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Charles F. Feeney

The Billionaire Who Wasn't

Wie ein Milliardär sein gesamtes Vermögen stiftete.

Die eindrucksvolle Geschichte von Charles F. Feeney wurde jetzt in einem Buch veröffentlicht.

Kann man sich vorstellen, daß ein Milliardär, der viel Energie für die Akquisition seines Vermögens aufgebracht hat, eine 15-Dollar-Uhr und Kleider von der Stange trägt? Daß er die Straßenbahn einem Taxi vorzieht und Economy-Class fliegt? Ein Sprichwort sagt: „Sparen muß man von den Reichen lernen“. Für solche Menschen – sofern sie nicht bloß geizig sind – ist offensichtlich Geld nur ein Nebeneffekt, das Eigentliche liegt woanders. Aber was macht ein Mensch mit so viel Geld? Nun, da bietet sich an, andere zu unterstützen, Arme, Kranke, die Wissenschaft, die Kultur, den Sport. Das geeignete Mittel dazu ist eine Stiftung.

Eine Stiftung trägt häufig den Namen ihres Urhebers und festigt so dessen Ruhm und Unsterblichkeit. Der Stifter, von dem im Buch „The Billionaire Who Wasn't“ die Rede ist, hat allerdings lange Zeit großen Wert auf Anonymität gelegt, und die meisten der Empfänger seiner Zuwendungen kannten seinen Namen nicht. Auch heute noch trägt kein Gebäude seinen Namen, seine Stiftung „Atlantic Philanthropies“ nicht, nichts weist auf den Spender hin. Ein solches Vorgehen wird inzwischen besonders bei öffentlichen Einrichtungen recht schwierig, weil klar sein muß, daß das gespendete Geld nicht auf kriminelle Art und Weise erworben wurde.

Erst im hohen Alter hat Charles F. Feeney seine Anonymität ein wenig gelockert, einmal aus dem eben erwähnten Grund und dann auch, um für andere betuchte Menschen einen Anreiz zu geben, es ihm gleichzutun.

2007 schrieb Conor O'Clery die Biographie des „Milliardärs, der keiner war“ („The Billionaire Who Wasn't“).

Charles F. (Chuck) Feeney wurde am 23. April 1931 in der Nähe von New York in eine Arbeiterfamilie geboren. Nach dem Militärdienst, der ihn als Funker unter anderem nach Japan führte, schaffte er als erster in seiner Familie die Aufnahme in eine Hochschule, die Cornell University bei New York. Viele seiner späteren Mitarbeiter sollte er aus seinen damaligen Kommilitonen rekrutieren. Und ihn kannten auch viele, denn er war der „Sandwichman“. Sehr schnell hatte er eine „Marktlücke“ erkannt und seine Mitstudenten mit dem Mittagsimbiß versorgt.

Seine ersten beruflichen Erfolge hatte Feeney mit dem Verkauf zollfreier Alkoholika an amerikanische Soldaten, die in Asien stationiert waren. Als dies mehr und mehr durch andere kopiert und schließlich per Gesetz unterbunden wurde, bemerkte er, daß die Japaner anfingen, die Welt zu bereisen, und gründete die ersten Duty-free-Shops in asiatischen Flughäfen. Später legte er sogar eigene Resorts an, zum Beispiel in Guam, in denen japanische Gäste Golf spielen und shoppen konnten.

Feeney blieb bei seinen geschäftlichen Aktivitäten stets im Hintergrund und verstand es, Fotografen aus dem Weg zu gehen. Wenn es nötig war, schickte er einen seiner Geschäftsführer an die „Front“.

1984, im Alter von 53 Jahren, entschloß er sich dann, sein beachtliches Vermögen mit warmer Hand zu verteilen. „Giving while living“ lautete das Motto – und als erstes wurde seine Schule, die Cornell University bedacht, der er sein Wissen und viele Beziehungen verdanken konnte. Nachdem Feeneys Vorfahren Iren waren, fand er, daß Irland der „Underdog“ Europas war und in Irland Limerick die am wenigsten geschätzte Stadt. Um die Startposition der dort lebenden Menschen zu verbessern, baute er eine Universität mit besonderem Blick auf die medizinische Fakultät. Auch die Universitäten in Dublin und Nordirland (!) bedachte er. In Nord- und Südvietnam baute er ebenfalls Universitäten, Krankenhäuser, ja sogar Rollstuhlfabriken für die durch die Amerikaner im Vietnam-Krieg verletzte Bevölkerung. Auch soziale Projekte unterstützte er. In Australien und Südafrika fand Feeney ebenfalls Ziele für größere Zuwendungen.

Sein Konzept war dabei stets, zur Eigeninitiative zu motivieren. Nach einer Anfangs-Zuwendung forderte er seine Empfänger auf, nun ihrerseits Sponsoren zu finden, deren Spenden er dann aufdoppelte. Eine beliebte Option war, daß jemand sich seinen Namenszug auf einem Gebäude „kaufte“, der „große Anonyme“ legte dann den gleichen Betrag dazu.

Sogar in der eigenen Familie unterstützte Feeney das Prinzip der Eigeninitiative. Er hielt alle seine Kinder an, sich selbst Geld zu verdienen, damit sie sich ihre Wünsche erfüllen konnten. Die ordnungsgemäße Verwendung des gespendeten Geldes wird von einer Controller-Truppe sorgfältig überwacht. Und weil Feeney beobachtet hat, daß sich Stiftungen nach dem Tod ihrer Gründer oft in ihrer Struktur verhärten, plant er, bis 2016 sein ganzes Stiftungsvermögen zu verteilen, es „auszuspenden“.

Auf YouTube gibt es eine Dokumentation über Charles F. Feeney zu sehen. Sie zeigt einen vollkommen unauffälligen Mann, der verhalten spricht und kein Aufhebens von sich macht. Das Buch von Conor O'Clery ist derzeit nur in Englisch erhältlich, ist aber leicht zu lesen und berichtet viele Einzelheiten aus Feeneys Leben, ohne das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.

Public Affairs, New York 2007, ISBN 978-1-58648-391-3

 


Kann man sich vorstellen, daß ein Milliardär, der viel Energie für die Akquisition seines Vermögens aufgebracht hat, eine 15-Dollar-Uhr und Kleider von der Stange trägt? Daß er die Straßenbahn einem Taxi vorzieht und Economy-Class fliegt? Ein Sprichwort sagt: „Sparen muß man von den Reichen lernen“. Für solche Menschen – sofern sie nicht bloß geizig sind – ist offensichtlich Geld nur ein Nebeneffekt, das Eigentliche liegt woanders. Aber was macht ein Mensch mit so viel Geld? Nun, da bietet sich an, andere zu unterstützen, Arme, Kranke, die Wissenschaft, die Kultur, den Sport. Das geeignete Mittel dazu ist eine Stiftung.

Eine Stiftung trägt häufig den Namen ihres Urhebers und festigt so dessen Ruhm und Unsterblichkeit. Der Stifter, von dem im Buch „The Billionaire Who Wasn't“ die Rede ist, hat allerdings lange Zeit großen Wert auf Anonymität gelegt, und die meisten der Empfänger seiner Zuwendungen kannten seinen Namen nicht. Auch heute noch trägt kein Gebäude seinen Namen, seine Stiftung „Atlantic Philanthropies“ nicht, nichts weist auf den Spender hin. Ein solches Vorgehen wird inzwischen besonders bei öffentlichen Einrichtungen recht schwierig, weil klar sein muß, daß das gespendete Geld nicht auf kriminelle Art und Weise erworben wurde.

Erst im hohen Alter hat Charles F. Feeney seine Anonymität ein wenig gelockert, einmal aus dem eben erwähnten Grund und dann auch, um für andere betuchte Menschen einen Anreiz zu geben, es ihm gleichzutun.

2007 schrieb Conor O'Clery die Biographie des „Milliardärs, der keiner war“ („The Billionaire Who Wasn't“).

Charles F. (Chuck) Feeney wurde am 23. April 1931 in der Nähe von New York in eine Arbeiterfamilie geboren. Nach dem Militärdienst, der ihn als Funker unter anderem nach Japan führte, schaffte er als erster in seiner Familie die Aufnahme in eine Hochschule, die Cornell University bei New York. Viele seiner späteren Mitarbeiter sollte er aus seinen damaligen Kommilitonen rekrutieren. Und ihn kannten auch viele, denn er war der „Sandwichman“. Sehr schnell hatte er eine „Marktlücke“ erkannt und seine Mitstudenten mit dem Mittagsimbiß versorgt.

Seine ersten beruflichen Erfolge hatte Feeney mit dem Verkauf zollfreier Alkoholika an amerikanische Soldaten, die in Asien stationiert waren. Als dies mehr und mehr durch andere kopiert und schließlich per Gesetz unterbunden wurde, bemerkte er, daß die Japaner anfingen, die Welt zu bereisen, und gründete die ersten Duty-free-Shops in asiatischen Flughäfen. Später legte er sogar eigene Resorts an, zum Beispiel in Guam, in denen japanische Gäste Golf spielen und shoppen konnten.

Feeney blieb bei seinen geschäftlichen Aktivitäten stets im Hintergrund und verstand es, Fotografen aus dem Weg zu gehen. Wenn es nötig war, schickte er einen seiner Geschäftsführer an die „Front“.

1984, im Alter von 53 Jahren, entschloß er sich dann, sein beachtliches Vermögen mit warmer Hand zu verteilen. „Giving while living“ lautete das Motto – und als erstes wurde seine Schule, die Cornell University bedacht, der er sein Wissen und viele Beziehungen verdanken konnte. Nachdem Feeneys Vorfahren Iren waren, fand er, daß Irland der „Underdog“ Europas war und in Irland Limerick die am wenigsten geschätzte Stadt. Um die Startposition der dort lebenden Menschen zu verbessern, baute er eine Universität mit besonderem Blick auf die medizinische Fakultät. Auch die Universitäten in Dublin und Nordirland (!) bedachte er. In Nord- und Südvietnam baute er ebenfalls Universitäten, Krankenhäuser, ja sogar Rollstuhlfabriken für die durch die Amerikaner im Vietnam-Krieg verletzte Bevölkerung. Auch soziale Projekte unterstützte er. In Australien und Südafrika fand Feeney ebenfalls Ziele für größere Zuwendungen.

Sein Konzept war dabei stets, zur Eigeninitiative zu motivieren. Nach einer Anfangs-Zuwendung forderte er seine Empfänger auf, nun ihrerseits Sponsoren zu finden, deren Spenden er dann aufdoppelte. Eine beliebte Option war, daß jemand sich seinen Namenszug auf einem Gebäude „kaufte“, der „große Anonyme“ legte dann den gleichen Betrag dazu.

Sogar in der eigenen Familie unterstützte Feeney das Prinzip der Eigeninitiative. Er hielt alle seine Kinder an, sich selbst Geld zu verdienen, damit sie sich ihre Wünsche erfüllen konnten. Die ordnungsgemäße Verwendung des gespendeten Geldes wird von einer Controller-Truppe sorgfältig überwacht. Und weil Feeney beobachtet hat, daß sich Stiftungen nach dem Tod ihrer Gründer oft in ihrer Struktur verhärten, plant er, bis 2016 sein ganzes Stiftungsvermögen zu verteilen, es „auszuspenden“.

Auf YouTube gibt es eine Dokumentation über Charles F. Feeney zu sehen. Sie zeigt einen vollkommen unauffälligen Mann, der verhalten spricht und kein Aufhebens von sich macht. Das Buch von Conor O'Clery ist derzeit nur in Englisch erhältlich, ist aber leicht zu lesen und berichtet viele Einzelheiten aus Feeneys Leben, ohne das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.

Public Affairs, New York 2007, ISBN 978-1-58648-391-3

 



Autor: Emil Knies

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