im Körperlichen haben. Hier geht der Depression z. B. ein schwerer Verlust voraus, etwa der Verlust eines geliebten Partners, eines Kindes oder auch der Arbeit. Ein Mensch oder eine Sache wurde an höchste Stelle gesetzt. Wenn nun keine anderen Lebens-werte vorhanden sind, wird das Leben wert-los. Es ist daran zu arbeiten, neue und andere Sinnerfüllungen zu finden.

    Bei Depressionen, deren Ursachen im Geistigen liegen und die zum Beispiel mit schweren Gewissenskonflikten oder Schuldgefühlen verbunden sind, wären Antidepressiva nicht ratsam, sondern eine Unterstützung der rechten, gewissenhaften, aus dem Gewissen kommenden Entscheidung. Vor allem steht die Möglichkeit des Wiedergutmachens hilfreich zur Seite. -

    Auch Ängste vor schweren, unheilbaren Erkrankungen plagen so manchen Menschen, oft sogar ohne konkreten Anhaltspunkt. Aber selbst bei unabänderlichem Leid ist es möglich, über sich selbst hinauszuwachsen durch die innere Einstellung und im Leiden noch Sinn und Werte erfüllen zu können. -

    Viele Menschen werden getrieben von der Angst zu versagen. Dahinter verbirgt sich oft das Gespenst der eigenen Person, die sich über alle Maßen wichtig nimmt. Nur im ständigen Besserseinwollen, im Vergleichen muß ich mich vor dem Versagen fürchten. Wenn ich beginne, das zu leben, was in meinen Fähigkeiten liegt, kann ich allmählich begreifen, daß ich einzigartig bin, so wie jeder andere Mensch auch, und daß jeder seinen Platz hat in dem großen Ganzen. Erst im Zusammenschwingen vieler einzigartiger Individuen ergibt sich ein vollkommener Akkord wie in einem großen Orchester. -

    Eine Form der Angst, die recht viele Menschen quält. Das ist die Todesangst. Selten ist es heute geworden, daß jemand aus religiöser Überzeugung die Gewißheit in sich trägt, daß das Leben auch nach dem Tod weitergeht und daß das ganze Sein viel umfassender ist als der kurze Augenblick des irdischen Lebens. Der Todesangst liegt häufig die tiefe Angst zugrunde, im Leben etwas versäumt zu haben. In der Erkenntnis des Versäumten kann ich aber mein Leben entsprechend verändern ...

     



    Autor: Susanne Barknowitz
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    Nachschlagworte

    • Angst
    • Gefahr
    • Schicksalsschlag
    • Logotherapie
    • Verantwortung
    • Krankheit

    Autor

    Susanne Barknowitz

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