Ablaufdatum
Weltuntergang im Dezember 2012?
Schon gehört? Am 21. Dezember 2012 wird die Welt untergehen, vielleicht auch erst am 22. oder am 23. Dezember!
Der »Untergang der Erde« aus der Sicht unseres Grafikers Roger GutSchon gehört? Am 21. Dezember 2012 wird die Welt untergehen, vielleicht auch erst am 22. oder am 23. Dezember! Sicher haben Sie schon davon gehört. Zum Thema „Weltuntergang 2012“ gibt es inzwischen Zehntausende deutschsprachige Internet-Seiten, jede Menge wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Interviews in Zeitschriften, viele bunte Bücher am Esoterik-Markt und seit dem 19. November 2009 auch einen programmierten „Blockbuster“ im Kino: Roland Emmerich, der aus Stuttgart stammende Katastrophen-Spezialist unter den großen Hollywood-Regisseuren („Independence Day“, „The Day After Tomorrow“), läßt in seinem neuen Werk die Erde in Vulkanausbrüchen und Megawellen versinken. Noch nie sah man das „Ende der Welt“ in perfekterer Inszenierung. Die Maya hätten uns vor diesem letzten Dezember-Tag gewarnt …
Ich gebe gern zu, daß mich vor ein paar Jahren die ersten Anzeichen des 2012-Hypes nicht sonderlich berührten: „Altes Strickmuster, neues Ablaufdatum“, dachte ich – zugegeben oberflächlich und voreingenommen. Aber Weltuntergangsankündigungen sind heute nun einmal wirklich nichts Besonderes mehr, es gibt sie seit vielen Jahrzehnten. Ich selbst verfolge seit den 1980er Jahren interessiert, wie aus alten Schauungen und Prophezeiungen immer neue Termine konstruiert werden, die dann regelmäßig ohne besondere Vorkommnisse verstreichen. Die letzten derartigen Wellen spülten um die Jahrtausendwende sagenhafte Interpretationen rätselhafter Nostradamus-Verse ans Land, danach waren Bücher wie die „Vision 2004“ kurz in aller Untergangsgläubigen Munde, ehe auch sie im Altpapier ihre wohlverdiente Verwertung erfuhren.
Nun also der Weltuntergang 2012: Wenn die Zeitrechnung der Maya, dieser „allwissenden“ frühen indianischen Hochkultur, am 21. Dezember endet, dann endet damit auch das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Es könnte an diesem Tag Naturereignisse unvorstellbarer Dimensionen geben – der Impakt eines Kleinplaneten, der Ausbruch des gigantischen Vulkans unter dem „Yellowstone“-Nationalpark, Erdbeben und Flutwellen. Die Sonne gerät zur Wintersonnenwende in die Sogkraft eines „Schwarzen Lochs“ im Zentrum unserer Galaxie, und wir rutschen in einem kosmischen Großereignis in eine neue Dimension; ein neues „Zeitalter des Aufstiegs“ beginnt, wahrscheinlich begleitet von außerirdischen Intelligenzen.
Ist es sinnvoll, ausführlicher auf diese Ankündigung einzugehen? Sachlich darauf hinzuweisen, daß die Zeitrechnung der Maya gar nicht endet, sondern lediglich ein „langer Zyklus“ in deren Kalender? Daß von den Maya zwar düstere Prophezeiungen überliefert sind, aber nichts, was sich konkret auf den 21. Dezember 2012 bezieht? Daß die ganze Verortung des Maya-Kalenders in unserem Kalendersystem mit vielen Fragezeichen behaftet ist? (Zum Beispiel: Von welchem Anfangsdatum kann man bei der Umrechnung der Maya-Zählweise in unser System überhaupt ausgehen?) Oder daß die Sonne mit astronomischer Sicherheit auch am 21. Dezember 2012 Zigtausende von Lichtjahren vom Zentrum der Galaxis entfernt ihre Bahn ziehen wird?
Alte Hochkulturen wie die der Maya sind immer gut für Spekulationen.Vielleicht sind solche Hinweise (siehe Seite 27) sinnvoll. Also, schlicht und einfach zusammengefaßt: Es gibt nichts, überhaupt nichts, was für einen Weltuntergang konkret am 21. Dezember 2012 spricht! Das Datum ist ebenso wahrscheinlich – oder unwahrscheinlich – wie beispielsweise der 3. August 2010 oder der 4. Juli 3085! Doch im allgemeinen geht es in solchen Diskussionen nicht um Sachargumente – davon zeugen unter anderem die zahllosen Internet-Foren zum Thema „2012“. Es geht um Gefühle und Befürchtungen, um Unsicherheiten, Sorgen und Ängste – und nicht zuletzt zeigt sich in den geäußerten Gedanken immer auch das Ringen um ein Verständnis der Welt, in der wir leben. Denn die Kluft zwischen einfach denkenden und wissenschaftlich gebildeten Menschen ist heute so groß wie nie. Max Mustermann weiß wenig Konkretes von der gewaltigen Größe der Welt, wie sie sich den Astronomen im 20. Jahrhundert offenbart hat, oder über die quantenphysikalischen Theorien, die heute in Fachkreisen diskutiert werden. Er spürt nur deutlich, daß es nicht mehr lang so weitergehen kann wie bisher, daß der Menschheit eine düstere Zukunft droht … und in seiner Einfalt ist er bereit dazu, auch den unmöglichsten Szenarien anzuhängen, so sie nur seine eigenen unscharfen Gedanken zur Lage der Welt beheimaten. Dabei fällt es dem armen Max Mustermann natürlich viel leichter, Wissenschaftler, Politiker und Journalisten allesamt einer Verschwörerbande zuzurechnen, die die Wahrheit verschleiert, als Schärfe, Klarheit und Wahrheit in die eigene Gedankenwelt zu bringen.
Man glaubt halt einfach etwas … Als ich diese Zeilen schreibe, zeigt das „Voting-Ergebnis“ auf der prominenten deutschen Seite Weltuntergang-2012.de folgende Zahlen: Rund 6.000 Personen meinten zur Frage „Geht am 21. Dezember 2012 die Welt unter?“: „Ja“, rund 13.000 stimmten für „Nein“ – und 4.000 sagten: „Weiß nicht“. Daneben tickt auf dieser Seite der Countdown: „1218 Tage, 12 Stunden, 2 Minuten, 2 Sekunden“ bis zur Apokalypse.
Diese seltsame Verschränkung aus einer pseudoreligiösen Weltanschauung mit purer Unterhaltung ist typisch für den „Weltuntergang 2012“:
Hier das aktuelle „Sachbuch“ über die Maya-Prophezeiungen, dort Emmerichs cineastische Lust an der Apokalypse; nüchterne natur- und geschichtswissenschaftliche Betrachtungen werden undifferenziert auf eine Ebene mit haltlosen, peinlich-naiven Ergüssen gestellt … „Infotainment“ war wohl erst der Beginn. Dieser Begriff bringt die vielkritisierte, indes offenbar weltweit unaufhaltbare Verschmelzung von Information und Unterhaltung (Entertainment) in den großen Massenmedien auf den Punkt. Unübersehbar verschwimmen die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und der künstlichen Inszenierung immer mehr. Daher macht es in den heutigen Diskussionen oft keinen Unterschied mehr, ob der Weltuntergang für das Kino oder für die Realität angekündigt ist.
Kommt im Dezember 2012 der Weltuntergang? Das Voting im Internet läuft: Tausende sind der Meinung: „Ja!“
Was die überlieferten düsteren Prophezeiungen wirklich meinten, bleibt offen. Sicher ist, daß der „Weltuntergang 2012“ im Kino stattfindet.„2012“ ist tatsächlich ein eindrucksvolles Zeitzeichen für den zunehmenden Realitätsverlust zugunsten von selbstgezimmerten Scheinwelten.
Und für eine unheilvolle Bewußtseins-Passivität: Am liebsten, so habe ich den Eindruck, will Max Mustermann heute gar keine sachlichen Informationen oder Hinweise mehr, keine kleingedruckten grauen Buchseiten, keine Dokumente oder abstrakten Formeln, nichts, was er sich durch tiefes, eigenes Nachdenken, Forschen und Schlußfolgern mühevoll selbst erarbeiten müßte. Er will Fertiges sehen und hören, konsumieren, was ihn unvermittelt anregt und beschwingt. Und dieser Tisch ist im 21. Jahrhundert reich gedeckt!
Der wichtigste Schritt zu jenem „Aufstieg der Menschheit“, der für die Welt nach 2012 angekündigt – und tatsächlich bitter nötig – ist, liegt meines Erachtens in einem Erwachen aus dieser Passivität. Der eine müßte sich dringend daran machen, seine esoterische Scheinwelt zu überwinden, der andere sein religiöses Dogma, der dritte seine naturwissenschaftlichen Scheuklappen, die ihn daran hindern, die Existenz des Nicht-Materiellen, Überirdischen anzuerkennen.
Denn eines empfindet Max Mustermann wohl ganz richtig: die Welt ruft nach einer Neuorientierung des Menschen – und wir haben nicht mehr viel Zeit dafür!
Der »Untergang der Erde« aus der Sicht unseres Grafikers Roger GutSchon gehört? Am 21. Dezember 2012 wird die Welt untergehen, vielleicht auch erst am 22. oder am 23. Dezember! Sicher haben Sie schon davon gehört. Zum Thema „Weltuntergang 2012“ gibt es inzwischen Zehntausende deutschsprachige Internet-Seiten, jede Menge wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Interviews in Zeitschriften, viele bunte Bücher am Esoterik-Markt und seit dem 19. November 2009 auch einen programmierten „Blockbuster“ im Kino: Roland Emmerich, der aus Stuttgart stammende Katastrophen-Spezialist unter den großen Hollywood-Regisseuren („Independence Day“, „The Day After Tomorrow“), läßt in seinem neuen Werk die Erde in Vulkanausbrüchen und Megawellen versinken. Noch nie sah man das „Ende der Welt“ in perfekterer Inszenierung. Die Maya hätten uns vor diesem letzten Dezember-Tag gewarnt …
Ich gebe gern zu, daß mich vor ein paar Jahren die ersten Anzeichen des 2012-Hypes nicht sonderlich berührten: „Altes Strickmuster, neues Ablaufdatum“, dachte ich – zugegeben oberflächlich und voreingenommen. Aber Weltuntergangsankündigungen sind heute nun einmal wirklich nichts Besonderes mehr, es gibt sie seit vielen Jahrzehnten. Ich selbst verfolge seit den 1980er Jahren interessiert, wie aus alten Schauungen und Prophezeiungen immer neue Termine konstruiert werden, die dann regelmäßig ohne besondere Vorkommnisse verstreichen. Die letzten derartigen Wellen spülten um die Jahrtausendwende sagenhafte Interpretationen rätselhafter Nostradamus-Verse ans Land, danach waren Bücher wie die „Vision 2004“ kurz in aller Untergangsgläubigen Munde, ehe auch sie im Altpapier ihre wohlverdiente Verwertung erfuhren.
Nun also der Weltuntergang 2012: Wenn die Zeitrechnung der Maya, dieser „allwissenden“ frühen indianischen Hochkultur, am 21. Dezember endet, dann endet damit auch das Leben auf der Erde, wie wir es kennen. Es könnte an diesem Tag Naturereignisse unvorstellbarer Dimensionen geben – der Impakt eines Kleinplaneten, der Ausbruch des gigantischen Vulkans unter dem „Yellowstone“-Nationalpark, Erdbeben und Flutwellen. Die Sonne gerät zur Wintersonnenwende in die Sogkraft eines „Schwarzen Lochs“ im Zentrum unserer Galaxie, und wir rutschen in einem kosmischen Großereignis in eine neue Dimension; ein neues „Zeitalter des Aufstiegs“ beginnt, wahrscheinlich begleitet von außerirdischen Intelligenzen.
Ist es sinnvoll, ausführlicher auf diese Ankündigung einzugehen? Sachlich darauf hinzuweisen, daß die Zeitrechnung der Maya gar nicht endet, sondern lediglich ein „langer Zyklus“ in deren Kalender? Daß von den Maya zwar düstere Prophezeiungen überliefert sind, aber nichts, was sich konkret auf den 21. Dezember 2012 bezieht? Daß die ganze Verortung des Maya-Kalenders in unserem Kalendersystem mit vielen Fragezeichen behaftet ist? (Zum Beispiel: Von welchem Anfangsdatum kann man bei der Umrechnung der Maya-Zählweise in unser System überhaupt ausgehen?) Oder daß die Sonne mit astronomischer Sicherheit auch am 21. Dezember 2012 Zigtausende von Lichtjahren vom Zentrum der Galaxis entfernt ihre Bahn ziehen wird?
Alte Hochkulturen wie die der Maya sind immer gut für Spekulationen.Vielleicht sind solche Hinweise (siehe Seite 27) sinnvoll. Also, schlicht und einfach zusammengefaßt: Es gibt nichts, überhaupt nichts, was für einen Weltuntergang konkret am 21. Dezember 2012 spricht! Das Datum ist ebenso wahrscheinlich – oder unwahrscheinlich – wie beispielsweise der 3. August 2010 oder der 4. Juli 3085! Doch im allgemeinen geht es in solchen Diskussionen nicht um Sachargumente – davon zeugen unter anderem die zahllosen Internet-Foren zum Thema „2012“. Es geht um Gefühle und Befürchtungen, um Unsicherheiten, Sorgen und Ängste – und nicht zuletzt zeigt sich in den geäußerten Gedanken immer auch das Ringen um ein Verständnis der Welt, in der wir leben. Denn die Kluft zwischen einfach denkenden und wissenschaftlich gebildeten Menschen ist heute so groß wie nie. Max Mustermann weiß wenig Konkretes von der gewaltigen Größe der Welt, wie sie sich den Astronomen im 20. Jahrhundert offenbart hat, oder über die quantenphysikalischen Theorien, die heute in Fachkreisen diskutiert werden. Er spürt nur deutlich, daß es nicht mehr lang so weitergehen kann wie bisher, daß der Menschheit eine düstere Zukunft droht … und in seiner Einfalt ist er bereit dazu, auch den unmöglichsten Szenarien anzuhängen, so sie nur seine eigenen unscharfen Gedanken zur Lage der Welt beheimaten. Dabei fällt es dem armen Max Mustermann natürlich viel leichter, Wissenschaftler, Politiker und Journalisten allesamt einer Verschwörerbande zuzurechnen, die die Wahrheit verschleiert, als Schärfe, Klarheit und Wahrheit in die eigene Gedankenwelt zu bringen.
Man glaubt halt einfach etwas … Als ich diese Zeilen schreibe, zeigt das „Voting-Ergebnis“ auf der prominenten deutschen Seite Weltuntergang-2012.de folgende Zahlen: Rund 6.000 Personen meinten zur Frage „Geht am 21. Dezember 2012 die Welt unter?“: „Ja“, rund 13.000 stimmten für „Nein“ – und 4.000 sagten: „Weiß nicht“. Daneben tickt auf dieser Seite der Countdown: „1218 Tage, 12 Stunden, 2 Minuten, 2 Sekunden“ bis zur Apokalypse.
Diese seltsame Verschränkung aus einer pseudoreligiösen Weltanschauung mit purer Unterhaltung ist typisch für den „Weltuntergang 2012“:
Hier das aktuelle „Sachbuch“ über die Maya-Prophezeiungen, dort Emmerichs cineastische Lust an der Apokalypse; nüchterne natur- und geschichtswissenschaftliche Betrachtungen werden undifferenziert auf eine Ebene mit haltlosen, peinlich-naiven Ergüssen gestellt … „Infotainment“ war wohl erst der Beginn. Dieser Begriff bringt die vielkritisierte, indes offenbar weltweit unaufhaltbare Verschmelzung von Information und Unterhaltung (Entertainment) in den großen Massenmedien auf den Punkt. Unübersehbar verschwimmen die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und der künstlichen Inszenierung immer mehr. Daher macht es in den heutigen Diskussionen oft keinen Unterschied mehr, ob der Weltuntergang für das Kino oder für die Realität angekündigt ist.
Kommt im Dezember 2012 der Weltuntergang? Das Voting im Internet läuft: Tausende sind der Meinung: „Ja!“
Was die überlieferten düsteren Prophezeiungen wirklich meinten, bleibt offen. Sicher ist, daß der „Weltuntergang 2012“ im Kino stattfindet.„2012“ ist tatsächlich ein eindrucksvolles Zeitzeichen für den zunehmenden Realitätsverlust zugunsten von selbstgezimmerten Scheinwelten.
Und für eine unheilvolle Bewußtseins-Passivität: Am liebsten, so habe ich den Eindruck, will Max Mustermann heute gar keine sachlichen Informationen oder Hinweise mehr, keine kleingedruckten grauen Buchseiten, keine Dokumente oder abstrakten Formeln, nichts, was er sich durch tiefes, eigenes Nachdenken, Forschen und Schlußfolgern mühevoll selbst erarbeiten müßte. Er will Fertiges sehen und hören, konsumieren, was ihn unvermittelt anregt und beschwingt. Und dieser Tisch ist im 21. Jahrhundert reich gedeckt!
Der wichtigste Schritt zu jenem „Aufstieg der Menschheit“, der für die Welt nach 2012 angekündigt – und tatsächlich bitter nötig – ist, liegt meines Erachtens in einem Erwachen aus dieser Passivität. Der eine müßte sich dringend daran machen, seine esoterische Scheinwelt zu überwinden, der andere sein religiöses Dogma, der dritte seine naturwissenschaftlichen Scheuklappen, die ihn daran hindern, die Existenz des Nicht-Materiellen, Überirdischen anzuerkennen.
Denn eines empfindet Max Mustermann wohl ganz richtig: die Welt ruft nach einer Neuorientierung des Menschen – und wir haben nicht mehr viel Zeit dafür!
Autor: Werner Huemer
