Franz Liszt
Liszt liegt in der Luft
Zum 200. Geburtstag des Komponisten: Auf den Spuren von Franz Liszt in Budapest
In der Matthiaskirche wurde anläßlich der Krönung von Franz Joseph und Sisi die Krönungsmesse von Liszt aufgeführt.In diesem Jahr begeht Budapest mit einer Vielzahl von Veranstaltungen den 200. Geburtstag und 125. Todestag von Franz Liszt. Er galt zu seinen Lebzeiten als Popstar der Musik. Wenn seine Hände über die Tasten flogen, soll dies von einer Virtuosität gewesen sein, wie sie vor ihm keiner beherrscht hatte. Mit seinen vielen Kompositionen, die er Ungarn gewidmet hat, hat er die Identität dieser Nation mit geprägt und in die Welt hinausgetragen. Darum vor allem lieben ihn die Budapester so sehr. Ihm zu Ehren haben sie in diesem Gedenkjahr ihren Flughafen umbenannt in „Airport Ferenc Liszt“. Wer sich in der schönen Stadt an der Donau auf die Spuren des Musikgenies begibt, darf sich auf eine kleine Zeitreise freuen …
Geboren allerdings wurde der Meister nicht in Budapest, sondern im burgenländischen Raiding, das seit 1922 zu Österreich gehört.
Sein Vater Adam sah in dem Einzelkind einen musikalischen Wunderknaben, dem er – ähnlich wie der Vater Mozarts – den Weg ebnen wollte. So bejubelten einflußreiche ungarische Adlige sein Spiel bereits, als er neun Jahre alt war, und stellten Geld für seine Förderung zur Verfügung. Ein Selbstbewußtsein wuchs, von dem er ein Leben lang zehrte.
Franz Liszt erhielt unter anderem Unterricht von Antonio Salieri in Wien, begegnete den Komponisten seiner Zeit, maß sich an ihnen, rang dabei zunächst um Akzeptanz … um schließlich vor allem als Klaviervirtuose und Komponist Weltruhm zu erla
Liszt-Statue an der Fassade der Operngen. Darüber hinaus floß sein Talent in seine Tätigkeiten als Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und sogar Schriftsteller. Sein Lebensweg führte ihn unter anderem durch Frankreich, England, Italien, die Schweiz, Deutschland und immer wieder nach Budapest. Er war Hofkapellmeister in Weimar und wurde 1871, nicht zuletzt durch eigenes Zutun, zum königlich-ungarischen Rat ernannt. Das letzte Drittel seines Lebens verbrachte er in Rom, Weimar und Budapest.
Das erste Mal seit seiner Kindheit kam Franz Liszt im Jahre 1839 wieder nach Ungarn. In Pest – einem der beiden großen Stadtteile Budapests – gab er ein Benefizkonzert zu Ehren der Opfer einer Flutkatastrophe, die sich ein Jahr zuvor ereignet hatte. Er wurde mit stürmischer Begeisterung wie ein Nationalheld begrüßt und mit Ehrenzeremonien bedacht.
Vom prächtigen neoklassizistischen Bauwerk der Oper grüßt seine voluminöse Statue. Ein schöner und markanter Punkt ist das, um einen Rundgang zu jenen Stätten zu beginnen, die in der ungarischen Hauptstadt an Liszt erinnern. Zumal auch die Andrássy út, eben jene Straße, an der die Oper sich befindet, mit ihrer auserlesenen Pracht an klassizistischen Gebäuden ebenso wie Liszt selbst die Identität und das Selbstbewußtsein dieser Stadt geradezu verkörpert. Die Ungarische Staatsoper darf als eines der prachtvollsten Beispiele der Neorenaissance-Architektur im Stadtteil gelten.
Gasse bei der FranziskanerkircheHeutige Besucher des Opernhauses lieben es, gelegentlich im benachbarten Restaurant „Callas“ zu speisen. Womöglich nicht zuletzt deshalb, weil hier die Kellner bisweilen Arien zum besten geben …
Wer die Route auf den Spuren Liszts fortsetzt, gelangt bald zum Elisabethplatz, den das feine Café Gerbeaud flankiert. Viele Budapester behaupten, hier gäbe es den leckersten Kuchen. Zwischen Elisabethplatz und Donau verlief zu Zeiten Liszts die Stadtgrenze. Heute ist der Elisabethplatz ein überaus belebter, bunter Ort, wo gern Zigeuner ihre Weisen spielen. Überhaupt gehören diese Musiker ins Stadtbild und in die spezielle Restaurantatmosphäre Budapests. Auch für die Kompositionen Liszts waren sie Inspiration. Er forschte über die Geschichte der Zigeuner und schrieb Stücke, in denen das Zimbalon und andere ihrer klassischen Instrumente eingesetzt werden konnten.
Weiter in Richtung Donau beeindruckt bald ein mit vielen historischen Statuen geschmücktes weißes Gebäude: das Vigado, die Pester Konzerthalle. Zu Liszts Zeiten trug sie den Namen Redoute. Berühmte Kapellmeister, Pianisten und Solisten gastierten hier, darunter Brahms, Karajan und Rubinstein. Liszt, der ebenfalls mehrfach hier auftrat, gab sein einziges gemeinsames Konzert mit Richard Wagner im Jahre 1875 in diesem Hause. Liszt hatte seit 1850 eine Freundschaft mit Wagner verbunden. Als dieser aber 1865 eine Liebschaft mit seiner Tochter Cosima begann, brach Liszt sieben Jahre lang den Kontakt zu ihm ab. (Cosima wurde 1870 Richard Wagners zweite Frau und übernahm nach dessen Tod die Bayreuther Festspiele.)
Hinter dem Vigado schweift der Blick über die Donau zu einem länglichen gelben Gebäude, das rechts auf einem Hügel steht: das Burgtheater. Liszt und auch Beethoven haben hier Konzerte gegeben.
Vigado, die Konzerthalle des Stadtteils Pest. Liszt trat hier mehrere Male auf, auch mit Richard Wagner gemeinsam.
Weiter rechts auf der Budaer Seite ragt der schlanke weiße Turm der Matthiaskirche in den Himmel. Hier wurde Liszts Krönungsmesse für Kaiser Franz Joseph und Sisi aufgeführt.
In der Nähe der Redoute befanden sich auch zwei Wohnhäuser Liszts. Immer wieder war es schwierig gewesen, für die sporadischen Zeiten seiner Anwesenheit in Budapest zwischen 1869 und 1886 geeignete Unterkunft zu finden. Zweimal verweilte Liszt im Wohnhaus für Priester. Doch da er Klavierunterricht geben wollte, brauchte er mehr Platz. Baron Antal Augusz sorgte dafür, daß er in der Nador út eine geräumige Wohnung mit drei Zimmern bekam. Seine Wünsche waren überschaubar: einen Schreibtisch mit Schublade und zwei Pianos. Die lieferte die Firma Bösendorfer …
Rechte Seite, links oben: Das Strudelhaus in Budapest, nach alter Tradition wird hier eine große Vielfalt der beliebten Speise hergestellt. Am Tisch wird den Gästen die Prozedur vorgeführt.Der Künstler benötigte für seine Unterrichtsstunden zwei Pianos, da er die Stücke seiner Schüler auf dem zweiten Instrument selbst begleitete. So wurde jeder Fehler offensichtlich.
Noch zweimal zog er um. Zunächst in ein Haus am Fischmarkt; eine Plakette an dem Wohnblock in der Irányi utca 1 erinnert an diese Wohnung. Das Ministerium für Religion und Erziehung hatte das Gebäude für sechs Jahre gemietet. Hier zog auch die Musikakademie ein, deren Präsident der Künstler wurde. Bald aber sollte eine neue Musikakademie in der Sugár út fertiggestellt werden – inklusive einer komfortablen Wohnung für Liszt. Dafür berücksichtigte der Architekt gewissenhaft alle Details der alten Wohnung des Musikers. Franz Liszts letzte Wohnung ist heute im Liszt-Museum zu besichtigen. Auch das Originalplakat mit den Uhrzeiten der Unterrichtsstunden existiert noch. Von der Oper aus nur eine Metrohaltestelle stadtauswärts befindet sich nun an dieser letzten Wirkungsstätte des Musikers das Liszt-Museum.
Raum der Wohnung im Liszt-Museum. Auf einem der zwei Klaviere spielte der jeweilige Schüler und auf dem anderen gleichzeitig Liszt selbst.
Auf der Orgel der Franziskanerkirche spielte Liszt schließlich sein letztes Stück in Budapest; danach fuhr er nach Bayreuth zu seiner inzwischen verwitweten Tochter Cosima, wo er an einer Lungenentzündung verstarb. Bis heute weist ein Messingschild in der Franziskanerkirche darauf hin, wo sein Sitzplatz während der Heiligen Messe war. Der Frauenliebhaber Franz Liszt, bei dem es nie zu einer Heirat kam, hatte sogar die niederen Priesterweihen empfangen; dies widerspiegelte sich in der Komposition religiöser Oratorien wie „Christus“ und „Die Legende der Heiligen Elisabeth“.
Neben diesen blickt man in Ungarn auf viele Stücke zurück, die der „Musiker mit den fliegenden Fingern“ der Nation gewidmet hat. Elemente ungarischer Tänze verankerte er unter anderem in den „Ungarischen Rhapsodien“, der „Ungarischen Fantasie“ oder der „Ungarischen Krönungsmesse“. So machte er das ungarische Lebensgefühl in seiner Musik unsterblich.
In der Matthiaskirche wurde anläßlich der Krönung von Franz Joseph und Sisi die Krönungsmesse von Liszt aufgeführt.In diesem Jahr begeht Budapest mit einer Vielzahl von Veranstaltungen den 200. Geburtstag und 125. Todestag von Franz Liszt. Er galt zu seinen Lebzeiten als Popstar der Musik. Wenn seine Hände über die Tasten flogen, soll dies von einer Virtuosität gewesen sein, wie sie vor ihm keiner beherrscht hatte. Mit seinen vielen Kompositionen, die er Ungarn gewidmet hat, hat er die Identität dieser Nation mit geprägt und in die Welt hinausgetragen. Darum vor allem lieben ihn die Budapester so sehr. Ihm zu Ehren haben sie in diesem Gedenkjahr ihren Flughafen umbenannt in „Airport Ferenc Liszt“. Wer sich in der schönen Stadt an der Donau auf die Spuren des Musikgenies begibt, darf sich auf eine kleine Zeitreise freuen …
Geboren allerdings wurde der Meister nicht in Budapest, sondern im burgenländischen Raiding, das seit 1922 zu Österreich gehört.
Sein Vater Adam sah in dem Einzelkind einen musikalischen Wunderknaben, dem er – ähnlich wie der Vater Mozarts – den Weg ebnen wollte. So bejubelten einflußreiche ungarische Adlige sein Spiel bereits, als er neun Jahre alt war, und stellten Geld für seine Förderung zur Verfügung. Ein Selbstbewußtsein wuchs, von dem er ein Leben lang zehrte.
Franz Liszt erhielt unter anderem Unterricht von Antonio Salieri in Wien, begegnete den Komponisten seiner Zeit, maß sich an ihnen, rang dabei zunächst um Akzeptanz … um schließlich vor allem als Klaviervirtuose und Komponist Weltruhm zu erla
Liszt-Statue an der Fassade der Operngen. Darüber hinaus floß sein Talent in seine Tätigkeiten als Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und sogar Schriftsteller. Sein Lebensweg führte ihn unter anderem durch Frankreich, England, Italien, die Schweiz, Deutschland und immer wieder nach Budapest. Er war Hofkapellmeister in Weimar und wurde 1871, nicht zuletzt durch eigenes Zutun, zum königlich-ungarischen Rat ernannt. Das letzte Drittel seines Lebens verbrachte er in Rom, Weimar und Budapest.
Das erste Mal seit seiner Kindheit kam Franz Liszt im Jahre 1839 wieder nach Ungarn. In Pest – einem der beiden großen Stadtteile Budapests – gab er ein Benefizkonzert zu Ehren der Opfer einer Flutkatastrophe, die sich ein Jahr zuvor ereignet hatte. Er wurde mit stürmischer Begeisterung wie ein Nationalheld begrüßt und mit Ehrenzeremonien bedacht.
Vom prächtigen neoklassizistischen Bauwerk der Oper grüßt seine voluminöse Statue. Ein schöner und markanter Punkt ist das, um einen Rundgang zu jenen Stätten zu beginnen, die in der ungarischen Hauptstadt an Liszt erinnern. Zumal auch die Andrássy út, eben jene Straße, an der die Oper sich befindet, mit ihrer auserlesenen Pracht an klassizistischen Gebäuden ebenso wie Liszt selbst die Identität und das Selbstbewußtsein dieser Stadt geradezu verkörpert. Die Ungarische Staatsoper darf als eines der prachtvollsten Beispiele der Neorenaissance-Architektur im Stadtteil gelten.
Gasse bei der FranziskanerkircheHeutige Besucher des Opernhauses lieben es, gelegentlich im benachbarten Restaurant „Callas“ zu speisen. Womöglich nicht zuletzt deshalb, weil hier die Kellner bisweilen Arien zum besten geben …
Wer die Route auf den Spuren Liszts fortsetzt, gelangt bald zum Elisabethplatz, den das feine Café Gerbeaud flankiert. Viele Budapester behaupten, hier gäbe es den leckersten Kuchen. Zwischen Elisabethplatz und Donau verlief zu Zeiten Liszts die Stadtgrenze. Heute ist der Elisabethplatz ein überaus belebter, bunter Ort, wo gern Zigeuner ihre Weisen spielen. Überhaupt gehören diese Musiker ins Stadtbild und in die spezielle Restaurantatmosphäre Budapests. Auch für die Kompositionen Liszts waren sie Inspiration. Er forschte über die Geschichte der Zigeuner und schrieb Stücke, in denen das Zimbalon und andere ihrer klassischen Instrumente eingesetzt werden konnten.
Weiter in Richtung Donau beeindruckt bald ein mit vielen historischen Statuen geschmücktes weißes Gebäude: das Vigado, die Pester Konzerthalle. Zu Liszts Zeiten trug sie den Namen Redoute. Berühmte Kapellmeister, Pianisten und Solisten gastierten hier, darunter Brahms, Karajan und Rubinstein. Liszt, der ebenfalls mehrfach hier auftrat, gab sein einziges gemeinsames Konzert mit Richard Wagner im Jahre 1875 in diesem Hause. Liszt hatte seit 1850 eine Freundschaft mit Wagner verbunden. Als dieser aber 1865 eine Liebschaft mit seiner Tochter Cosima begann, brach Liszt sieben Jahre lang den Kontakt zu ihm ab. (Cosima wurde 1870 Richard Wagners zweite Frau und übernahm nach dessen Tod die Bayreuther Festspiele.)
Hinter dem Vigado schweift der Blick über die Donau zu einem länglichen gelben Gebäude, das rechts auf einem Hügel steht: das Burgtheater. Liszt und auch Beethoven haben hier Konzerte gegeben.
Vigado, die Konzerthalle des Stadtteils Pest. Liszt trat hier mehrere Male auf, auch mit Richard Wagner gemeinsam.
Weiter rechts auf der Budaer Seite ragt der schlanke weiße Turm der Matthiaskirche in den Himmel. Hier wurde Liszts Krönungsmesse für Kaiser Franz Joseph und Sisi aufgeführt.
In der Nähe der Redoute befanden sich auch zwei Wohnhäuser Liszts. Immer wieder war es schwierig gewesen, für die sporadischen Zeiten seiner Anwesenheit in Budapest zwischen 1869 und 1886 geeignete Unterkunft zu finden. Zweimal verweilte Liszt im Wohnhaus für Priester. Doch da er Klavierunterricht geben wollte, brauchte er mehr Platz. Baron Antal Augusz sorgte dafür, daß er in der Nador út eine geräumige Wohnung mit drei Zimmern bekam. Seine Wünsche waren überschaubar: einen Schreibtisch mit Schublade und zwei Pianos. Die lieferte die Firma Bösendorfer …
Rechte Seite, links oben: Das Strudelhaus in Budapest, nach alter Tradition wird hier eine große Vielfalt der beliebten Speise hergestellt. Am Tisch wird den Gästen die Prozedur vorgeführt.Der Künstler benötigte für seine Unterrichtsstunden zwei Pianos, da er die Stücke seiner Schüler auf dem zweiten Instrument selbst begleitete. So wurde jeder Fehler offensichtlich.
Noch zweimal zog er um. Zunächst in ein Haus am Fischmarkt; eine Plakette an dem Wohnblock in der Irányi utca 1 erinnert an diese Wohnung. Das Ministerium für Religion und Erziehung hatte das Gebäude für sechs Jahre gemietet. Hier zog auch die Musikakademie ein, deren Präsident der Künstler wurde. Bald aber sollte eine neue Musikakademie in der Sugár út fertiggestellt werden – inklusive einer komfortablen Wohnung für Liszt. Dafür berücksichtigte der Architekt gewissenhaft alle Details der alten Wohnung des Musikers. Franz Liszts letzte Wohnung ist heute im Liszt-Museum zu besichtigen. Auch das Originalplakat mit den Uhrzeiten der Unterrichtsstunden existiert noch. Von der Oper aus nur eine Metrohaltestelle stadtauswärts befindet sich nun an dieser letzten Wirkungsstätte des Musikers das Liszt-Museum.
Raum der Wohnung im Liszt-Museum. Auf einem der zwei Klaviere spielte der jeweilige Schüler und auf dem anderen gleichzeitig Liszt selbst.
Auf der Orgel der Franziskanerkirche spielte Liszt schließlich sein letztes Stück in Budapest; danach fuhr er nach Bayreuth zu seiner inzwischen verwitweten Tochter Cosima, wo er an einer Lungenentzündung verstarb. Bis heute weist ein Messingschild in der Franziskanerkirche darauf hin, wo sein Sitzplatz während der Heiligen Messe war. Der Frauenliebhaber Franz Liszt, bei dem es nie zu einer Heirat kam, hatte sogar die niederen Priesterweihen empfangen; dies widerspiegelte sich in der Komposition religiöser Oratorien wie „Christus“ und „Die Legende der Heiligen Elisabeth“.
Neben diesen blickt man in Ungarn auf viele Stücke zurück, die der „Musiker mit den fliegenden Fingern“ der Nation gewidmet hat. Elemente ungarischer Tänze verankerte er unter anderem in den „Ungarischen Rhapsodien“, der „Ungarischen Fantasie“ oder der „Ungarischen Krönungsmesse“. So machte er das ungarische Lebensgefühl in seiner Musik unsterblich.
Autor: Kornelia Stinn
