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Die dunkle Seite der Aufklärung (1)

Schattenseiten einer Wendezeit

Die Zeit der Aufklärung – vom 17. bis ins 19. Jahrhundert – war die vielleicht wichtigste Epoche der moderneren europäischen Geistesgeschichte. Aufgeklärte Philosophen ließen keine Denkverbote gelten und schreckten vor Tabubrüchen nicht zurück. Das neue Denken kämpfte gegen den Aberglauben, bewirkte den Sturz autokratischer Herrschaftssysteme, stellte religiöse Dogmen in Frage und sprengte die geistige Unterdrückung durch die Kirchen. Die damit einhergehenden geistigen und irdischen Revolutionen verhalfen den Naturwissenschaften zum Durchbruch. Doch es gab auch Schattenseiten und Graubereiche in dieser Wendezeit …

Isaac Newtons (1642–1726) „mathematische Prinzipien der Naturphilosophie“ und seine Gravitationstheorie stehen zeitlich am Beginn des „Zeitalters der Vernunft“. Die bislang letzte große Auseinandersetzung des aufgeklärten Denkens mit überholten Dogmen markiert der zutiefst emotionsbeladene, große Streit um Charles Darwins (1809–1882) Evolutionstheorie.

Der Name Immanuel Kant (hier dargestellt durch eine Statue in Kaliningrad, Rußland) ist untrennbar mit der Epoche der Aufklärung verbunden.
Der Name Immanuel Kant (hier dargestellt durch eine Statue in Kaliningrad, Rußland) ist untrennbar mit der Epoche der Aufklärung verbunden.
Die Ideen der Aufklärung veränderten zuerst Europa und dann die Welt. Von Europa aus wurden die Grundwerte der Aufklärung in den Kolonien verbreitet und dann bis nach Japan und China getragen. Heute werden in Universitäten aller Kontinente dieselben Naturwissenschaften mit gleichen Inhalten gelehrt – eine Globalisierung des kritischen Denkens, die ohne die Aufklärung nicht vorstellbar wäre.

Christliche Kirchen kämpften jahrhundertelang erbittert gegen aufklärerische Forderungen nach Menschenrechten, Gedankenfreiheit, Demokratie, Rechtssicherheit usw., bis sie sich gezwungen sahen, dieses Gedankengut als „christliche Grundwerte“ in ihre Religion einzubauen. Manche religiösen Gruppen – besonders der Islam – tun sich noch immer schwer mit dem aufgeklärten Denken. Sie werden einer noch ausstehenden, ihrem Kulturkreis gemäßen „orientalischen Aufklärung“ nicht ausweichen können.

Doch dieses glorreiche Bild der Aufklärung ist nicht ohne Trübung. Denn der alte Aberglauben – von Religionen viele Jahrhunderte lang eifrig gepflegt – läßt sich nicht so einfach abschaffen.

Viele, die sich von den Kirchen abwendeten, übernahmen nicht gleich das neue, aufgeklärte Denken. Sie befaßten sich lieber mit Geheimlehren, Mysterien und magischen Kulten, oder sie schlossen sich geheimnisumwitterten Gesellschaften an, deren Nimbus sich bis heute halten konnte.

In dieser neuen GralsWelt-Serie werden wir uns mit dieser weniger bekannten, dunklen Seite der Aufklärung beschäftigen. Denn vieles von dem, was damals praktiziert wurde, läßt sich auch in der Gegenwart in esoterischen Lehren, okkulten Zirkeln oder sogar in anerkannten Religionen entdecken, die sich noch nicht vollständig vom alten Aberglauben lösen konnten.

Aber nicht aller „Aberglaube“ ist so verfehlt, wie es uns das heute übliche materialistische Denken nahelegt – denn der Mensch und die Schöpfung sind vielschichtiger und komplexer, als es das wissenschaftliche Weltbild wahrhaben will …

Eine in sich widersprüchliche Zeit

Die Epoche der Aufklärung (vom Ende des 17. bis ins 19. Jahrhundert) war eine ebenso interessante wie in sich widersprüchliche Zeit. Verschiedenste Meinungen und Ideen wurden geäußert, diskutiert, bekämpft, bewundert. Philosophie und Naturphilosophie gerieten in heftige Auseinandersetzungen mit den Kirchen. Traditionelles und modernes Denken standen sich unversöhnlich gegenüber.

Im Rückblick denkt man vor allem an den geistigen Aufbruch, an die Befreiung von unvernünftigen Glaubensdogmen, an den Durchbruch der Naturwissenschaften oder die durch die Philosophie der Aufklärung mitverursachten Revolutionen. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die Französische Revolution von 1789 sind Ausdruck dieses modernen, aufgeklärten Denkens, das bis heute unser Staatsverständnis prägt. Leider gab es – wie bei fast allen Revolutionen – schreckliche Exzesse und grausame Kriege, die das freundliche Bild der Aufklärungszeit trüben.

Doch dieses Zeitalter der Staats- und Naturphilosophie war auch eine Epoche des Aberglaubens, des Mystizismus, des Okkultismus und der geheimen Gesellschaften. In einer Zeit, in der sich der freie Meinungsaustausch, die offene Diskussion zwischen den Wissenschaftlern als Voraussetzung für den Fortschritt durchzusetzen begann, entstanden Geheimbünde, die archaische Rituale und okkulte Traditionen pflegten.

„Lieber gehängt sein als gelehrt!“

Zur Zeit des Barocks¹ müssen sich die vornehmen Kreise schrecklich gelangweilt haben. Sie suchten nach außergewöhnlichen Höhepunkten für ihr Leben; ihr Zeitvertreib bestand aus Duellen, Galanterie, Glücksspielen, Intrigen, Jagd, Klatsch, Kutschfahrten, Maskenbällen, Mode, Opern, Reiten, Tafelfreuden, Theater, Wetten.

Die Männer von Adel konnten dem öden Einerlei gelegentlich auch entfliehen, wenn sie als Offiziere an Feldzügen teilnahmen. Wenn sie Glück hatten, kamen sie gesund, vielleicht auch mit Orden behängt zurück.

Der typische Adelige war stolz auf seine vornehmen Ahnen und zeichnete sich durch die Beherrschung der überfeinerten höfischen Sitten aus, deren komplizierte Regeln man am besten von klein auf als Page lernte. Viele empfanden es als ihr selbstverständliches Privileg, reich zu sein und Unsummen für Luxus oder am Spieltisch zu verschwenden. Ihre hörigen Bauern oder die Verwalter ihrer Güter mußten das vergeudete Geld dann wieder erwirtschaften. Ansonsten war der typische Edelmann – nach heutigen Maßstäben – ungebildet, und er hatte kaum höhere Interessen. Typisch ist der Ausspruch eines englischen Landadeligen: „Ich will lieber gehängt sein als gelehrt.“

Am ödesten war das Leben für die adeligen Damen. Der Zugang zu höherer Bildung war ihnen verwehrt. Selbst der aufgeklärte, weltkluge Freiherr von Knigge (1752–1796) traute Frauen auf wissenschaftlichem Gebiet nicht viel zu: „Ich tadle nicht, daß ein Frauenzimmer ihre Schreibart und ihre mündliche Unterredung durch einiges Studium und durch keusch gewählte Lektüre zu verfeinern suche, daß sie sich bemühe, nicht ganz ohne wissenschaftliche Kenntnisse zu sein; aber sie soll kein Handwerk aus der Literatur machen; sie soll nicht umherschweifen in allen Teilen der Gelehrsamkeit. Es erregt wahrlich, wo nicht Ekel, doch Mitleiden, wenn man hört, wie solche armen Geschöpfe sich erkühnen, über die wichtigsten Gegenstände, die Jahrhunderte hindurch der Vorwurf der mühsamsten Nachforschungen großer Männer gewesen sind und von denen diese dennoch mit Bescheidenheit behauptet haben, sie sähen nicht ganz klar darin; wenn man hört, wie ein eitles Weib darüber am Tee- oder Nachttische in den entscheidensten Ausdrücken Machtansprüche wagt, indes sie kaum eine klare Vorstellung von der Materie hat, wovon die Rede ist.“ (2, S. 220)

Für die Damen von Stand konnten neben Ehe, Kindern, Kirche, Haushalt, Sticken und Ärger mit den Dienstboten nur Bälle, Empfänge, Mode, Schmuck, Theater, Oper und Glücksspiel sowie Klatsch und das Spinnen von Intrigen die Alltagslangeweile erträglicher machen; sofern sie nicht – oft unfreiwillig – in einem Kloster der Welt entsagten. Natürlich gab es Ausnahmen wie die hochbegabte, exzentrische Marquise du Châtelet (1706–1749), eine Freundin Voltaires, die Newtons „Prinzipien“ übersetzte; Madame de Staël (1766–1817), die meistgelesene Schriftstellerin ihrer Zeit, oder Karoline Herschel (1750–1848), eine erstklassige Astronomin.

Die eingebildeten, überfeinerten, sich über alle Nichtadeligen erhaben dünkenden vornehmen Kreise der Zeit des Barocks boten ein ideales Publikum für Abenteurer, Alchimisten, Hellseher, Hochstapler, Magier, Spiritisten, die sozusagen Abwechslung in das stupide gesellschaftliche Leben brachten.

„Einweihung“ statt mühevolles Studium

Durch die von der Reformation erzwungene Kirchenspaltung hatten die etablierten Religionen sehr an Ansehen verloren. Schon Jahrzehnte vor der Französischen Revolution gab es staatlich verordnete Reformen, die den Einfluß der Priesterschaft begrenzten (vgl. GralsWelt 56/2010, „Weshalb läßt Gott das alles zu?“). Gläubig war oft noch das einfache Volk. In den sogenannten höheren Schichten, vor allem bei den Gelehrten, nahm die Zahl der Agnostiker und aufgeklärten Skeptiker zu.

Den Drang nach Forschen, neuen Entdeckungen und vertieften Erkenntnissen konnten die Kirchen mit ihren festgefahrenen Dogmen und erstarrten Ritualen nicht befriedigen. Eine Alternative zu den Religionen boten die Wissenschaften mit ihren weiterführenden Einsichten. Doch wer in Anatomie, Astronomie, Botanik, Chemie, Geographie, Mathematik, Medizin, Philosophie, Physik usw. etwas gelten wollte, hatte einen harten Weg zu gehen, der für die meisten zu schwer war. Da boten okkulte Zirkel einen attraktiveren „Weg zum Wissen“, den geheimnisumwitterten „Einweihungsweg“ zu okkulten Geheimnissen, die angeblich weit hinausgingen über die materialistischen Ansätze der Naturwissenschaften. Eine Vorstellung, die sich noch in der Esoterik-Szene von heute findet.

Hochstapler und geheime Gesellschaften

In der Barockzeit glaubten nicht wenige an die Verheißungen okkulter Zirkel. Diese behaupteten, über „altes, geheimes Wissen“ zu verfügen, das von Gnostikern, Katharern und Templern oder sogar aus alttestamentlicher Zeit stammte, im geheimen weitergegeben und im Untergrund gepflegt wurde. Mitglieder von Geheimgesellschaften, die sich zu strenger Vertraulichkeit verpflichteten, konnten sich in dieses alte Wissen Stufe um Stufe einarbeiten.

Dann traten Hochstapler auf, die mit den Geheimwissenschaften vertraut sein wollten. Einige gaben sich als „Erleuchtete“, als „große Meister“ aus, die mit ihren geistigen Kräften die Welt beherrschen konnten. Sie brillierten vor einem gutgläubigen, meist recht unbedarften Publikum mit Taschenspielertricks, spiritistischen Séancen, alchemistischen Operationen wie „Goldmachen“ oder sonstigen verblüffenden Experimenten.

Gruppen, die ihre Zusammenarbeit aus unterschiedlichen Motiven geheimhalten, gab und gibt es seit biblischen Zeiten auf allen Kontinenten. Schon in der Bibel lassen sich Hinweise auf einen geheimen Kriegerclan finden.² Heute gibt es beispielsweise Verbrecherorganisationen, wie etwa die Mafia, terroristische Vereinigungen oder staatsfeindliche Gruppierungen, die einen Umsturz planen. Unter der Überschrift „Geheimgesellschaften“ werden auch mehr oder weniger harmlose Gruppen gehandelt, die verbotene Religionen ausüben, besondere Rituale vollziehen, spiritistische Sitzungen abhalten, okkulten Phänomenen nachspüren, Verschwörungstheorien verbreiten, oder zwielichtige Zirkel, die Drogenkulte praktizieren und womöglich in die Sexual-Magie oder den Satanismus abdriften.

Welche Bedeutung aber hatten die geheimen Gesellschaften des Barock-zeitalters?

Geheimes Wissen und brisante Ziele

Wissen wurde und wird – früher wie heute – oft geheimgehalten. Man denke etwa an Produktionsgeheimnisse, die in einer Zeit ohne Patentschutz unbedingt gehütet werden mußten und die auch heute nicht selten streng vertraulich sind (vgl. GralsWelt 18/2001, „Stoppt die Spionage!“).

Im Lauf der Menschheitsgeschichte – besonders beispielsweise während der Völkerwanderung – sind immer wieder Kenntnisse, die vorhanden waren, aber offenbar strikt geheimgehalten wurden, verlorengegangen. So waren im Mittelalter noch vielerorts Ruinen römischer Bauwerke zu finden. Wer diese Zeugnisse früherer Baukunst staunend betrachtete, war leicht davon zu überzeugen, daß die Alten über ein besonderes, aber verlorenes Wissen verfügt haben mußten. Ich selbst als Ingenieur stand vor den Pyramiden, dem Pantheon, römischen Aquädukten und Thermen, dem Grabmal Theoderichs in Ravenna, der Hagia Sophia in Istanbul, dem Dom zu Florenz, und habe mich ebenfalls gefragt, wie man diese beeindruckenden Gebäude mit den damaligen Mitteln errichten konnte.

Was genau die Alten wußten und weshalb das Wissen in Vergessenheit geriet, darüber lassen sich im allgemeinen nur Spekulationen anstellen. Doch können aus heutiger Sicht die Geheimgesellschaften der Barockzeit kaum wirklich wertvolle Geheimnisse gehütet haben. Ihre Ziele scheinen eher harmlos. Für ihre Zeitgenossen vertraten jedoch zum Beispiel die Freimaurer oder die Illuminaten brisante, staatsgefährdende Ziele: die Abschaffung der (absoluten) Monarchie und der Kirchen, Gewaltenteilung, Menschenrechte usw. Fürsten, die um ihre Privilegien und sogar um ihr Leben fürchteten, und die katholische Kirche, die ihren Status gefährdet sah, lehnten derartige Bestrebungen mit erbitterter Feindschaft ab und scheuten vor Verleumdungen nicht zurück.

An den Revolutionen des 18. Jahrhunderts beteiligten sich dann auch Mitglieder geheimer Gesellschaften und brachten aufklärerische Ideen ein. So waren zum Beispiel die meisten Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Freimaurer.

Über die Rolle von Freimaurern bei der Französischen Revolution wurde viel (auch Unsinniges) behauptet, das nur schwer belegbar oder widerlegbar ist. Im Gedächtnis bleiben phantastische Abenteuergeschichten ohne ernsthaften historischen Hintergrund, wie zum Beispiel „Joseph Balsamo“ von Alexandre Dumas (1802–1870).

In folgenden GralsWelt-Beiträgen werden wir uns die wichtigsten Exponenten des okkulten Spektrums der Aufklärung ansehen: Diskussionsrunden und Geheimgesellschaften, Freidenker, Okkultisten und esoterische Meister.

 

1 In der Kunstgeschichte wird das Barockzeitalter hauptsächlich auf das 17. und beginnende 18. Jahrhundert datiert. Im 20. Jahrhundert wurde dieser Stilbegriff zum Epochenbegriff erweitert; etwa gleichlaufend mit dem Absolutismus als der bestimmenden europäischen Regierungsform im 17. und 18. Jahrhundert.

2 In Richter 7, 4–7 finden sich einige nicht leicht verständliche Zeilen. Die Sache wird einleuchtender, wenn man unter denen, „die das Wasser mit der Zunge auflecken“, Angehörige eines Kriegerbundes vermutet, die durch ihr Ritual auffallen. Anscheinend war der Einsatz von 300 bestens trainierten Profis erfolgversprechender als der von 10.000 Ungeübten.


Isaac Newtons (1642–1726) „mathematische Prinzipien der Naturphilosophie“ und seine Gravitationstheorie stehen zeitlich am Beginn des „Zeitalters der Vernunft“. Die bislang letzte große Auseinandersetzung des aufgeklärten Denkens mit überholten Dogmen markiert der zutiefst emotionsbeladene, große Streit um Charles Darwins (1809–1882) Evolutionstheorie.

Der Name Immanuel Kant (hier dargestellt durch eine Statue in Kaliningrad, Rußland) ist untrennbar mit der Epoche der Aufklärung verbunden.
Der Name Immanuel Kant (hier dargestellt durch eine Statue in Kaliningrad, Rußland) ist untrennbar mit der Epoche der Aufklärung verbunden.
Die Ideen der Aufklärung veränderten zuerst Europa und dann die Welt. Von Europa aus wurden die Grundwerte der Aufklärung in den Kolonien verbreitet und dann bis nach Japan und China getragen. Heute werden in Universitäten aller Kontinente dieselben Naturwissenschaften mit gleichen Inhalten gelehrt – eine Globalisierung des kritischen Denkens, die ohne die Aufklärung nicht vorstellbar wäre.

Christliche Kirchen kämpften jahrhundertelang erbittert gegen aufklärerische Forderungen nach Menschenrechten, Gedankenfreiheit, Demokratie, Rechtssicherheit usw., bis sie sich gezwungen sahen, dieses Gedankengut als „christliche Grundwerte“ in ihre Religion einzubauen. Manche religiösen Gruppen – besonders der Islam – tun sich noch immer schwer mit dem aufgeklärten Denken. Sie werden einer noch ausstehenden, ihrem Kulturkreis gemäßen „orientalischen Aufklärung“ nicht ausweichen können.

Doch dieses glorreiche Bild der Aufklärung ist nicht ohne Trübung. Denn der alte Aberglauben – von Religionen viele Jahrhunderte lang eifrig gepflegt – läßt sich nicht so einfach abschaffen.

Viele, die sich von den Kirchen abwendeten, übernahmen nicht gleich das neue, aufgeklärte Denken. Sie befaßten sich lieber mit Geheimlehren, Mysterien und magischen Kulten, oder sie schlossen sich geheimnisumwitterten Gesellschaften an, deren Nimbus sich bis heute halten konnte.

In dieser neuen GralsWelt-Serie werden wir uns mit dieser weniger bekannten, dunklen Seite der Aufklärung beschäftigen. Denn vieles von dem, was damals praktiziert wurde, läßt sich auch in der Gegenwart in esoterischen Lehren, okkulten Zirkeln oder sogar in anerkannten Religionen entdecken, die sich noch nicht vollständig vom alten Aberglauben lösen konnten.

Aber nicht aller „Aberglaube“ ist so verfehlt, wie es uns das heute übliche materialistische Denken nahelegt – denn der Mensch und die Schöpfung sind vielschichtiger und komplexer, als es das wissenschaftliche Weltbild wahrhaben will …

Eine in sich widersprüchliche Zeit

Die Epoche der Aufklärung (vom Ende des 17. bis ins 19. Jahrhundert) war eine ebenso interessante wie in sich widersprüchliche Zeit. Verschiedenste Meinungen und Ideen wurden geäußert, diskutiert, bekämpft, bewundert. Philosophie und Naturphilosophie gerieten in heftige Auseinandersetzungen mit den Kirchen. Traditionelles und modernes Denken standen sich unversöhnlich gegenüber.

Im Rückblick denkt man vor allem an den geistigen Aufbruch, an die Befreiung von unvernünftigen Glaubensdogmen, an den Durchbruch der Naturwissenschaften oder die durch die Philosophie der Aufklärung mitverursachten Revolutionen. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die Französische Revolution von 1789 sind Ausdruck dieses modernen, aufgeklärten Denkens, das bis heute unser Staatsverständnis prägt. Leider gab es – wie bei fast allen Revolutionen – schreckliche Exzesse und grausame Kriege, die das freundliche Bild der Aufklärungszeit trüben.

Doch dieses Zeitalter der Staats- und Naturphilosophie war auch eine Epoche des Aberglaubens, des Mystizismus, des Okkultismus und der geheimen Gesellschaften. In einer Zeit, in der sich der freie Meinungsaustausch, die offene Diskussion zwischen den Wissenschaftlern als Voraussetzung für den Fortschritt durchzusetzen begann, entstanden Geheimbünde, die archaische Rituale und okkulte Traditionen pflegten.

„Lieber gehängt sein als gelehrt!“

Zur Zeit des Barocks¹ müssen sich die vornehmen Kreise schrecklich gelangweilt haben. Sie suchten nach außergewöhnlichen Höhepunkten für ihr Leben; ihr Zeitvertreib bestand aus Duellen, Galanterie, Glücksspielen, Intrigen, Jagd, Klatsch, Kutschfahrten, Maskenbällen, Mode, Opern, Reiten, Tafelfreuden, Theater, Wetten.

Die Männer von Adel konnten dem öden Einerlei gelegentlich auch entfliehen, wenn sie als Offiziere an Feldzügen teilnahmen. Wenn sie Glück hatten, kamen sie gesund, vielleicht auch mit Orden behängt zurück.

Der typische Adelige war stolz auf seine vornehmen Ahnen und zeichnete sich durch die Beherrschung der überfeinerten höfischen Sitten aus, deren komplizierte Regeln man am besten von klein auf als Page lernte. Viele empfanden es als ihr selbstverständliches Privileg, reich zu sein und Unsummen für Luxus oder am Spieltisch zu verschwenden. Ihre hörigen Bauern oder die Verwalter ihrer Güter mußten das vergeudete Geld dann wieder erwirtschaften. Ansonsten war der typische Edelmann – nach heutigen Maßstäben – ungebildet, und er hatte kaum höhere Interessen. Typisch ist der Ausspruch eines englischen Landadeligen: „Ich will lieber gehängt sein als gelehrt.“

Am ödesten war das Leben für die adeligen Damen. Der Zugang zu höherer Bildung war ihnen verwehrt. Selbst der aufgeklärte, weltkluge Freiherr von Knigge (1752–1796) traute Frauen auf wissenschaftlichem Gebiet nicht viel zu: „Ich tadle nicht, daß ein Frauenzimmer ihre Schreibart und ihre mündliche Unterredung durch einiges Studium und durch keusch gewählte Lektüre zu verfeinern suche, daß sie sich bemühe, nicht ganz ohne wissenschaftliche Kenntnisse zu sein; aber sie soll kein Handwerk aus der Literatur machen; sie soll nicht umherschweifen in allen Teilen der Gelehrsamkeit. Es erregt wahrlich, wo nicht Ekel, doch Mitleiden, wenn man hört, wie solche armen Geschöpfe sich erkühnen, über die wichtigsten Gegenstände, die Jahrhunderte hindurch der Vorwurf der mühsamsten Nachforschungen großer Männer gewesen sind und von denen diese dennoch mit Bescheidenheit behauptet haben, sie sähen nicht ganz klar darin; wenn man hört, wie ein eitles Weib darüber am Tee- oder Nachttische in den entscheidensten Ausdrücken Machtansprüche wagt, indes sie kaum eine klare Vorstellung von der Materie hat, wovon die Rede ist.“ (2, S. 220)

Für die Damen von Stand konnten neben Ehe, Kindern, Kirche, Haushalt, Sticken und Ärger mit den Dienstboten nur Bälle, Empfänge, Mode, Schmuck, Theater, Oper und Glücksspiel sowie Klatsch und das Spinnen von Intrigen die Alltagslangeweile erträglicher machen; sofern sie nicht – oft unfreiwillig – in einem Kloster der Welt entsagten. Natürlich gab es Ausnahmen wie die hochbegabte, exzentrische Marquise du Châtelet (1706–1749), eine Freundin Voltaires, die Newtons „Prinzipien“ übersetzte; Madame de Staël (1766–1817), die meistgelesene Schriftstellerin ihrer Zeit, oder Karoline Herschel (1750–1848), eine erstklassige Astronomin.

Die eingebildeten, überfeinerten, sich über alle Nichtadeligen erhaben dünkenden vornehmen Kreise der Zeit des Barocks boten ein ideales Publikum für Abenteurer, Alchimisten, Hellseher, Hochstapler, Magier, Spiritisten, die sozusagen Abwechslung in das stupide gesellschaftliche Leben brachten.

„Einweihung“ statt mühevolles Studium

Durch die von der Reformation erzwungene Kirchenspaltung hatten die etablierten Religionen sehr an Ansehen verloren. Schon Jahrzehnte vor der Französischen Revolution gab es staatlich verordnete Reformen, die den Einfluß der Priesterschaft begrenzten (vgl. GralsWelt 56/2010, „Weshalb läßt Gott das alles zu?“). Gläubig war oft noch das einfache Volk. In den sogenannten höheren Schichten, vor allem bei den Gelehrten, nahm die Zahl der Agnostiker und aufgeklärten Skeptiker zu.

Den Drang nach Forschen, neuen Entdeckungen und vertieften Erkenntnissen konnten die Kirchen mit ihren festgefahrenen Dogmen und erstarrten Ritualen nicht befriedigen. Eine Alternative zu den Religionen boten die Wissenschaften mit ihren weiterführenden Einsichten. Doch wer in Anatomie, Astronomie, Botanik, Chemie, Geographie, Mathematik, Medizin, Philosophie, Physik usw. etwas gelten wollte, hatte einen harten Weg zu gehen, der für die meisten zu schwer war. Da boten okkulte Zirkel einen attraktiveren „Weg zum Wissen“, den geheimnisumwitterten „Einweihungsweg“ zu okkulten Geheimnissen, die angeblich weit hinausgingen über die materialistischen Ansätze der Naturwissenschaften. Eine Vorstellung, die sich noch in der Esoterik-Szene von heute findet.

Hochstapler und geheime Gesellschaften

In der Barockzeit glaubten nicht wenige an die Verheißungen okkulter Zirkel. Diese behaupteten, über „altes, geheimes Wissen“ zu verfügen, das von Gnostikern, Katharern und Templern oder sogar aus alttestamentlicher Zeit stammte, im geheimen weitergegeben und im Untergrund gepflegt wurde. Mitglieder von Geheimgesellschaften, die sich zu strenger Vertraulichkeit verpflichteten, konnten sich in dieses alte Wissen Stufe um Stufe einarbeiten.

Dann traten Hochstapler auf, die mit den Geheimwissenschaften vertraut sein wollten. Einige gaben sich als „Erleuchtete“, als „große Meister“ aus, die mit ihren geistigen Kräften die Welt beherrschen konnten. Sie brillierten vor einem gutgläubigen, meist recht unbedarften Publikum mit Taschenspielertricks, spiritistischen Séancen, alchemistischen Operationen wie „Goldmachen“ oder sonstigen verblüffenden Experimenten.

Gruppen, die ihre Zusammenarbeit aus unterschiedlichen Motiven geheimhalten, gab und gibt es seit biblischen Zeiten auf allen Kontinenten. Schon in der Bibel lassen sich Hinweise auf einen geheimen Kriegerclan finden.² Heute gibt es beispielsweise Verbrecherorganisationen, wie etwa die Mafia, terroristische Vereinigungen oder staatsfeindliche Gruppierungen, die einen Umsturz planen. Unter der Überschrift „Geheimgesellschaften“ werden auch mehr oder weniger harmlose Gruppen gehandelt, die verbotene Religionen ausüben, besondere Rituale vollziehen, spiritistische Sitzungen abhalten, okkulten Phänomenen nachspüren, Verschwörungstheorien verbreiten, oder zwielichtige Zirkel, die Drogenkulte praktizieren und womöglich in die Sexual-Magie oder den Satanismus abdriften.

Welche Bedeutung aber hatten die geheimen Gesellschaften des Barock-zeitalters?

Geheimes Wissen und brisante Ziele

Wissen wurde und wird – früher wie heute – oft geheimgehalten. Man denke etwa an Produktionsgeheimnisse, die in einer Zeit ohne Patentschutz unbedingt gehütet werden mußten und die auch heute nicht selten streng vertraulich sind (vgl. GralsWelt 18/2001, „Stoppt die Spionage!“).

Im Lauf der Menschheitsgeschichte – besonders beispielsweise während der Völkerwanderung – sind immer wieder Kenntnisse, die vorhanden waren, aber offenbar strikt geheimgehalten wurden, verlorengegangen. So waren im Mittelalter noch vielerorts Ruinen römischer Bauwerke zu finden. Wer diese Zeugnisse früherer Baukunst staunend betrachtete, war leicht davon zu überzeugen, daß die Alten über ein besonderes, aber verlorenes Wissen verfügt haben mußten. Ich selbst als Ingenieur stand vor den Pyramiden, dem Pantheon, römischen Aquädukten und Thermen, dem Grabmal Theoderichs in Ravenna, der Hagia Sophia in Istanbul, dem Dom zu Florenz, und habe mich ebenfalls gefragt, wie man diese beeindruckenden Gebäude mit den damaligen Mitteln errichten konnte.

Was genau die Alten wußten und weshalb das Wissen in Vergessenheit geriet, darüber lassen sich im allgemeinen nur Spekulationen anstellen. Doch können aus heutiger Sicht die Geheimgesellschaften der Barockzeit kaum wirklich wertvolle Geheimnisse gehütet haben. Ihre Ziele scheinen eher harmlos. Für ihre Zeitgenossen vertraten jedoch zum Beispiel die Freimaurer oder die Illuminaten brisante, staatsgefährdende Ziele: die Abschaffung der (absoluten) Monarchie und der Kirchen, Gewaltenteilung, Menschenrechte usw. Fürsten, die um ihre Privilegien und sogar um ihr Leben fürchteten, und die katholische Kirche, die ihren Status gefährdet sah, lehnten derartige Bestrebungen mit erbitterter Feindschaft ab und scheuten vor Verleumdungen nicht zurück.

An den Revolutionen des 18. Jahrhunderts beteiligten sich dann auch Mitglieder geheimer Gesellschaften und brachten aufklärerische Ideen ein. So waren zum Beispiel die meisten Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Freimaurer.

Über die Rolle von Freimaurern bei der Französischen Revolution wurde viel (auch Unsinniges) behauptet, das nur schwer belegbar oder widerlegbar ist. Im Gedächtnis bleiben phantastische Abenteuergeschichten ohne ernsthaften historischen Hintergrund, wie zum Beispiel „Joseph Balsamo“ von Alexandre Dumas (1802–1870).

In folgenden GralsWelt-Beiträgen werden wir uns die wichtigsten Exponenten des okkulten Spektrums der Aufklärung ansehen: Diskussionsrunden und Geheimgesellschaften, Freidenker, Okkultisten und esoterische Meister.

 

1 In der Kunstgeschichte wird das Barockzeitalter hauptsächlich auf das 17. und beginnende 18. Jahrhundert datiert. Im 20. Jahrhundert wurde dieser Stilbegriff zum Epochenbegriff erweitert; etwa gleichlaufend mit dem Absolutismus als der bestimmenden europäischen Regierungsform im 17. und 18. Jahrhundert.

2 In Richter 7, 4–7 finden sich einige nicht leicht verständliche Zeilen. Die Sache wird einleuchtender, wenn man unter denen, „die das Wasser mit der Zunge auflecken“, Angehörige eines Kriegerbundes vermutet, die durch ihr Ritual auffallen. Anscheinend war der Einsatz von 300 bestens trainierten Profis erfolgversprechender als der von 10.000 Ungeübten.



Autor: Siegfried Hagl

„Man wird heutzutage in allen Ständen wenig Menschen antreffen, die nicht, von Wißbegierde, Tätigkeitstrieb, Geselligkeit oder Vorwitz geleitet, wenigstens eine Zeitlang Mitglieder einer solchen geheimen Verbrüderung gewesen wären.“

Adolph Freiherr v. Knigge, 1788

Ein schamloser Verschwender

Für den Umgang eines Adeligen mit dem Vermögen seiner Untertanen bringt Friedrich Christian Laukhard (1757–1822) ein extremes Beispiel aus seiner Heimat im Nahetal:

„Der Rheingraf Carl Magnus von Grehweiler hatte ungefähr 40.000 Thaler Einkünfte und führte dennoch einen fürstlichen Hofhalt, hielt sogar Heiducken* und Husaren, eine Bande Hofmusikanten, einen Stallmeister, Bereiter und noch viel anderes unnötiges Gesinde. Dazu gehörte Geld, und seine Einkünfte reichten nicht aus. Daher wurden Schulden gemacht, was anfangs noch recht gut ging. Aber bald wollte niemand mehr dem Herrn Grafen auf sein hochgräfliches Wort borgen. Was war da zu tun? Man nahm Geld auf die Dorfschaften auf, und die Bauern mußten als Bürgen unterschreiben. Auf diese Art wurde nach und nach eine Summe von 900.000 Gulden** geborgt …
Bei den Unterschriften liefen aber so grobe Fälschungen mitunter, daß Leute, welche gar nichts von der Sache wußten, sich für große Summen verbürgt haben sollten. Es gereicht dem Gerechtigkeitssinne des aufgeklärten Kaisers Josephs II. von Habsburg (1765–1790) zur Ehre, daß er, als die schmähliche Geschichte ruchbar wurde, die armen Bauern ihrer erzwungenen oder gefälschten Verpflichtungen förmlich entband, den angestammten Fälscher aber, trotz der fußfälligen Fürbitte von dessen Tochter, der Regierung entsetzte und auf 10 Jahre in die Festung Königstein bei Frankfurt verwies.“ (3, S. 387)

Bei solchen Zuständen ist es kaum überraschend, daß die Französische Revolution von den kleinen Leuten begrüßt wurde und die eindringenden französischen Truppen von vielen Deutschen begeistert empfangen wurden.

* Als Heiducken wurden ursprünglich Gesetzlose im Balkan bezeichnet. Später (wie in diesem Fall) waren es bewaffnete Wachsoldaten
** Um 1754 mußte für einen Gulden ein Meister zwei Tage, ein Geselle zweieinhalb Tage und ein Tagelöhner drei Tage zu je 13,5 Stunden arbeiten. (http://de.wikipedia.org/wiki/gulden#Der_Gulden)

Was ist Aufklärung?

Immanuel Kant (1724–1804), der führende Philosoph der Aufklärung, beantwortete die Frage „Was ist Aufklärung?“ im Jahr 1784 in der „Berlinischen Monatsschrift“:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen: Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Die Zeit der Mysterien

Der den Ideen der Aufklärung verpflichtete Historiker Johannes Scherr, der nach der Revolution von 1849 aus Württemberg in die Schweiz fliehen mußte, nennt die Barockzeit die „Zeit der Mysterien“: „Auf der einen Seite hatte der ränkesüchtige Charakter der Politik den Sinn für freie Bewegung in der Öffentlichkeit vernichtet, auf der anderen Seite suchte und fand die übersättigte Genußsucht in dem Spiele mit Geheimniskram einen neuen Reiz. Sodann wußte der Jesuitismus in den geheimbündnerischen Zettel ganz vortrefflich den Einschlag seines Obskurantismus (Obskurantismus = Aufklärungs- und Wissenschaftsfeindlichkeit) zu verweben, listige Abenteurer fischten mittels des aus Mystik und Sinnlichkeit gewobenen Netzes in den Taschen von Gimpeln, und endlich machte die Aufklärung den Versuch, den Geheimbundapparat zu ihrem Vorteile zu nutzen, was aber mißlingen mußte, weil die Idee der Freiheit zu ihrem Gedeihen schlechterdings Licht und Luft und Öffentlichkeit nötig hat. Die Grundlage der Geheimbündlerei war der Freimaurerorden. […] Er stand in Deutschland in so hohem Ansehen, daß eine Menge durch Geist, Gemüt oder Lebensstellung ausgezeichneter Männer durch die Brüderschaft desselben verbunden waren. Wir erinnern nur an Wieland, Herder, Goethe und Friedrich den Großen, welcher als Kronprinz Maurer geworden war und den Orden auch als König begünstigte, bis er kurz vor dem Siebenjährigen Krieg 'deckte', weil ihm die mystische Spektakelei, zu welcher die Logen mißbraucht zu werden anfingen, höchlich mißfiel.“ (3, S. 377)

Weiterführende Links

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  • Aufklärung
  • Kant

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Siegfried Hagl

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